25. März 2025
Das Programm der März-Stadtratssitzung ist eng bestückt. Eingeleitet wird der öffentliche Teil durch einen Vortrag von Philipp Benkowitz von der „PTV-Group“, die für unsere Stadt seit Anfang 2024 ein Mobilitätskonzept erarbeitet. In einem zügigen Durchgang referiert er alle einzelnen Schritte, die das Vorhaben jetzt auf die Zielgerade führen: Nach einer umfangreichen Bestandsanalyse und der Entwicklung eines Leitbilds wurde ein Katalog von mehr als 170 Einzelmaßnahmen erstellt, der jetzt zum vermehrten Male mit Beteiligung der Bevölkerung dazu führen soll, dass schon bald erste konkrete Punkte umgesetzt werden.
Was im Fachjargon als „partizipativer Aushandlungsprozess zur fairen Verteilung des Straßenraums“ gilt, fordert uns alle jetzt noch einmal zu einer großen Online-Beteiligung auf. Benkowitz bedankt sich an dieser Stelle für die vielen Hinweise, die aus der Bürgerschaft im Laufe der letzten Monate eingegangen sind, und er hofft, dass Ende April nach Abschluss der Online-Umfrage wirklich die Ergebnisse des Konzepts „vom Papier auf die Straße“ gebracht werden können. Eine öffentliche Möglichkeit zu Information und Input gibt es nochmals beim „Drehmoment“ am 13./14. April. Am 12. Mai folgt ein öffentliches Mobilitätsforum in der Stadthalle – und im Juni ist dann alles fertig für den Beschluss des Konzepts im Stadtrat.
So rufen auch wir jetzt alle auf, doch bitte teilzunehmen an der
Online-Befragung. Hier wird man über die Maßnahmenbereiche informiert und kann sich dazu äußern, welche der vorgestellten Maßnahmen einem besonders wichtig sind. Hervorzuheben ist, dass das Format besonders nutzungsfreundlich gestaltet ist. Unsere Mobilität soll langfristig sicherer, wirkungsvoller und nachhaltiger werden. Dafür müssen aus guten Ideen jetzt konkrete Schritte werden. Daran, dass dies geschieht, können
wir alle mitarbeiten.
14. März 2025
Und wieder ist das Foyer des Museums dicht gefüllt: An diesem Freitagabend eröffnet Markus Bocksberger die Ausstellung „Kataklump – eine Idee“. Die kunsthistorische Erklärung dafür, was hinter dem flämischen Wort für „Galoppierende Pferde“ steht und warum die Assoziation mit „Blauer Reiter“ nicht zufällig ist, überlässt er Museumsleiterin Annette Vogel, Dr. Matilda Felix, die das „Haus Coburg/Städtische Galerie Delmenhorst“ leitet, sowie Anne Götzelmann, die als Ko-Kuratorin für die Übernahme der Ausstellung aus Norddeutschland eine unserem Haus angepasste Form gefunden hat.
Gezeigt werden die Zeugnisse des Zusammentreffens dreier Künstler in den Jahren 1919-1921 im Künstlerdorf Seeshaupt: der beiden Maler Fritz Stuckenberg (1881-1944) und Heinrich Campendonk (1889-1957) und des Lyrikers Paul van Ostaijen (1996-1928). In den Bildern und Texten ist das ferne Berlin des gemeinsamen Galeristen Herwarth Walden immer präsent – woran auch dessen mitten im Hauptraum der Ausstellung unübersehbare Bronzebüste erinnert. Diese Männer und mit ihnen auch ihre Frauen waren in vielfältiger und teils schillernder Weise miteinander verbunden.
Das
Thema „Freundschaft“, um das die Ausstellung mindestens ebenso kreist wie den gescheiterten Plan, in Abgrenzung von Waldens „Sturm“-Galerie eine neue Künstlergruppe zu gründen, nimmt der Zweite Bürgermeister bei der Eröffnung auf: Während die politischen Nachrichten Zerbrechlichkeit wie Notwendigkeit von Freundschaft dokumentierten, sehe man im Falle unseres Museums ihre glücklichen Folgen. Denn die Ausstellung sei allein der seit Jahrzehnten bestehenden Freundschaft der beiden Häuser in Delmenhorst und Penzberg zu verdanken, wie auch die letzte Ausstellung nur mit der Danner-Stiftung möglich gewesen sei; unser Museum sei auch Teil
des überregionalen Verbunds „MuSeenlandschaft Expressionismus“, der für jedes Mitglied ein sicheres Nest und Netzwerk biete; und nicht zuletzt unterstützten kontinuierlich die drei örtlichen Vereine “Freundeskreis Heinrich Campendonk“ (FHC), „Kulturgemeinschaft Penzberg“ und „Kunstzeche Penzberg“ das Haus. In den letzten Jahren nähmen gerade die vom FHC finanzierten Schulführungen und Kinderprogramme immer mehr zu.
Unser Museum verdanke seinen Freundschaften also viel. Was die gezeigten Künstler der ihren verdankten, ist jetzt drei Monate lang zu sehen.
12. März 2025
Ja, es sind 90 min, aber diese 90 min Zeit sind gut investiert, am meisten für junge Leute, aber auch sonst für jedes Alter: Dieser Tage läuft die „Internationale Handwerksmesse“ in München, vom 12. bis zum 16. März. Kommt man um 10 Uhr an den Messehallen an, dann sieht man massenweise SchülerInnen höherer Klassen, die jetzt noch etwas verfroren und müde um sich gucken. Aber wenig später wuseln sie zügig und mit leuchtenden Augen durch die Gänge, interviewen hier eine Konditormeisterin, dort einen Glasermeister, versuchen sich bei den Zimmerern an einem Werkstück, schneiden in der Polsterei ein Stück Füllmaterial zurecht – und sind einfach voller Eifer so ganz bei der Sache.
Dass wir ein Problem mit dem Nachwuchs von Fachkräften haben, ist allbekannt und gilt auch für Penzberg. Eine neuere Studie der BertelsmannStiftung spricht von 70.000 Ausbildungsstellen, die im letzten Jahr in Deutschland nicht besetzt worden sind. Wenn gleichzeitig jährlich 250.000 junge Menschen statt mit einem Ausbildungsbeginn erstmal mit einem Praktikum starten, dann mag das daran liegen, dass ihnen die Vorstellungen fehlen. Die aber sind am besten im direkten Kontakt zu gewinnen. Da ist es einfach eine wunderbare Möglichkeit, auf solch einer Messe mit dem jungen Bäckermeister Moritz ins Gespräch zu kommen, sich von ihm beim Legen eines Hefezopfes helfen zu lassen und dabei zu erfahren, dass man durchaus nicht sein Leben lang um drei Uhr früh aufstehen muss.
Der Funke springt auch bei Dana und Rieke über. Sie sind dauerbelagert, während sie begeistert von ihrer Schneiderlehre erzählen. Zwei Jahre waren sie danach als Gesellinnen tätig, jetzt sind sie Meisterschülerinnen an der
Fachschule für GewandmeisterInnen in Hamburg. Dort arbeiten sie mit den
Kostümbildnern verschiedener Bühnen zusammen, übersetzen deren Entwürfe in Schnitte – und bereiten sich in Sachen Personalführung auf eine Zukunft als Werkstattleiterinnen vor. Von Hand sticheln sie an ihren Achterkrausen und berichten aus den Kulissen des Theaterlebens. „Ein bisschen Theater ist das hier auch“, lacht Rieke, „denn normalerweise sitze ich natürlich nicht den ganzen Tag auf dem Tisch!“
5. März 2025
196 Staaten haben sich seit dem Weltkindergipfel von 1990 zum Schutz von Kindern verpflichtet. Über unicef sind sowohl die 54 Artikel der UN-Kinderrechtskonvention (KRK) als auch eine Kurzfassung in zehn wichtigen Kinderrechten leicht zu finden. Für diese Rechte hat der Penzberger Verein „ÜberMorgen e.V.“ von den „Schulen für Holz und Gestaltung Garmisch-Partenkirchen“ eine solide Kinderbank für den Außenbereich entwerfen lassen. Aus Esche gefertigt und wetterfest lackiert. Die mit dem jeweiligen Kinderrecht beschrifteten zehn Bänke stehen jetzt dank einer Finanzierung durch Soziallotterie, „Kulturgemeinschaft Penzberg e.V.“ und Sparkasse Penzberg bereit, um von Kindern bemalt zu werden.
Eine der Bänke wurde aus den Spenden bezahlt, die das Bündnis „Penzberg bleibt bunt“ bei der letzten Demo über die für die Organisation notwendigen Mittel hinaus erhalten hat. Mitorganisatorin Bärbel Scholz hat sich für die Bank mit dem „Recht auf Schutz im Krieg und auf der Flucht“ entschieden. Um einen Ort für die erste große Malaktion zu finden, hat sie sich mit dem „Förderverein Werkraum Penzberg e.V.“ zusammengetan. Und so sind an diesem Märznachmittag an der Christianstraße zehn Kinder in der Sonne mit Pinseln und Farbe am Werkeln. Zuvor haben sie mit Juristin Dr. Regina Klostermann und Lehrerin Sarah Torka über die Probleme von Kindern im Krieg und auf der Flucht gesprochen und geeignete Motive für die Gestaltung gesucht: Eine große Friedenstaube entsteht, ein Peace-Zeichen, eine bunt beschirmte Gruppe und viele Hände, die sich einander entgegenstrecken.
In den kommenden Wochen werden an mehreren Schulen, in den drei religiösen Gemeinden sowie im Jugendzentrum
ähnliche Malaktionen stattfinden. An jeder Bank werden zusätzlich QR-Codes angebracht, über die weitere Infos zu dem entsprechenden Recht zu finden sind. Die Stadt hat zugesagt, dass danach gemeinsam mit ÜberMorgen die Standorte gesucht und die Bänke verankert werden. Am Ende des Projekts soll es möglich sein, zu Fuß oder mit dem Radl einem Kinderrechte-Weg zu folgen. Als es an der Christianstraße schattig wird und die Bank schon fast fertig zu sein scheint, sagt ein Junge zu einem anderen: „Das ist überall wichtig. Komm, wir malen noch eine Welt.“ Und sie vertiefen sich nochmals in die Arbeit.
2. März 2025
„Eiszeit“, so das diesjährige Motto für den Penzberger Fasching und damit auch für den Gaudiwurm. Aber dass das Eismärchen wie so vieles anderes auf lange Zeit auf Eis gelegt ist, das kann man ja nicht ein ums andere Mal wiederholen. Und dann hält die Welt da draußen ja auch noch ein paar andere Themen bereit. Was wird uns da in den letzten Wochen vor der Bundestagswahl permanent ins Ohr getröpfelt? Ein Problem mit massiver Migration, allbeherrschendes Thema! Als ob wir nicht auch noch ein paar andere Probleme hätten: stagnierende Wirtschaft, steigende Preise, demografischer Wandel mit all seinen Folgen, mangelnde Fachkräfteversorgung, sinkende Schulausstattung und – noch weniger commod – vielleicht doch auch der politische Rechtsruck und auch das nachlassende Interesse an der Klimakrise… Das vornan gestellte Migrationsthema, das erinnert einen fast an einen Science-Fiction-Film aus dem letzten Jahrhundert, richtig, an „Men in Black“, 1997.
Uiii, da hatten sich zwei schwarz gewandete Männer um den intergalaktischen Abschaum zu kümmern, der doch glatt auf unserem schönen Planeten Asyl suchte. Nach all den Diskussionen samt Instrumentalisierungen der letzten Wochen kommen wir uns schon vor wie die MIB, denen die Aliens permanent im Nacken sitzen, während wir kaum schaffen, sie wirksam in die Schranken zu weisen. Aber vielleicht fallen uns noch ein paar andere Waffen ein? Wie wäre es, wenn unser Motto „Miteinander in Benzberg“ hieße und unsere Waffen etwas anders aussehen würden als diese Blitzdinger von Agent K und Agent J? Wie wäre es mit ein bisschen Freundlichkeit, vielleicht sogar ein bisschen Annäherung, hier mal einen ausgeben, da mal einen auf „Du“ und „Du“ machen? Über der Stadt schwebt der Pleitegeier, über uns schweben die grünen Aliens. Das können wir alles noch gelassen nehmen – angesichts dessen, was tatsächlich an Gefahren droht. Politisch und klimatisch.
25. Februar 2025
Wie immer, wenn es um das Bauprojekt an der Bahnhofstraße geht, sind auch bei dieser Stadtratssitzung die Stuhlreihen für die Öffentlichkeit voll besetzt. Mit Veröffentlichung der Tagesordnung eine Woche vorher war bekannt, dass die Verwaltung das vom Denkmalverein ausgehende Bürgerbegehren geprüft und als unzulässig bewertet hat. Ein Argument war das nicht erfüllte Quorum, doch bis zur Sitzung sind die erforderlichen 1153 Unterschriften mehr als erreicht. Fast alle weiteren Kriterien sind auch unkritisch: der Entscheidungscharakter der Fragestellung, die Möglichkeit des Ziels und das Koppelungsverbot. Nur bei der Bestimmtheit der Fragestellung gibt es Zweifel. Dass das Menagehaus erhalten werden soll, sei als erster Teil der Frage ausreichend bestimmt gewesen. Welche sonst „noch erhaltenen historischen Gebäude in Penzberg“ aber mit dem zweiten Teil der Frage gemeint gewesen sein sollen, sei allein der Begründung zu entnehmen gewesen und damit für einen Bürgerentscheid mit der nackten Frage allein nicht verständlich. Mit dieser Sachlage wird die Diskussion eröffnet.
So geschlossen die Fraktion von „Penzberg Miteinander“ auch üblicherweise auftritt, hier gibt es dieses Mal zwei völlig gegensätzliche Standpunkte.
Martin Janner erklärt zunächst, dass es immerhin dank vor allem von PM-Bemühungen bei dem Bauprojekt jetzt eine frühzeitige Bürgerbeteiligung und eine Fassadenjury gebe. Was das Begehren betreffe, so sei der zweite Teil der Frage voraussichtlich nach einem Beschluss des Bayerischen Verwaltungsgerichtshofs von 2022 nicht zulässig. Er bemängelt aber, dass die eingeholten juristischen Meinungen das „Danach“ nicht betrachtet hätten, nicht für die Zulässigkeit/Unzulässigkeit und bei Zulässigkeit auch nicht für Erfolg/Scheitern des Entscheids. In dem für die Bürgerinitiative besten Fall würde der Wunsch nach Erhalt der Gebäude es allein bis in den Abwägungsprozess bei der Erstellung des Bebauungsplans schaffen; ein Denkmalschutz dagegen könne nicht erreicht werden. Diesbezüglich aber sichere unsere Sanierungssatzung jetzt schon, dass der Abriss der Gebäude ohne die Genehmigung des Stadtrats nicht möglich sei. Wenn das Begehren auch unzulässig sei, so sei allein dessen Entstehen Mahnung genug, das B-Plan-Verfahren höchst aufmerksam zu begleiten.
Anette Völker-Rasor
nimmt dagegen Partei für das Begehren, auch wenn es unzulässig sein könnte – ganz ähnlich übrigens all jenen, die unterschrieben hätten, auch wenn die Frage nicht zielgenau gewesen sei. Es gehe jetzt allein noch um die Bestimmtheit der zweiten Teilfrage. Das von der Stadt
befragte Anwaltsbüro habe mit Blick auf das schon zitierte Urteil des Bay VGH
einen „rechtlichen Grenzfall“ gesehen. Wer aber unterschrieben habe, sei für den Erhalt der nach ISEK „stadtbildprägenden Gebäude“ eingetreten, allen voran des Menagehauses. Das wisse man auch bei Teilnahme am Bürgerentscheid. Weit über 1100 BürgerInnen wollten letztlich
mehr als nur eine frühzeitige
Beteiligung am Bebauungsplan, sie wollten auch mehr als nur eine
Fassadenjury, wenn die alten Bauten weg seien. Sie wollten
einbezogen werden in die Weiterentwicklung der gesamten Innenstadt. Dafür müsse endlich
das informelle ISEK in formelle Planung überführt werden. Verlässlich für Investoren und vertrauensbildend für die Bürgerschaft. Deshalb sollte das Begehren jetzt Gehör finden.
Am Ende dieser langen Diskussion entscheidet sich die große Mehrheit für die Abweisung des Bürgerbegehrens gegen eine Stimme aus dem Kreis der Grünen und eine PM-Stimme.
22. Februar 2025
Nur wer schon andere Tagespflege-Einrichtungen gesehen hat, erkennt wohl auf Anhieb, wie viele Vorzüge hier an einem Platz versammelt sind: die Räumlichkeiten liegen stadtnah, sind großzügig geschnitten, von Licht durchflutet und gemütlich eingerichtet wie daheim. Vor allem aber werden sie von liebevollen Fachkräften betreut, die an diesem „Tag der offenen Tür“ auch ausführlich über den täglichen Ablauf berichten und Fragen beantworten.
Eine Tagespflege bietet vor allem Angehörigen von pflegebedürftigen Seniorinnen und Senioren mit Pflegegrad-Einstufung eine Entlastung. Wenn man weiß, dass der AWO-Fahrdienst die Mutter oder den Vater morgens von zuhause abholt und am späten Nachmittag ab 16.30 Uhr wieder heimbringt, kann man beruhigt tagsüber der eigenen Arbeit nachgehen und weiß, dass für alles gesorgt ist: Der Tag beginnt mit einem gemeinsamen Frühstück, danach wird zusammen die Zeitung gelesen, später kann man vom Aufenthaltsraum in den Bewegungsraum wechseln, nach dem Mittagessen laden im Ruheraum bequeme Sessel oder auch Betten zu einer Mittagsruhe ein, bis der Tag bei Kaffee, Kuchen und Spielen langsam ausklingt. Das alles sind Angebote. Genauso gut kann man still für sich den Blick über den Balkon hinweg in die Berge genießen oder in einem bequemen Sofa etwas lesen. Man ist umsorgt und schläft doch nachts im eigenen Bett.
Die Anzahl der betreuungsfähigen Tage pro Woche richtet sich nach dem Pflegegrad, doch bei Zuzahlung können auch mehr Tage gebucht werden. Selbst wenn an diesem Samstag kein Gast anwesend ist, ahnt man, wie gemeinschaftlich und aktiv es in der
AWO-Tagespflege unter der Woche zugeht. Nach einem Jahr Betrieb sind bereits überall Bastelarbeiten zu sehen, die sich bis in das Stationszimmer der Pflegedienstleitung verteilen.
12-15 Gäste täglich können hier betreut werden. Auf diese Möglichkeit haben wir in Penzberg lange gewartet. Die beste Nachricht des Tages ist: Es sind noch Plätze verfügbar.
15. Februar 2025
Als dieser Refrain ertönt, da singen alle, die da sind, spontan mit. Alle, die da sind: Das sind an diesem kalten Samstagnachmittag vor dem Penzberger Rathaus immerhin gut 1000 Menschen. Dem Mann, der sonst Kinderlieder komponiert, Thomas Kopf, „fällt es in Zeiten wie diesen schwer, nicht politisch zu sein“. So ist das Lied entstanden, in dem es unter anderem heißt: „Aber wenn alle nur stur auf sich selber schaun, wird die Welt erst ganz grau, und danach, da werd’s braun.“ Das passt perfekt zum Motto des Teams „Penzberg bleibt bunt“. Wie vor einem Jahr hat man erneut zu einer Versammlung getrommelt unter dem Leitspruch „Vereint in Vielfalt und Toleranz. Für Demokratie – gegen Ausgrenzung“.
Auch die Penzberger Gruppe WuH („Wild und Hungrig“) sorgt später dafür, dass Bewegung in die Leute kommt und keine Kälte in die Knochen kriecht. Zuvor aber eröffnet Bärbel Scholz vom Orga-Team den Nachmittag mit einer Erinnerung an den Münchner Anschlag vom Donnerstag. Schock und Trauer säßen tief, sagt sie, und man müsse umso mehr Vorsicht walten lassen. Doch man lasse sich die Entschlossenheit, für Demokratie und Toleranz zu kämpfen, von niemandem nehmen. Nach ihr spricht die Penzbergerin Dr. Regina Klostermann und wirbt für Menschlichkeit sowie gegenseitige Achtung. Dabei stellt sie fest: „In einer globalisierten Welt ist Vielfalt nicht nur Normalität, sie ist eine Notwendigkeit.“
Clemens Meikis spricht von einer
„Zeit der Erschütterungen“, in der man zusammenkomme. Die Verletzlichkeit der Gesellschaft zeige sich auch in Penzberg wie vor kurzem erst in den Anfeindungen gegen die Islamische Gemeinde. Das
friedliche Zusammenleben vor Ort aber sei ein Zeichen für die Überlegenheit gegenüber Hetz-Parolen. Er weitet von hier aus den Blick und macht Mut mit den Worten: „Die Mehrheit in unserem Land will keinen Hass,
die Mehrheit will ein friedliches Miteinander.“ Wer laut für Toleranz und Respekt eintrete, übertöne die Hetzereien. Genau deshalb kommt es an diesem Nachmittag immer wieder zu lautem Trommeln. Abschließend führt
„Samba Batedura“ dies in heiße Rhythmen über.
13. Februar 2025
Die Botschaft dieser Ausstellung ist gleich an der ersten Station mit Händen zu greifen – oder auch nicht: mit seinen 20 kg Gewicht zeigt ein Rucksack, wie schwer der durchschnittliche Ressourcenverbrauch pro BundesbürgerIn allein in 6 Stunden wiegt! Im Jahr kommen da 30 Tonnen zusammen, für die ökologische Verträglichkeit 22 Tonnen zu viel! An den nächsten Stationen, die in der Stadtbücherei und im Projektraum der VHS zu finden sind, zeigt die „Verbraucherzentrale Bayern“ auf eindrückliche Weise, was jede und jeder von uns im Alltag zur Senkung des Rohstoffverbrauchs beitragen kann.
Man liest, dass wir im Jahr 11,2 Tonnen CO2-Äquivalente pro Person erzeugen, während es zur Bremsung des Klimawandels nur 1 Tonne sein dürfte; man lernt, dass wir im Jahr 82 kg Lebensmittel pro Person wegwerfen, was durch vorausschauendes Einkaufen und achtsame Aufbewahrung zu vermeiden wäre; man hört Stimmen aus anderen Teilen der Welt, die unter unserem Rohstoffhunger leiden; man erfährt, dass der Rohstoffwert jedes nutzlos in der Schublade herumliegenden Althandys bei einem knappen Euro liegt; man sieht, wieviel Wasser tatsächlich in einer Tomate oder in einer Tasse Kaffee stecken…
Wie anschaulich diese Ausstellung für alle Altersgruppen gestaltet ist, zeigt ein kleiner Textauszug, der im Projektraum der VHS zu finden ist: „Trotz Digitalisierung hat sich der weltweite
Papierverbrauch seit 1985 mehr als verdoppelt. Ein Bundesbürger verbraucht am Tag im Schnitt so viel Papier wie ein Harry Potter Band (620 g)!
Für ganz Deutschland ist das im Jahr ein DIN A 4-Stapel von der Erde bis zum Mond.“ Bei der Eröffnung betonte Zweiter Bürgermeister Markus Bocksberger, dass man die Welt mit kleinen Maßnahmen zumindest ein bisschen mitretten kann. Er dankte der VHS und der Bücherei für ihre wertvolle Initiative.
Bis zum 10.03. in der Rathauspassage zu den Öffnungszeiten von VHS und Bücherei.
5. Februar 2025
Viele Wochen hat die Bürgerinitiative „Für den Erhalt der Menagehaus-Zeile“ Stimmen gesammelt. Jetzt haben mehr als die erforderlichen 9% wahlberechtigter PenzbergerInnen unterschrieben, sie seien „dafür, dass das Menagehaus und die noch erhaltenen historischen Gebäude in Penzbergs Innenstadt bestehenbleiben“. Der Antrag auf einen Bürgerentscheid wurde in dieser Woche auf dem Rathaus eingereicht. In der Begründung wird Bezug genommen auf das Integrierte Stadtentwicklungskonzept (ISEK) von 2015, konkret auf die Tafel 11 zum Thema „Schützen und Bewahren“, mit der diese Häuserzeile wie auch die schräg gegenüberliegende Bebauung als „stadtbildprägende Gebäude“ kartiert sind.
Der gesamte Vorgang verweist auf eine tieferliegende Problematik: Viele Bürgerinnen und Bürger fühlen sich von Stadtpolitik und Stadtplanung nicht gehört. Dieser Vertrauensverlust, kombiniert mit der Sorge vor einer gesichtslosen Innenstadt, wirft die Frage auf, wie denn nun tatsächlich Penzberg städtebaulich seine Zukunft gestalten will. Das ISEK wurde als Leitlinie für eine nachhaltige und behutsame Entwicklung der Innenstadt erstellt. Doch obwohl der Stadtrat es einst beschlossen hat, scheint es aktuell in Vergessenheit zu geraten. Die Bürgerinitiative betont zu Recht, dass das ISEK keine bloße Empfehlung sein darf, sondern die Basis für die Entscheidungen zur weiteren Innenstadtentwicklung bildet. Wenn die Stadt ein solches Konzept entwickelt, müssen sich Bürgerschaft, Politik und Investoren darauf verlassen können, dass es auch befolgt wird.
Eine auf Nachhaltigkeit setzende Stadtentwicklung bedeutet mehr, als einzelne Bauvorhaben zu genehmigen. Sie bedeutet,
langfristig zu denken und dabei sowohl die
Identität der Stadt zu bewahren als auch
Raum für modernes Wachstum zu schaffen. Die BürgerInnen wünschen sich eine Innenstadt, die für die
Zukunft gerüstet ist, die
Begegnungen ermöglicht,
Geschichte bewahrt und gleichzeitig innovativ ist. Eine an Nachhaltigkeit ausgerichtete Politik sollte also ökologische, soziale und kulturelle Aspekte berücksichtigen.
Investoren, Bürgerschaft und Stadt
sollten also Hand in Hand einen attraktiven Lebensraum gestalten. Das gelingt aber nur, wenn ein Vertrauen in die politischen Entscheidungen besteht: wenn die, die hier leben, sicher sein können, dass
ihre Stadt nicht zur seelenlosen Betonwüste wird, und die, die hier zu investieren bereit sind, die städtebauliche Vision kennen.
31. Januar 2025
In den vergangenen Tagen sind Flugblätter in Penzberger Briefkästen gefunden worden, in denen die „Islamische Gemeinde Penzberg“ verunglimpft und ganz persönlich der Imam angefeindet wird. Der geäußerte Hass gipfelt in bedrohlichen Formulierungen, die als Aufruf zu gewalttätigen Aktionen verstanden werden könnten. Eine rechtsextreme neonazistische Kleinpartei hat diese Pamphlete verteilt, aus der Bürgerschaft wird die Gemeinde umgehend gewarnt. Der bayerische Integrationsbeauftragte Karl Straub reagiert schnell und sagt seine Anwesenheit beim Freitagsgebet ebenso zu wie Bürgermeister Stefan Korpan und Pfarrer Bernhard Holz. Und auch eine Gruppe spontan herbeigekommener nicht-muslimischer BürgerInnen zeigt ihre Solidarität.
„Wir stehen vor, neben und hinter Euch“, auf diese kurze, klare Formel bringt Stefan Korpan das Zusammenkommen an diesem Tag. Und Pfarrer Holz, der auch seinen evangelischen Kollegen Julian Lademann vertritt, erklärt noch knapper: „Hier sind wir bei Freunden daheim.“ Der Imam bedankt sich bewegt für diese Unterstützung, bevor er eine engagierte Predigt hält. Ohne die Jugoslawienkriege in den 1990er Jahren gäbe es diese Gemeinde nicht. Nur aus Not hätten Menschen ihre Heimat verlassen und seien auf barmherzige Aufnahme angewiesen gewesen. Seit Jahrzehnten lebten sie hier, zahlten ihre Steuern und leisteten ihren Dienst für die Gemeinschaft. Nicht die Migration als solche, die schon immer Teil der Menschheitsgeschichte sei, stelle heute eine Herausforderung dar. Die Herausforderung liege vielmehr in ihrer menschlichen Gestaltung. Die dauernde Rede von Gefahr und Kriminalität träfe so viele MitbürgerInnen mit Migrationshintergrund, statt dass diese unauffällige Menge gewürdigt würde.
Im Anschluss an das Gebet eilen die etwa 250 Teilnehmenden rasch zurück an ihre Arbeitsplätze. Die spontan erschienenen Gäste dagegen bleiben bei einem Glas Tee noch eine Stunde mit Gemeindemitgliedern im Gespräch. Das Zusammensein an diesem Mittag lässt deutlich spürbar werden: Hetzende Flugblätter werden hier vor Ort umsonst verteilt. Die Menschen in Penzberg stehen zusammen. Für ein friedliches Leben in der Stadt.
28. Januar 2025
Dieser Abend ist im Hinblick auf Ablauf und Ergebnisse eine wirkliche Sternstunde für unsere Stadtratssitzungen. Das zentrale Thema des Abends, das Bauvorhaben an der Bahnhofstraße 21-25, wird in einer höchst ausgewogenen, fairen, konstruktiven und an keiner Stelle unnötig verlängerten Diskussion erfolgreich behandelt. Unser Hauptinteresse, die Bürgerschaft in die Planung einzubeziehen, ist für dieses Projekt nun realisiert. Aber noch schöner ist, dass inzwischen alle Fraktionen wie auch die Stadtverwaltung gleichermaßen dafür eintreten. Hier die drei wesentlichen Ergebnisse:
Aus unserer Sicht ist damit für das laufende Projekt hinsichtlich
Bürgereinbeziehung ein neues Level erreicht. Wichtig ist, dass aus der Bürgerschaft nun auch tatsächlich statt eines Grummelns sowohl die Nutzung der frühzeitigen Beteiligung – Termin kommt noch! – als auch eine Bereitschaft zur Mitarbeit in der Jury kommt. Bei alle dem sehen wir freilich auch, dass
ein allgemeines Innenstadtkonzept, welches BürgerInnen Sicherheit und Investoren eine verlässliche Planungsbasis gibt,
noch immer fehlt. Wir haben das weiter auf der Agenda.
28. Januar 2025
Eine immer wiederkehrende Frage stellt einmal neu an diesem Abend Markus Bocksberger für PM: „Wissen wir inzwischen etwas Neues über die PV-Anlage auf Gut Hub? Seit Ende Mai 2024 ist sie betriebsfertig, aber bei der Bürgerversammlung im November hat die ganze Stadt gehört, dass sie bis da noch nicht zertifiziert war. Hat sich da was getan?“ Leider bleibt auch an diesem Abend die Antwort negativ. Dabei haben die Stadtwerke für die Errichtung viel Geld in die Hand genommen, 2,7 Mio. Euro müssen finanziert werden.
Der Strom, der seit letztem Frühsommer erzeugt wird, darf ohne eine Zertifizierung nicht ins Netz eingespeist werden. Die 5580 Module könnten mit einer Leistung von 3 MWpeak und den erzielbaren bis zu 3 Mio. KWh eine Menge von bis zu 800 Durchschnittshaushalten versorgen. Das war nun schon mal einen Sommer lang nicht möglich, die Einnahmen blieben aus. Der Strom darf auch für den Eigenbedarf nicht genutzt werden, die Anlage steht nutzlos in der Sonne. Niemand im Stadtrat hat für eine solche Verzögerung Verständnis. Die Stadt macht sich auf den Weg zur Energiewende und investiert, und dann wird sie ausgebremst.
Der mit der
Zertifizierung beauftragte akkreditierte
Dienstleister ist hierfür aber nicht verantwortlich. Bis ins neue Jahr hinein hat es an fehlenden Unterlagen von Seiten des
Netzbetreibers gelegen, dass das Verfahren nicht beginnen konnte. Verständlicherweise kommt da die Frage auf, ob nicht auch einmal rechtlich zu prüfen wäre, inwieweit man solcher zeitlichen Verschleppung eigentlich schutzlos ausgesetzt ist. Immerhin sieht die Stadt erneut schwierigen Haushaltsverhandlungen entgegen und kann auf Einnahmen, für die alle Voraussetzungen geschaffen sind, nicht gut verzichten.
Schließlich belasten Refinanzierungsprobleme der Stadtwerke am Ende auch die Kasse der Stadt.
26. Januar 2025
Im Dezember wurde die Baustelle an den drei städtischen Häusern in der Sigmundstraße langsam aufgeräumt, erst das Gerüst abgebaut, dann das Material weggefahren. Doch die dicke Plastikplane in den oberen Geschossen blieb. Sie soll für die kommenden Jahre die Aufstockung aus Holz schützen. Doch für wie viele Jahre? Drei Jahre vorher war das seit langer Zeit drängende Projekt beschlossen worden: Das Dach musste dringend saniert werden, und da war es nur sinnvoll, die Gebäude auch gleich oben um 15 Einheiten zu erweitern, da Wohnraum knapp ist. Ein Vorhaben von 11 bis 12 Millionen Euro.
Damals war die nahende Haushaltskrise nicht absehbar. Kurz vor Beginn der Arbeiten sah es aber finanziell schon trübe aus, und so wurde im Spätsommer 2023 beschlossen, sich nur mit dem Aufsetzen der Rohbauten aus Holz zu begnügen. Immerhin wäre so mit einem neuen Dach schon mal die Sanierungssorge obenauf gelöst. Im Laufe der Bauphase aber spitzte sich die Haushaltsproblematik immer weiter zu, sodass derzeit überhaupt nicht absehbar ist, wann die sorgsam verpackten oberen Geschosse wieder angegangen werden können. Gleichzeitig muss man die Plastikplanen auf Schäden durch Sturm und Eindringen von Feuchtigkeit fortgesetzt prüfen und gegebenenfalls auch nach einiger Zeit auswechseln.
Das ist langfristig keine befriedigende Situation. In der Bürgerversammlung im November erklärte Bürgermeister Stefan Korpan, das Aussetzen des Projekts spare 10 Millionen Euro. Denn auch die gleichzeitig unter den Aufstockungen geplante Sanierung der Gebäude ist gestoppt, etliche schon lange leerstehende Wohnungen werden nicht wieder vermietbar gemacht. In großen Städten gibt es dafür eine Lösung: Bei Sanierungsbedarf alter Häuser werden unausgebaute Dachgeschosse mit einer vorliegenden Baugenehmigung verkauft, und der Erlös wird darunter investiert. So könnte es hier vielleicht auch weitergehen. Darauf zielt unser Antrag, die Obergeschosse als Ausbauwohnungen zu verkaufen.
Dabei geht es nicht allein darum, dass die Plastikhauben in der Sigmundstraße ein hässlicher Anblick sind. Es geht darum, dass die Stadt hier einen besonderen Wert brachliegen lässt: zentral gelegene
Seniorenwohnungen. Bei der allgemeinen Wohnungsnot und in einer alternden Gesellschaft muss ein
kreativer Weg gefunden werden, diese nutzbar zu machen. Es lohnt sich in rechtlicher und baulicher Hinsicht zu
prüfen, ob mit dem
Verkauf der Holzbauwohnungen oben die
Sanierung der städtischen Wohnungen unten möglich wäre.
22. Januar 2025
Dass der Abend lang und informationsreich werden würde, kündigen beim Eintritt in die Stadthalle schon die vielen detaillierten Pläne auf den Stellwänden an. Es dauert dann auch etwa eineinhalb Stunden, bis Stadtwerke, Bauamt, Planungsbüros und ausführende Firma eines der größten städtischen Bauprojekte der nächsten Jahre vorgestellt haben. Dabei geht es um einen innerstädtischen Teilabschnitt des Generalentwässerungsplans (GEP), den Penzberg aufgrund behördlicher Vorgaben aufstellen musste und der als ein Generationenprojekt bereits seit zehn Jahren in Arbeit ist.
Der Grund für den GEP ist einfach: Bodenschätze führten zur Ansiedlung an dieser Stelle, doch für eine wachsende Stadt und zunehmende Niederschläge ist der wasserundurchlässige Boden eine schlechte Voraussetzung, denn Regenwasser kann hier nicht versickern. Seit jeher werden Regen- und Schmutzwasser deshalb zusammen als Mischwasser zur Kläranlage geleitet. Bei starkem Niederschlag fangen Säubach und Schwadergraben den Überschuss auf. Der aber wird immer mehr, und dafür braucht es zur Dämmung der Verschmutzung einer Einleiterlaubnis des Wasserwirtschaftsamts. Selbst die Regenrückhaltebecken für einen gedrosselten Abfluss zur Kläranlage helfen langfristig nicht, denn auch diese ist nur begrenzt leistungsfähig. Zusätzlich zu den Mischwasserkanälen, die inzwischen schadhaft und zu klein sind und daher ersetzt werden müssen, werden deshalb Schmutz- und Regenwasserkanäle gebaut. Letztere erhalten Sammlungs- und Reinigungsanlagen, damit die städtischen Bäche möglichst wenig belastet werden. Dieses Projekt steht nun also in der Innenstadt an.
Wie diese Arbeiten bis
in 7 m Tiefe
ausgeführt und wie die Sigmund-, Philipp- und Gustavstraße später gestaltet werden, das erläutern die Vertreter von Stadt und Planung. Den gefallenen Bäumen stehen die Schäden und Gefahren gegenüber, die bei Überflutung von Straßen, Kellern und Tiefgaragen drohen. Die geschätzten
Baukosten von 11,5 Mio Euro werden mit Rücksicht auf die finanzielle Lage der Stadt
von zwei auf drei Jahre gestreckt. Damit werden freilich auch die Anwohner länger mit der Baustelle leben müssen. Die vollbesetzten Stuhlreihen zeigen, dass hier besonders viele Senioren wohnen. Über das
Problem „Parken“ aber wird noch nachgedacht. Und an Transparenz wird immer mehr gearbeitet. Wie oft hat man das Schimpfen über die Baustellen an Fischhaberstraße oder Reindl gehört: „Was machen die da eigentlich so lange?“ Was die da eigentlich so lange machen, wird an diesem Abend bestens erklärt. Die
Stadtwerke gehen keinem Hobby nach, sondern reagieren auf die ungünstige Lage der Stadt,
zum Schutz vor Schaden und Gefahr.
21. Januar 2025
Die Diskussion über die Nachpflanzung von 54 Bäumen im Stadtgebiet zeigt erneut, wie schwierig die aktuelle Haushaltslage für Penzberg ist. Trotz einer möglichen KfW-Förderung von bis zu 90 Prozent wollte der Bauausschuss sich nicht direkt dafür aussprechen. Stattdessen sollen die Haushaltsberatungen abgewartet werden – doch diese haben noch nicht einmal begonnen.
Die KfW-Förderung ist eine Chance, dringend benötigte Ersatzpflanzungen durchzuführen. Bei Gesamtkosten von knapp 135.000 Euro bliebe für die Stadt ein Eigenanteil von nur 13.500 Euro. Damit könnten nicht nur 54 Bäume nachgepflanzt, sondern auch Pflege- und Bodenaustauschmaßnahmen finanziert werden. Auch die rotblühenden Kastanien auf dem Stadtplatz, die unter Trocken- und Trampelstress leiden, könnten so ersetzt werden. Immerhin beschloss der Bauausschuss, dass der Förderantrag gestellt wird, um bei den Haushaltsberatungen Klarheit über die Ausgabe zu haben. Schwierig wird dann immer noch sein, dass die Stadt die Gesamtsumme zunächst vorstrecken muss. Wir hätten auch sofort zugestimmt, hoffen aber, dass mit mehr Planungssicherheit alle Fraktionen für die Pflanzung sind und unterstützen deshalb dieses Vorgehen.
Sollte es nicht so kommen, wollen wir nach kreativen Ansätzen suchen, um die Nachpflanzung zu ermöglichen. Penzberg Miteinander schlägt für diesen Fall vor, die benötigten 13.500 Euro über Fundraising, Sponsoring und Patenschaften zu finanzieren. „Warum nicht die Menschen in Penzberg aktiv einbinden? Bäume sind ein gemeinschaftlicher Gewinn, von dem alle profitieren,“ so das Team. Patenschaften für einzelne Bäume könnten Bürgerinnen und Bürger motivieren, sich direkt an der Begrünung ihrer Stadt zu beteiligen. Unternehmen könnten durch Sponsoring Verantwortung übernehmen und so einen sichtbaren Beitrag zur Stadtentwicklung leisten. Solche unkonventionellen Lösungen könnten dazu beitragen, die Lücke zu schließen und gleichzeitig den Zusammenhalt in der Stadt zu stärken.
Die Notwendigkeit, gefällte Bäume zu ersetzen, geht jedenfalls weit über die Verschönerung des Stadtbilds hinaus. Bäume sind wichtige Bestandteile der städtischen Ökologie. Sie spenden Schatten, verbessern die Luftqualität und helfen, den Folgen des Klimawandels entgegenzuwirken. Gerade in einer wachsenden Stadt wie Penzberg sind sie unverzichtbar, um
Lebensqualität und Umweltbalance zu bewahren.
6. Januar 2025
Die erste politische Veranstaltung des Jahres in unserer Stadt richtete die SPD aus. Ihr traditioneller Neujahrsempfang am Dreikönigstag hatte dieses Mal aber eine über die Grenzen der Stadt hinausweisende Bedeutung, stellte sich hierbei doch der Penzberger Clemens Meikis als Bundestagskandidat für den Wahlkreis Weilheim-Schongau und Garmisch-Partenkirchen vor. Angehörige aller Parteien folgten mit Interesse seinen Ausführungen zu den aktuellen Herausforderungen, vor denen die Bundespolitik steht.
Nach einer Benennung von Schwerpunkten seiner ehrenamtlichen politischen Arbeit stellte Meikis ein Wort von Theodor Roosevelt ins Zentrum seiner Ansprache: „Tu, was du kannst, mit dem, was du hast, dort, wo du bist.“ Unsere Widerstandskraft sei geschwächt, seit Krankheit und Krieg wieder zu ganz realen Gefahren geworden seien. In einer fast atemlosen Aufzählung nannte Meikis kleine wie große Probleme, die aber dennoch ein beherztes Tun verlangten. Das fing bei gesellschaftlicher Spaltung an und hörte bei ökologischer Transformation nicht auf. Mehr denn je aber gehe es mit der anstehenden Wahl vor allem darum, die demokratische Grundordnung zu verteidigen, die von Populisten im Inneren bedroht und in Nachbarländern wie Italien und Holland bereits offen angetastet werde.
Verständlicherweise wurde diese Lagebeschreibung mit einem Werben für die eigene Partei verbunden. Doch dem darin steckenden Aufruf, überhaupt angesichts der gegenwärtigen Situation politisches Interesse und bestenfalls Engagement zu entwickeln, mag sich wohl ein jeder und eine jede im Publikum angeschlossen haben. Ein herausforderndes Jahr hat begonnen, weltpolitisch, bundespolitisch und von langer Hand auch kommunalpolitisch. Die aktive Anteilnahme so vieler Bürgerinnen und Bürger als irgend möglich aber vermag über alle Parteigrenzen hinweg denen, die sich um die Demokratie bemühen, Kraft zu geben.
17. Dezember 2024
Bange Wochen liegen hinter den vielen Senioren zurück, die sich an das „Casa“ in den vergangenen zwei Jahren gewöhnt haben. Doch einen Tag nach dem Beschluss des Stadtrats in nicht-öffentlicher Sitzung spricht sich die gute Nachricht schnell herum: Der Treff kann weiterbestehen. Nach dem Auslaufen der EU-Förderung hat sich die Caritas von den Personalkosten zurückgezogen. Die Stadt aber steht finanziell misslich da und trägt schon die Miete für den Raum neben der Kirche. So bleibt für die Leiterin mit zehn finanzierbaren Stunden nur noch die Hälfte ihrer bisherigen Zeit. Die Caritas kommt noch für die Sachkosten auf. Alle Beteiligten sind Anja Fischer für ihr Weitermachen höchst dankbar.
Auch die Ehrenamtlichen vom Seniorenbeirat aber setzen sich stark ein und haben sich für fünf Stunden in der Woche über ihre bisherigen Anwesenheiten hinaus für feste Dienste verpflichtet. Das Spektrum der Aktivitäten, für die der Raum geöffnet und betreut wird, sind im Laufe der Zeit vielfältig geworden und stark nachgefragt: Spielenachmittag, Skat- oder Schafkopfrunde, Musik- und Singkreis, Strick- und Häkeltreff, aber auch ein Treffen für Demenzbetroffene, das alles gibt es hier. Auch die Kirchen sowie andere Sozial- und Wohlfahrtsverbände vor Ort haben in der offenen Seniorenarbeit viele Angebote entwickelt. Dass sie alle kostenlos zu haben sind, trägt bei zum festen Fundament des gesellschaftlichen Zusammenhalts in einer alternden Gesellschaft.
In der „Casa“ kommt zu den Aktivitäten noch ein Mittagstisch hinzu, für den sich jeden Mittwoch bis zu 30 Personen zu einem geförderten Preis von € 7,- anmelden können. Er findet nebenan im Elisabeth-Raum statt. Da helfen die Ehrenamtlichen vom Seniorenbeirat den TeilnehmerInnen, die Rollatoren zu verstauen, an den liebevoll gedeckten Tischen Platz zu nehmen und teilen die angelieferten Krautwickel aus. Viele kennen sich gut. Die Vorzüge einer 50 Jahre alten Bernina-Nähmaschine gegenüber einer halb so alten Pfaff werden genauso erörtert wie Tipps ausgetauscht, wenn jemand für eine kleine Reparatur im Haushalt gesucht wird. Das „Küchenteam“ wechselt derweil die Teller und bringt selbst gebackenen Kuchen heran.
Hier ist so viel gewachsen. Und doch steht eine weitere schwierige Haushaltsplanung bevor. In Zeiten, in denen die Kassen klamm sind, kann man nur dankbar sein für so viel Engagement und Einsatz, wozu auch die Unterstützung der Sponsoren zählt.
Dünner als jetzt darf das finanzielle Fundament aber nicht mehr werden, wenn wir in Zeiten zunehmender sozialer Isolation nicht Orte wie diesen verlieren wollen, der gerade alleinlebenden alten Menschen Begegnung ermöglicht. „Ich freue mich immer schon auf den Mittwoch. Allein koche ich mir nicht mehr viel. Hier schmeckt es immer so gut, wie früher. Und es sitzt immer jemand Nettes neben mir“, lächelt eine Dame und lässt sich gerne Kaffee nachschenken.
9. Dezember 2024
Und wieder ist es geglückt: Seit 2015 darf sich Penzberg „Fairtrade-Stadt“ nennen. Jetzt kommt von „Fairtrade Deutschland e.V.“ die gute Nachricht, dass der Titel auf weitere zwei Jahre verlängert worden ist. Dazu bedarf es großer Vorarbeit all der Ehrenamtlichen, die sich unter dem Dach der Penzberger Fairtrade-Steuerungsgruppe versammelt haben. Das Interreligiöse Umweltteam sowie Vertreter aus Handel und Vereinen setzen sich für den Verkauf fair gehandelter Produkte ein und betreiben in vielen Formen Öffentlichkeitsarbeit.
So haben auch im zurückliegenden Jahr wieder etliche Veranstaltungen stattgefunden, die gleichzeitig genutzt wurden, um den gesamten Weg eines Produkts von den Bedingungen der Herstellung über die Lieferketten bis hin am Ende in die Entsorgung darzustellen. Das gelang durch aufbereitete Informationen, Programmeinlagen oder Vorträge, sei es beim „Klimafrühling Oberland“ im April, bei einem Kinder-Fußballturnier mit dem DRK im Juni, beim Interreligiösen Schöpfungstag im Oktober oder zuletzt bei der Veranstaltung „Faires Frühstück mit Musik“ im November, die immer mit der Musikschule durchgeführt wird.
Darüber hinaus bespricht sich die Gruppe der Aktiven bei regelmäßigen Treffen auch darüber, wie sich in einzelnen Schulveranstaltungen das Bewusstsein für einen Konsum steigern lässt, der auf kontrolliertem Handel basiert, um sozial Mindesteinkommen und ökologisch Umweltstandards zu sichern. Wie auch am Ende unseres Konsums die Idee der Nachhaltigkeit verfolgt werden kann, zeigte ein gemeinsamer Besuch der Anlage zur Verwertung und Entsorgung von Abfall in Erbenschwang (EVA). Immer wieder werden auch Hinweise zu neuer Literatur, zu Filmen und sonstigen Informationsquellen ausgetauscht.
Um Fairtrade-Stadt zu werden, muss es einen Ratsbeschluss geben, eine Steuerungsgruppe, Handel und Gastronomie am Ort mit fair gehandelten Waren im Sortiment, den Kontakt zur Zivilgesellschaft und eine aktive Medien- und Öffentlichkeitsarbeit. Dass all dies das
„Umwelt- und Fairtrade-Team der Stadt Penzberg“ seit Jahren mit hohem Engagement im Auge behält und pflegt, verdient einen großen herzlichen Dank.
(Foto: Copyright Konrad Wothe, vielen herzlichen Dank!)
Viele Jahre lang war die Fläche vor dem Rathaus im Advent erfüllt von fröhlichem Stimmengewirr und kratzenden Kufengeräuschen. Darunter eine große Fläche aus Eis, einmal auch aus Plastik. Drumherum Budenzauber mit heißen Getränken und bunten Lichtern. Letzteres ist auch dieses Jahr vorhanden, doch der Spaß in der Mitte fehlt. Denn an allen Ecken und Enden ist das Geld knapp, für „Hannis Eismärchen“ fehlt es ganz.
Von PM aus waren wir immer wieder unsicher, inwieweit bei steigenden Temperaturen, die an manchen Wintertagen das Tragen kurzer Ärmel erlauben, überhaupt das permanente Herunterkühlen einer großen Eisfläche zu vertreten sei. Deshalb haben wir gerne das Experiment eines „Plastikmärchens“ gewagt, auch wenn wir im Nachhinein erkennen mussten, dass der immense Feinstaub-Abrieb ökologisch auch nicht gerade sinnvoll sein kann. Für andere Wintervergnügungen, die Kinder und Jugendliche ins Freie locken und gleichzeitig in Zeiten der Klimakrise überzeugen können, fehlte uns bislang die Phantasie. Dass aber das Zusammenkommen der jungen Generation mitten in der Stadt von hohem Wert ist, gilt unbedingt. Auch der Wert für den Innenstadthandel ist völlig unbestritten.
So lag aus unserer Sicht der Antrag nahe, die AdressatInnen der bisherigen winterlichen Großveranstaltung selbst zu befragen und an der Suche nach einer Alternative zu beteiligen. Dass diese unter Anrechnung von Eintrittsgebühren und Energiekosten sowohl kosten- als auch klimaneutral durchführbar sein soll, ist dabei die große Herausforderung. Doch mit dieser Doppelaufgabe müssen unsere Kinder und Jugendlichen sowieso künftig sehr viel bewusster aufwachsen. Warum es nicht also hier gleich einmal erproben? Benötigt werden für die Durchführung Ehrenamtliche, die bereit sind, die Auszählung mitzutragen, sowie Schulleitungen und Verbindungslehrkräfte, die bereit sind, die Umfrage in ihren Häusern auszugeben. Wir können eigentlich nur profitieren – von der Phantasie der Jungen.
Ganz nebenbei können wir dabei über verschiedene Altersgruppen hinweg erleben, wie Ideen entstehen, wie man sie sammelt und bespricht. Und wie wir alle als BürgerInnen, klein und groß, uns beteiligen können und beteiligt werden. Dass
Demokratie auch bei etwas so Schönem wie einem Wintervergnügen weit mehr sein wird als das Anstimmen eines Wunschkonzerts, könnte für alle Teilnehmenden zur wertvollen Erfahrung geraten.
26. November 2024
Genau drei Worte haben wir mit unserem Nachprüfungsantrag gewonnen oder besser gesagt gestrichen. Der von uns für den Bauausschuss für zu weitreichend gehaltene Beschluss vom Juni hatte gelautet: "Der Bau-, Mobilitäts- und Umweltausschuss nimmt das Planungskonzept zur Kenntnis. Das mit der Bearbeitung der 84. Änderung des Bebauungsplanes "Altstadtsanierung" kann auf dieser Basis mit der Fertigung eines Bebauungsplanentwurfes beginnen." Nach fünf Monaten sind wir nun so weit, dass der Beschluss wie folgt lautet: "Die 84. Änderung des Bebauungsplans für das Areal Bahnhofstraße 21-25 soll als Angebotsbebauungsplan aufgestellt werden."
Soweit waren wir im November 2023 auch schon mal, denn von nichts anderem als einem Angebotsbebauungsplan war auch damals die Rede gewesen. Nur kannten wir da die Pläne des Investors noch nicht. Und wir von PM hielten es für besser, uns erst einmal über unsere eigenen städtischen Pläne Klarheit zu verschaffen. Deshalb stimmten wir damals dagegen. Heute kennen wir die Pläne des Investors, und wir sehen zwei Dinge genau: Erstens ist noch immer vorab die eigene Perspektive nötig, die das Integrierte Stadtentwicklungskonzept (ISEK) von 2015 für dieses Areal entweder direkt in einen aktualisierten Bebauungsplan gießt oder es zuvor gemeinsam mit der Bürgerschaft überarbeitet. Und zweitens ist selbstverständlich keinem Investor der Weg zum eigenen Projekt zu verstellen, sondern mit unseren und seinen Vorstellungen gemeinsam ein guter Kompromiss zu finden. Mit der Streichung der drei kleinen Wörter „auf dieser Basis“ ist das nun endlich überhaupt möglich.
Den Umweg über die Möglichkeit eines "Vorhabenbezogenen Bebauungsplans" kann noch nachvollziehen, wer sich für juristische Details interessiert. Kurz gefasst ist dieses Verfahren dann sinnvoll, wenn es um die Entwicklung einer neuen Fläche geht und beide Seiten sich bereits über die groben Züge der Planung einig sind. Mit einem Durchführungsvertrag, der den Investor mehr knebelt als die Kommune, wird dann für eine zügige Realisierung gesorgt. Es war nicht überraschend, dass die Anwältin des Investors – nicht die der Stadt! – dieses Verfahren für ihren Mandanten nicht gutheißen konnte. Doch von Interesse sind derlei Feinheiten jetzt nicht mehr. Jetzt fragt sich, wie es weitergeht.
Inzwischen ist bekannt, dass mindestens
drei Stadtratsfraktionen sich deutlich für eine wie auch immer geartete
Beteiligung der Bürgerschaft aussprechen. Inzwischen setzt sich eine Bürgerinitiative für den im ISEK verankerten Schutz stadtbildprägender Gebäude ein. Und inzwischen hat sogar die Anwältin den Begriff "Planungshoheit der Kommune" benutzt. Jetzt zeichnet sich doch ab, was zu tun ist: Ein
Meinungsbild aus der Stadtgesellschaft einholen und erst danach auch mit dem Investor
auf Augenhöhe in Verhandlungen eintreten.
26. November 2024
Mehr als ein Jahr hat es gedauert, bis nun das Bayerische Rote Kreuz (BRK) endlich loslegen kann: Am 5. Oktober 2023 waren erstmals sechs konkrete Standortvorschläge mit Hilfe versuchsweiser Planungen von Seiten des BRK im Bauausschuss diskutiert worden. Nach einer plötzlich im Februar vom Bauamt vorgebrachten neuen Variante im Bereich des Waldes an der Staatsstraße Grube/Reindl kam sehr viel Bewegung in die Sache, denn rasch formierte sich hiergegen ein Protest aus den Reihen der Bürgerschaft, der im Juli mit der Übergabe von 234 Unterschriften im Rathaus vorgetragen wurde. Ein dort geplantes vollständiges Blaulichtzentrum mit noch zusätzlichen Gewerbeflächen hätte nämlich nicht nur die Rodung fast des gesamten Waldes erfordert, sondern mit nachfolgender Bebauung auch eine wesentliche innerstädtische Waldverbundachse zerstört. Mit allen Folgen für das Leben von Tieren, Kaltluft, Regenwasser usw. Gar nicht zu sprechen von den erforderlichen teuren Ausgleichsmaßnahmen, die das Gesetz verlangt hätte.
Der Beginn der Sitzung hielt dann aber doch eine Überraschung bereit. In der Zwischenzeit wurde nämlich der Wald von der Stadtverwaltung näher betrachtet und seine Qualität erkannt: Aus naturschutzfachlicher Sicht darf der Mischwald mit seinen Eichen und Buchen nicht angetastet werden. Damit blieb als Alternative nur noch der auf der anderen Straßenseite gelegene junge Wald gegenüber dem Baumarkt, der jedoch dem Staatsforst gehört. Sehr gelegen kam es da, dass aus dem Mitte 2023 beauftragten Feuerwehrgutachten wenigstens bereits die Stellungnahme zur Lage bekannt gemacht wurde. Und die sprach sich für den Standort an der Seeshaupterstraße mit erster Priorität aus, einen Standort, den das BRK für sich mit dem an der Fischhaberstraße gleich gewichtet hatte. Auch diese Fläche enthält einen Wermutstropfen, liegt doch auf ihr ein kartiertes Biotop, welches der geplanten Bebauung fast vollständig zum Opfer fallen wird. Wir sehen das mit Bedauern. Aber die Rettungsorganisationen brauchen Platz und schnelle Wege.
Gut war, dass dem naheliegenden Gedanken von Markus Bocksberger stattgegeben wurde und die anwesenden
Sprecher beider Rettungseinheiten selbst zu Wort kommen konnten. Danach fiel der einstimmige Beschluss für einen gemeinsamen Standort an der Seeshaupterstraße rasch. Das
BRK kann nun direkt in die Bauplanung gehen; die Feuerwehr muss sich leider noch gedulden, bis es um die städtischen Finanzen wieder besser steht. Die nahende Veränderung für das BRK samt Wasserwacht und die langfristige Perspektive für die Feuerwehr erleichtert und freut uns für alle im Rettungswesen Aktiven.
19. November 2024
Für die Mitglieder des Stadtrats ist eine Bürgerversammlung dafür da, dass sie sehen, wer kommt, und dass sie hören, was gesagt, gefragt, gelobt oder geklagt wird. Außer der Vollbesetzung an den Tischen für Stadtrat und Stadtverwaltung waren an diesem Abend etwa 100 Leute im Saal, davon nicht mehr als höchstens zehn unter 60 Jahre alt, alle übrigen darüber. Vor zehn Jahren saßen in derselben Halle auch die Mitglieder des damals gerade entstehenden Jugendparlaments – und deren Eltern an den Tischen gleich nebendran. Allein aus dem, was jetzt zu sehen war, muss man schließen: Demokratie braucht vielleicht von Kindesbeinen an einen neuen Schub, um auch Menschen in der Lebensmitte mit anzulocken.
Das Durchschnittsalter des interessierten Publikums mag denn auch die Themen bestimmt haben: Ganz klar dominant war das Thema „Gestaltung der Innenstadt“. Sechs von fünfzehn Beiträgen nahmen unter den verschiedensten Aspekten die Diskussion auf, die durch das Investorenvorhaben an der Bahnhofstraße entbrannt ist: Dabei ging es um den Erhalt der noch alten Gebäude, die Forderung nach Bürgerbeteiligung und den Ruf nach einer Vision für die weitere Entwicklung der Stadt, während nur ein Beitrag auch für die Sicht eines gewinnorientierten Investors warb. Man möchte doch bei alle dem aber unbedingt gerne wissen: Äußert sich hier nur eine alternde Gesellschaft, die Veränderungen nicht mag?
Gewählte Vertreter der Bürgerschaft benötigen für ein verantwortungsvolles politisches Handeln das volle Bild. Wie bekommen wir das? Bitte schreibt uns, sprecht uns an! Auch für sonstige Themen, sofern sie nicht schon eindeutig beantwortet wurden: Nein, eine neue Chance auf eine Landesgartenschau haben wir nicht mehr. Nein, der Haushalt wird sich so schnell nicht erholen. Nein, der Schulkomplex an der Südstraße kann in den nächsten zehn Jahren nicht vollsaniert oder neu gebaut werden. Ja, der ÖPNV braucht weitere barrierefreie Haltestellen. Ja, für einen besseren Zugang zum Aufzug im Piorama wird gesorgt werden. Und ja, für längere Öffnungszeiten der Toilette am Bahnhof auch.
Die Bürgerversammlung war somit ganz interessant, die
Folien der Präsentation sind auf der Homepage des Rathauses zu finden. Was sie aber nicht bot: das Zusammenkommen einer repräsentativen Zusammensetzung der Menschen in unserer Stadt und auch nicht wirklich eine Diskussion.
Demokratie aber lebt nicht vom Frage-Antwort-Duett, wie es vom Rathaus gesetzt wurde, sondern vom
Austauschen und Aushandeln. Was können wir alle dafür tun?
9. November 2024
Am 24. November 2020 fiel im Stadtrat der Beschluss für den Umbau der Layritzhalle zur neuen Energiezentrale, vier Jahre später ist eines der großen Bauprojekte der letzten Jahre fertig und im Betrieb. Im kühlen Novembernebel halten Bürgermeister Stefan Korpan, Pfarrer Bernhard Holz, Landrätin Andrea Jochner-Weiß, Vorstand André Behre und Architekt Wolfgang Zach die Eröffnungsreden, der Bau wird eingeweiht und das Band durchschnitten. In etlichen Führungen über den Tag wird danach vielen Penzberger BürgerInnen deutlich, dass mit diesem Projekt etwas wirklich Bemerkenswertes realisiert worden ist.
Die Energiezentrale beheizt das knapp 8,5 km lange städtische Fernwärmenetz durch die Verbrennung regionaler Waldhackschnitzel. Damit ist für die ans Netz angeschlossenen Verbraucher nicht nur eine fast völlige Unabhängigkeit von fossilen Brennstoffen wie Kohle, Öl und Gas erreicht, sondern für die gesamte Stadt auch der CO2-Fußabdruck beträchtlich gesunken. Es gibt zwar auch einen Gaskessel, doch der dient allein dem Abdecken von Spitzenlasten und als Ausfallreserve. Eine PV-Anlage auf dem Dach mit 300 kWp versorgt den Betrieb mit Eigenstrom, die Restwärme der entstehenden Rauchgase wird zum Vorheizen genutzt, eine künftige Nutzung industrieller Abwärme ist bereits vorgedacht, und alle Vorkehrungen für den weiteren Ausbau mit einem weiteren Heizkessel sind getroffen. Alles in allem also ein vorbildlicher Schritt in Richtung Energiewende und Klimaneutralität.
7,5 Mio. Euro hat die Sanierung der Halle gekostet, 6,5 Mio. Euro der Ausbau und 5,5 Mio. Euro die Anlagentechnik. 2,5 Mio. Euro der insgesamt 17,5 Mio. Euro wurden gefördert. In den vier Jahren entfiel die meiste Zeit auf die Beseitigung von Altlasten im Boden und die Erfüllung strenger behördlicher Vorgaben. Sicher ist so, dass keine Gifte von früher mehr im Boden stecken und künftig nichts Schädliches in die Luft steigt. Wichtig auch: Nur Holzabfälle werden verbrannt, selbst wenn diese noch leicht feucht sind (5%), d.h. der Brennstoff vermodert nicht, stößt im Wald kein CO2 aus und wächst im Oberland ausreichend nach.
Noch etwas aber zählt: Vom Bundesbauministerium bis zu den Architektenkammern ist sich die Fachwelt des Bauens heute darin einig, dass wir in Zeiten der Klimakrise eine neue Kultur des Umnutzens und Umbauens entwickeln müssen. Mit der Layritzhalle, die 1951 als Bahnkraftwerk in Betrieb genommen wurde, um aus Kohle Strom zu machen, wurde mit der neuen Energiezentrale, die aus Hackschnitzeln Wärme macht, ein Vorzeigeprojekt realisiert. Wir freuen uns darüber, dass der Beschluss 2020 einem Antrag von PM folgte.
9. November 2024
„Sie ist vielleicht die mächtigste Idee der Galaxie. Geboren in Griechenland. Millionen gibt sie Hoffnung, Diktatoren fürchten sie. Der Grund liegt auf der Hand. Doch es gibt sie nicht geschenkt. Und einfach ist sie nie. Sie wird überall bedrängt.“ Die ersten Liedzeilen von „Die Ärzte“ setzen den Ton dieses Abends, der sich der Demokratie widmet und sie feiert – obwohl oder gerade weil sie bedrängt ist. Katja Wippermann von der VHS Penzberg und Ilka Heissig von der Stadtbücherei, die zum Demokratiefest geladen haben, erklären in ihrer Begrüßungsansprache, dass man nach den zurückliegenden Tagen in den kommenden Wochen eine „seelische Hornhaut“ wird aufbauen müssen.
Am Ende einer Woche, die uns parallel den Wahlsieg eines notorischen Lügners und Straftäters in den USA und im eigenen Land das Scheitern der Regierungskoalition gebracht hat, kann man wirklich erschüttert sein. Da braucht es den Aufbau von Resilienz, von Widerstandsfähigkeit und Hoffnung. Mehr denn je kann da vielleicht die Rückbesinnung auf Kräfte helfen, die die heute zunehmend gefährdete Demokratie zu anderen Zeiten auch schon mobilisiert hat: Kräfte, wie sie vor 35 Jahren zum Fall der Mauer geführt haben. Das war der eigentliche Anlass, sich an diesem Abend zu treffen. Sich hieran und an die optimistische Aufbruchstimmung damals zu erinnern, kann uns stark und resilient machen.
Eingeleitet wurde dieses Fest der Inspiration bereits mit einer Veranstaltung am Nachmittag, als der Verein „ÜberMorgen“ an die Kinderrechte erinnerte: Viele kleine Hände bemalten den Prototyp eines „Kinderrechtsbankerls“, wie es im nächsten Jahr an verschiedenen Orten in der Stadt zu finden sein wird. Die ab Anfang 2026 von Kitagruppen und Schulklassen gestalteten Bänke sollen schon beim Bemalen und später bei der Benutzung Anlass für das Gespräch über die Inhalte der UN-Kinderrechtskonvention geben und zur frühen Vermittlung demokratischer Grundwerte beitragen. Ganz nebenher wird so auch von Klein auf gelernt, dass jedes Mitglied der Bürgerschaft etwas zur Gestaltung der Stadt beitragen darf.
Für die
Basis der Demokratie, eine Kultur des Gesprächs und der Aushandlung verschiedener Positionen standen sieben Stehtische bereit, an denen man sich austauschte über Freiheit allgemein, Meinungsfreiheit, Mauerfall, Demokratie vor Ort, Demokratie und Jugend, Zukunft und Dank für die Demokratie. Parallel präsentierten Achtklässler der Mittelschule ihre Darstellungen der Grundgesetz-Artikel und vom Gymnasium die
PUR-Gruppe (Penzberg unterstützt Rumänien) ihr diesjähriges Hilfsprojekt für Kinder und Jugendliche. Ein vom Kreisjugendring entwickelter
Escape-Room rundete das Programm ab: Dort war zum Glück die Demokratie nur spielerisch bedrängt und konnte in kurzer Zeit gerettet werden.
22. Oktober 2024
Der Verkauf des Grundstücks „Bahnhof-West“, vielleicht besser bekannt als „der Parkplatz am Bahnhof beim Aldi“, stand das letzte Mal im Mai 2022 auf dem Programm des Stadtrats. Seither hat sich viel geändert und sind etliche neue Erkenntnisse dazugekommen. Schon allein deshalb kann das damalige Verkaufsprogramm nicht einfach wiederaufgenommen werden: ein spezieller Drogeriemarkt muss nicht mehr dorthin gelockt werden, die Landesgartenschau hat sich leider erledigt, Institutionen der Daseinsvorsorge suchen unter gewachsenem Druck nach Flächen, und wir sind dem MVV beigetreten. Vor allem aber: Die Stadt ist in finanzielle Not geraten und muss jetzt das Areal so rasch als möglich versilbern.
Der Verkauf ist zwingend. Gleichwohl müssen wir fragen: Haben wir in der Zwischenzeit im Rahmen einer gesamtstädtischen Planung alles bedacht und es mit allen bedacht? Haben wir also auch die BürgerInnen einbezogen? Leider noch nicht. Haben wir die bei uns gemeldeten Bedarfe – so etwa außer für die Feuerwehr auch für das BRK und eine der weiterführenden Schulen – abgeglichen mit den zur Verfügung stehenden Flächen der Stadt? Leider auch noch nicht. Haben wir vor dem Hintergrund der Einbindung in den MVV geprüft, ob das mal angedachte Konzept für den Busbahnhof auch wirklich tragfähig ist? In der Stadtratssitzung jetzt wurde gegenüber 2022 nur davon abgerückt, 220 Parkplätze zur Entlastun der Innenstadt zu schaffen und es stattdessen bei den derzeitigen 120 Plätzen zu belassen. Sind die Folgen mit den Verkehrsplanern des Mobilitätskonzepts besprochen?
In unserem Sinne ist es, dass alle diese Fragen in einen im Plenum lange gemeinsam erarbeiteten Beschluss eingegangen sind, um von Externen, die den Investorenwettbewerb begleiten sollen, berücksichtigt zu werden. Davon abgetrennt wurde die Vorentscheidung über die Lage des Busbahnhofs. Hier blieben wir mit unserer Meinung, dass das Grundstück vergeben wird, ohne dass dieser dort noch möglich wäre, in der Minderheit. Die Mehrheit sieht den Busbahnhof unter
Abriss der Philippstraße 30
auf der innerstädtischen Seite. Schon vor eineinhalb Jahren haben wir davor gewarnt, dass ohne eine tragfähige Planung dort entweder ein Millionengrab droht – oder eben am Bahnhof kein Busbahnhof entstehen wird. Wie an der Bahnhofstraße gilt auch hier:
Penzberg Miteinander fordert die Ausarbeitung eines durchdachten Konzepts.
18. Oktober 2024
Eigentlich hätte es nur eine Übergangslösung sein sollen, was 1984 als Jugendzentrum am Rande der Stadt eröffnet wurde, damals noch nicht von dichter Nachbarschaft umgeben. Inzwischen haben sich Generationen durch das simple Gebäude mit Basteln, Klettern, Malen, Musizieren, Reden und Rumhängen gelebt, sind erwachsen geworden, haben ihr Outfit geändert und inzwischen hier und da auch schon graues Haar bekommen. Viele Besucher des Festabends zum 40jährigen Jubiläum hatten Freude an den meterlangen Fotowänden, auf denen sie sich wiederfanden und die zu vielen Erinnerungen Anlass gaben.
Tom Sendl, der zu Beginn das JuZe leitete, erinnerte mit einem Lied, welches er als junger Mann bei der Eröffnung zur Gitarre sang, an die Anfänge der Einrichtung: Der Song „This Land Is Your Land“ von Woody Guthrie mag einen musikalischen Auftakt gesetzt haben, der bis zum heute im Haus gepflegten „NonnenwaldRock“ weitergewirkt hat. Doch Pit Gruber, der 1990 die Leitung von Tom Sendl übernahm, Heidi Kollmannsberger und Alex Michl bieten auch viele andere Möglichkeiten: Sie betreuen die täglich bis zu 60 jugendlichen Gäste drinnen beim Tischtennisspielen wie draußen auf dem Dirtparkareal. Und ganz nebenher integrieren sie noch die junge Generation des benachbarten Flüchtlingsheims.
Dabei ist das Gebäude, welches immer nur eine Übergangslösung hatte sein sollen, ziemlich in die Jahre gekommen. Einer pädagogisch so wertvollen und für die Zukunft wichtigen Arbeit würde man bessere Rahmenbedingungen wünschen. Angesichts der düsteren Finanzlage der Stadt werden aber Mittelschule und Feuerwehr eines Tages vor der Jugendarbeit an der Reihe sein.
Für all die sportlichen und kreativen Anregungen, die das Team unter ärmlichen Bedingungen bietet, kann man als Stadt gar nicht froh genug sein.
Mit dem Geburtstagsglückwunsch einher geht unser ganz
großer herzlicher Dank für alle Mühen.
13. Oktober 2024
Dies war der zentrale Satz von Imam Idriz zum Schöpfungstag, den die drei Kirchen in Penzberg seit Jahren miteinander feiern. In der gemeinsamen Andacht zu Beginn erläuterte der Imam, dass der Raubbau an unseren Ressourcen auch Verteilungskämpfe auslöse. Pfarrer Holz ergänzte, dass die Schöpfung darüber hinaus auch für künftige Generationen bewahrt werden müsse. Nach dem zusammen gesprochenen Gebet „Für unsere Erde“ und dem Segen erklärte der diesjährige Gastgeber Pfarrer Lademann, was im Gemeindesaal der Evangelischen Kirche an weiterem Programm vorbereitet war.
Das von allen drei Gemeinden besetzte „Umwelt- und Fairtrade-Team“ der Stadt Penzberg bot zunächst eine Kartoffelsuppe an, die an den dicht besetzten Tischen eingenommen wurde. Da das Jahresthema des Teams „Abfallvermeidung“ ist, erinnerte Sprecher Georg Kurz daran, dass in Deutschland pro Kopf und Jahr 400 kg Müll anfallen. Um zu erfahren, wie dieser getrennt wird und am besten gar nicht erst in solcher Menge aufkommt, war Claudia Knopp von der EVA Erbenschwang eingeladen worden. Mehr als 40 Menschen im Saal verfolgten den lebhaften Vortrag rund um – unseren Abfall.
Verschiedene Mythen löste sie auf. Nein, getrennt gesammelter Müll würde nicht hinterher gemischt. Mit einem Blick in die Kammern eines Abfuhrlasters für Glas erklärte Knopp, wie dieses getrennt sortiert und recycelt wird, was übrigens endlos möglich sei. Und, nein, nicht alles, was sich zersetze, werde auch zu Kompost. In Zeitungspapier oder Küchenkrepp könne man Biomüll in die Tonne werfen, nicht aber in gekauften Bioabfalltüten. Es werde auch unser Plastik nicht nach China exportiert. Vielmehr blieben 84% der Kunststoffverpackungen bei uns, 15% in der EU. Weiterhin werde unser Abfall auch nicht überwiegend verbrannt. Das Gesetz schreibe vor, dass heute 63% des Kunststoffs stofflich verwertet werden und nur der kleinere Teil energetisch. Im Zusammenhang mit der Erklärung der Infrarot-Sortierung bat Knopp darum, die gelben Säcke möglichst locker zu befüllen. Mit einer langen Reihe von Tipps zur Vermeidung von Abfall rundete sie ihren interessanten Vortrag ab. Die Folien werden in Kürze auf der Webseite des Umweltteams zu finden sein: zur Lektüre empfohlen!
26. September 2024
Zum dritten Mal lud der „Treffpunkt Architektur Oberbayern“ (TAO), eine der fünf regionalen Untergruppen der Bayerischen Architektenkammer, zur Vortragsreihe „Drei nach Fünf“ in den Bürgerbahnhof Penzberg. Gemeinsam mit der Stadt, der VHS und dem „Wessobrunner Kreis“ beleuchtete man dabei die zukunftsfeste Stadt mit jeweils drei Schlaglichtern aus der Perspektive von Architektur und Ökologie. TAO-Beirat Harry Dobrzanski, der durch den Abend führte, begründete einleitend: „Mit der Stadt entwerfen wir ja auch die Gesellschaft.“
Im ersten Beitrag erläuterte Architekt Florian Dilg aus München das neue Konzept „Gebäudetyp-e“, welches derzeit als Gesetzesvorschlag geprüft wird. Das „e“ steht für „einfach“ wie „experimentell“, denn nur in Kombination von beidem kann Bauen kostengünstiger und auch nachhaltiger werden. Dabei grenzt man sich von einem Wildwuchs an Normen und Richtlinien ab und schafft dennoch Rechtssicherheit für Bauleute wie PlanerInnen. Inwieweit der experimentelle Ansatz das einfache Bauen fördert, zeigte der Beitrag von Architekt Sebastian Beham, der das „Haus für Kinder“ in Sachsenkam wie auch das „Naturhotel Bergeblick“ in Bad Tölz als jüngste Beispiele vorstellte.
Im dritten Beitrag erklärte Landschaftsarchitekt Armin Wandschura von „Optigrün“ positive Aspekte und mögliche Formen der Dachbegrünung: Rückhalt und Speicherung von Regenwasser, Verzögerung des Abflusses in überlastete Kanäle, Bindung von Feinstaub, Verdunstung zugunsten des städtischen Mikroklimas, Dämmung von Gebäuden gegen Hitze und Kälte, Kombination mit Photovoltaik-Anlagen usw. Allerdings ist darauf zu achten, dass die Möglichkeit der Begrünung über der Stadt nicht als Argument für völlige Versiegelung unten durchgeht. Ansatzpunkte für eine lebhafte Diskussion waren somit sofort gegeben. Dank des ehrenamtlichen Engagements von TAO wurde diese überhaupt einmal geführt.
24. September 2024
Den Münchner Verkehrs- und Tarifverbund (MVV) gibt es seit etwas mehr als einem halben Jahrhundert, und er schreibt seine Erfolgsgeschichte fort und fort. „Ein Netz, ein Fahrplan, ein Tarif“, das ist die einfache Grundidee, die ganz vom Kunden aus denkt und bis zu 800 Mio. Fahrgäste pro Jahr anzieht. Mit der in den letzten Jahren vorangetriebenen Ausweitung des Streckennetzes trägt er erheblich zur Abnahme des Individualverkehrs und damit auch zum Klimaschutz bei. Die angeschlossenen Gemeinden gewinnen zudem damit einen großen Standortvorteil: Was nutzt das schönste Gewerbegebiet, wenn junge Leute ohne Auto nicht an ihre Ausbildungsplätze gelangen?
Letztlich dient ein guter ÖPNV der Wirtschaft und der sozialen Teilhabe in einem Zug. Nicht zuletzt auch den Freizeitvorhaben: Demnächst kann man von Augsburg bis Kufstein im immer selben Verbund – zügig - durchfahren.
Bei allen Vorteilen, die im letzten Jahr bereits die Landkreise Rosenheim, Miesbach und Bad Tölz vom Beitritt überzeugen konnten, und die in diesem Jahr auch die Landkreise Weilheim und Landsberg dazu bewogen, muss einem auch klar sein, dass man mit diesem Schritt eine gewisse Verantwortung übernimmt. Das Rückgrat des MVV nämlich ist alles, was sich auf Schienen bewegt. Für Sicherheit und Ausbau der Bahn sorgt erstmals nach Jahrzehnten die Ampel-Koalition, dafür kann die Kommune nicht viel tun.
Aber die örtlichen Bahnhöfe sollten einen freundlichen Empfang bieten. Mit dem Beitritt zum MVV werden wir bestimmt auch unserem Bahnhof wieder mehr Aufmerksamkeit widmen müssen. Und trotz finanzieller Engpässe dürfen wir wenigstens perspektivisch die wirklich sinnvolle Lage eines Busbahnhofs – die Diskussion blieb letztes Jahr im Mai stecken! – nicht aus dem Auge verlieren.
24. September 2024
Zum dritten Mal stand nun der Nachprüfungsantrag zum Beschluss des Bauausschusses im Juni auf dem Plan. Und auch dieses Mal zeigten die vollbesetzten Publikumsreihen wieder das Interesse der Bürgerschaft am Thema. Eingangs wurde nochmals der Grund für den Antrag erklärt: Einzelentscheidungen liegen beim Bauausschuss, während Entscheidungen mit großer Reichweite für die Stadtentwicklung insgesamt vom ganzen Stadtrat diskutiert und getragen werden sollten. Allein die angeführten Einzelpunkte von PM zum Plankonzept umreißen bereits diese Reichweite. Wir wünschen uns die Beachtung folgende Punkte:
Kurz: Penzberg Miteinander fordert die Ausarbeitung eines tragfähigen Konzepts.
Alle unsere Punkte stehen dennoch im Einklang mit einem grundsätzlichen Bekenntnis für Verdichtung, für Erneuerung und für Investoren, die ein Interesse an unserer Stadt zeigen.
Das Ergebnis der Sitzung: Für eine Bürgerbeteiligung sollen Vorschläge erarbeitet werden. Eine
Hinzuziehung externer Fachleute
aber hält eine knappe Mehrheit samt Bürgermeister für unnötig:
abgelehnt. Und als nächstes soll die Durchführung eines
vorhabenbezogenen Bebauungsplans mit dem Investor geprüft werden. Das aber hieße, dass
Stadt und Investor sich schon über das Vorhaben einig sind. Welche Stadt, die mit oder ohne BürgerInnen?
24. Juli 2024
Im letzten halben Jahr haben sich eine Reihe von Gruppierungen vor Ort zusammengeschlossen, um sich künftig über die Generationen hinweg gegenseitig besser zu unterstützen: „Familienzentrum Arche Noah“ (FAN) , Mütterzentrum (Müze), BUND-Jugend, Stadtbücherei, VHS Penzberg, BRK, Jugendzentrum und „ÜberMorgen e.V.“, unterstützt von den Jugendreferenten der Stadt.
Künftig will man sich über Angebote rund um die gesamte Familie austauschen und gemeinsam auch neue schaffen. Wichtig ist vor allem, dass diese auch sichtbar werden. Dafür gibt es bereits zwei digitale Verweise auf den Webseiten der Stadt Penzberg wie der VHS Penzberg. An diesem Abend aber wird ein ganz analoges Instrument eingeweiht, die Magnettafel in der Rathaus Passage: auf dem orangenen Punkt ist künftig ein buntes Programm versammelt, wie Lisa Staub, von „ÜberMorgen“ eingangs erklärt.
Caroline Reudelsdorf von der „Arche Noah“ weist besonders auf die Raumnot hin, der man durch Vernetzung und gute Organisation abhelfen kann. Annelies Plep berichtet vom Ersatz-Großeltern-Dienst, den die „Arche Noah“ zusammen mit dem Seniorenbeirat bereits auf den Weg gebracht hat. Anke Ringel, Geschäftsführerin des BRK, führt aus, wie im Rahmen eines größeren Generationenprojekts Babysitter ausgebildet werden. Das Mütterzentrum, so Alexandra Wieland, plant eine ehrenamtlichen Mittagsbetreuung für Schulkinder.
Als Jugendreferenten heben Anette Völker-Rasor und Sebastian Fügener die große Energie hervor, die seit dem ersten Treffen spürbar sei. Der demographische Wandel führe dazu, dass die Generationen sich künftig noch mehr beistehen müssten. Die Stadt habe gerade erst mit der Verabschiedung des Haushalts offengelegt, wie eng der finanzielle Spielraum in den nächsten Jahren sein werde. Da erweise sich solch ein
zivilgesellschaftliches Engagement geradezu als Geschenk. Sie verweisen auch darauf, dass die Vision des städtischen
Jugendzentrums von einem Gebäude für Kinder und Jugendliche an der Berghalde eines Tages den räumlichen Rahmen für das bilden könnte, wovon alle Teile des Familiennetzwerks heute träumen. Nicht morgen realisierbar, aber vielleicht übermorgen.
23. Juli 2024
Nach monatelangem Mühen hat der Stadtrat noch vor der Sommerpause in der Julisitzung den Haushalt 2024 verabschiedet. Allerdings wurde in der Sitzung ohne jede Darlegung darum gebeten, dass die Fraktionen ihre Haushaltsreden halten. Hätte nicht Kerstin Engel (Bündnis 90/Grüne) ihre Ablehnung des Zahlenwerks begründen wollen, so hätte von den anwesenden BürgerInnen niemand auch nur eine Zahl gehört. Da aber außer den Stadträten auch der Presse die 616 Seiten vorlagen, können hier die wesentlichen Zahlen genannt werden. In Ermangelung eines Kämmerers hat Geschäftsführer Roman Reis sie aufbereitet.
Mit € 69.235.600 für den Verwaltungshaushalt und € 37.743.300. für den Vermögenshaushalt ergibt sich ein Gesamthaushalt von € 106.978.900. Dabei wird aus dem Jahr 2023 ein Fehlbetrag von 12,78 Mio. Euro mitgeschleppt. Dieser kann nur durch Veräußerung städtischer Liegenschaften abgebaut werden, wobei für 2024 knappe 3,4 Mio. Euro angesetzt sind, der restliche Betrag dann bereits für 2025. Um das laufende Jahr ausgeglichen darstellen zu können, ist eine Kreditaufnahme von 21 Mio. Euro notwendig, um nicht mehr abwendbare Kosten im Vermögenshaushalt bestreiten zu können.
Die
weiteren Einzelheiten des Haushalts, für dessen Zusammenstellung alle Fraktionen dem
Geschäftsführer herzlich dankten, sind
auf einer gesonderten Themenseite nachlesbar. Hier werden auch die Konsequenzen für die Bürgerschaft gelistet; außerdem sind die Hintergründe aufgeschlüsselt, die zu einer Situation geführt haben, die
Roman Reis auf auf lange Zeit hin als als „Finanzierungsengpass“ beschrieb. Für unsere Fraktion hielt
Ute Frohwein-Sendl die
Haushaltsrede, mit der die geschlossene Zustimmung begründet wurde.
15. Juli 2024
Für diese Formel erhält der Vertreter der Caritas, Herr Gutera, einen spontanen Applaus während des Infoabends der Stadtverwaltung in der Stadthalle über die Situation bezüglich Mittagsbetreuung und Hortplätzen. In der Bürgermeister-Prantl-Schule fehlen noch 40 Plätze für die Mittagsbetreuung, im Hort an der Winterstraße 51 Plätze und im Hort an der Birkenstraße 29 Plätze. In Summe sind also 120 Familien im Ungewissen darüber, wie es nach den Sommerferien im Anschluss an die Schulzeit weitergeht: Werden die Eltern beide arbeiten können und die Kinder über Mittag oder bis zum Nachmittag betreut sein?
Frau Otte, von der AWO, zuständig für die beiden Horte, erklärt, die Situation sehe in den anderen 16 Kommunen im Oberland, in denen die AWO tätig sei, leider ganz ähnlich aus: überall fehle es an Fach- und Ergänzungskräften, darin liege das Hauptproblem. Bekannt ist, dass der Hort an der Winterstraße Platz gewinnen kann, indem das Mütterzentrum weichen muss. Und die Mittagsbetreuung, so, Herr Gutera, kann sich hoffentlich in die soeben im Schulgebäude frei gewordene Hausmeisterwohnung hinein ausdehnen. Für die Mittagsbetreuung reichen geringere Qualifikationen, Personal ist etwas leichter zu finden.
Die Stadt also kann den mit wachsender Einwohnerzahl steigenden Bedarf an Kinderbetreuung platzmäßig mit viel Mühe decken – wo bleibt das Mütterzentrum, und wo wohnt künftig der Hausmeister? -, doch davon nimmt die Zahl der ErzieherInnen nicht zu. Indem vom Rathaus her Listen verteilt werden, in die man sich zum Zwecke der Vernetzung eintragen kann, wird an Selbsthilfe und Zusammenarbeit appelliert. Für eine Elterninitiative werde man bei der Raumsuche behilflich sein. Aus dem Publikum kommende guten Ideen wie die Einrichtung einer Tagespflegebörse nimmt die Verwaltung bereitwillig mit.
Klar ist: Berufstätige Eltern benötigen Kinderbetreuung, gleichzeitig können Stadtverwaltung und Träger auch keine Fachkräfte heranzaubern. Von politischer Seite aus kann man nur darauf achten, dass
man ein Wachstum der Stadt nicht ohne Rücksicht auf die ebenfalls mit zu entwickelnden Infrastrukturen vorantreibt. Umgekehrt können
Eltern
von einer Kommune an freiwilligen Leistungen nicht einfach alles erwarten, ohne auch zu einer gewissen Eigeninitiative und Selbsthilfe bereit zu sein.
8. Juli 2024
Die Resonanz auf die Einladung des Gewerbevereins „Pro Innenstadt Penzberg“ zu Information und Austausch ist groß. Dicht gedrängt stehen Bürgerinnen und Bürger an diesem Abend um das Modell im Rathaus-Foyer. Stadtbaumeister Klement mag nicht glauben, dass mitgebrachte Modellmenschen sich darin so winzig ausnehmen. Doch mit 0,9 cm Länge passen sie exakt zu den 10 cm hoch geplanten Gebäuden von BayernWohnen an der Bahnhofstraße, beides im Modell 1:200, da lassen sich keine Zweifel säen.
Investor und Architekt erklären, das Bauamt habe von ihnen entlang der Straße einen geschlossenen Riegel erwartet. Ihrem Plan nach soll dieser bis zu sechs Geschosse hoch werden, wobei das oberste als zurückspringendes sogenanntes Staffelgeschoss ausgebildet sein soll – in ihrer Sprache gefälliger benannt als "4-5 Geschosse plus Terrassengeschoss". Unerwähnt bleibt an diesem Abend, dass der derzeit gültige Bebauungsplan nicht mehr als drei Geschosse, Satteldächer und eine Geschossflächenzahl von 1,5 vorgibt. Der Veränderungswunsch lautet auf sechs Geschosse, Flachdach und eine Geschossflächenzahl von 2,5.
Noch wesentlicher aber ist eine Veränderung, auf die Monika Uhl, Vorsitzende des Gewerbevereins, hinweist: Das „Integrierte Stadtentwicklungskonzept“ (ISEK) von 2015 kartiert den derzeitigen Bestand als „Stadtbildprägendes Ensemble“. Die Karte ist auf der Homepage unter dem Titel „Karte 11: Schützen und Bewahren“ zu finden.
Die anschließend vom Publikum gestellten Fragen zeigen Skepsis und Kritik: Man wolle die Vergangenheit noch wahrnehmen können, die Bürgerschafft wünsche sich eine Beteiligung bei der Gestaltung des zukünftigen Gesichts der Innenstadt, außer dem Einkaufserlebnis sei auch die Aufenthaltsqualität von höchstem Interesse für die Stadtgemeinschaft, die Identität der Stadt bilde sich im vorgestellten Projekt nicht ab, ein Abriss des Menagehauses werde richtungsweisend für den weiteren Umgang mit stadtbildprägenden Gebäuden wirken, und nicht zuletzt wecke eine Bahnhofstraße mit bis zu sechsgeschossiger Bebauung auch Befürchtungen hinsichtlich Lichteinfall und Windzug. Geschäftsführer Entreß von BayernWohnen beschwichtigt, er wolle attraktiv bauen und sich über die Schultern schauen lassen, doch ein Innehalten im Entwicklungsprozess, wie es der Gewerbeverein und die etwa 80 Anwesenden sich wünschen, stellt er am Ende nicht in Aussicht.
Am Ende der Veranstaltung werden
Fragebögen ausgegeben, die der Gewerbeverein auswerten will. Wichtig ist es nun zu sehen, wie die Stadtverwaltung mit dem Eindruck dieses Abends umgeht, dies vor dem Hintergrund auch der bereits im letzten Jahr eingereichten
750 Unterschriften mit Hoffnung auf Erhalt des Menagehauses.
25. Juni 2024
Die Nachricht trifft uns alle hart: Die Landesgartenschau in Penzberg wird nicht stattfinden. Ein Projekt, das für unsere Stadt eine einzigartige Chance darstellte, muss aus finanziellen Gründen abgesagt werden. Wir, die Fraktion Penzberg Miteinander, teilen unsere Enttäuschung über diese Entwicklung und danken den vielen engagierten Bürgerinnen und Bürgern sowie der Stadtverwaltung für ihre harte Arbeit und ihr Engagement.
Die Landesgartenschau wäre eine Gelegenheit gewesen, Penzberg in neuem Glanz erstrahlen zu lassen, Besucher aus nah und fern anzuziehen und unsere Stadt als Ort der Innovation und Gemeinschaft zu präsentieren. Aber die Haushaltslage der Stadt gibt es derzeit nicht her. Trotz monatelanger intensiver Bemühungen, die Ausgaben zu senken und zusätzliche Einnahmen zu generieren, konnten die notwendigen Mittel für die Durchführung der Landesgartenschau nicht aufgebracht werden.
Bei den Beiträgen dazu in der Stadtratssitzung wurden u.a. auch Punkte angesprochen, an denen wir im Laufe der kommenden Monate noch viel hätten nachbessern müssen: Zum Turm am Rande des Hochmoors und zum Wegfall des Radwegs hinter dem Westende gab es Diskussionen wie auch zum Rondell auf der Säubachwiese und zur Bachrenaturierung ohne Kanalverlegung. Doch dies ist jetzt alles müßig. Ausgerechnet aber an der Stelle, für die der Siegerentwurf ohne Wenn und Aber überzeugte, ist die Grundlage als solche für die Gestaltung entfallen. Denn bis heute sind der Haushalt 2024 und mit ihm die Finanzplanung bis 2027 nicht abgeschlossen. Das heißt aber auch: Bis heute ist nicht gesichert, dass das Hochwasserrückhaltebecken am Müllerholz, ein millionenschweres Projekt, über die fast abgeschlossenen Planungen hinaus überhaupt in den nächsten Jahren umgesetzt werden kann. Ohne den Unterbau aber auch keine zeitnahe Gestaltung obenauf!
Bis auf weiteres gilt leider: Die finanzielle Situation ist derzeit so desolat, dass wir froh sein können, wenn wir die Jahre bis 2028 überstehen, ohne zusätzlich eine Landesgartenschau stemmen zu müssen. Wir haben mit dem „Piorama“ ein großes Projekt erfolgreich abgeschlossen. Die finanziellen Folgen werden wir noch lange spüren. Gleiches gilt für den Wohnbau an der Birkenstraße. Vor uns stehen große Pflichtaufgaben: Das Kinderhaus an der Nonnenwaldstraße ist im Werden, danach müssen wir uns der Bürgermeister-Prantl-Schule widmen, die Feuerwehr braucht Platz, und das Gros der städtischen Liegenschaften steckt im Sanierungsstau. Von freiwilligen Leistungen gar nicht zu reden: Stadtentwicklung mit Bürgerbeteiligung, Aufstockung der Sigmundstraße und Umbau zur Fahrradstraße usw.
Wir müssen jetzt
einen Gang zurückschalten und uns auf das konzentrieren, was ansteht. Wenn wir nur fähig wären, einen Teil des mit der Landesgartenschau erwartbaren Defizits künftig in Stadtentwicklung, Grünstrukturen und Fahrradwege zu stecken, dann könnten wir schon froh sein. Die intakte Natur, in der wir leben, gilt es zu bewahren. Dazu braucht es nicht viel Geld und nicht viele Zuschüsse. Dazu braucht es vor allem ein gewisses Maß an
Wertschätzung des Vorhandenen und Achtsamkeit bei dessen drohender Gefährdung. Wenn die Finanzen konsolidiert sind, kann man auch wieder von größeren Projekten träumen.
25. Juni 2024
Für die Stadtratssitzung am 25. Juni haben sechs Stadtratsmitglieder, PM und zwei Fraktionsmitglieder der Grünen, einen Antrag gemäß Geschäftsordnung und Bayerischer Gemeindeordnung vorgelegt. Danach ist es zulässig, innerhalb von sieben Tagen nach dem von einem Ausschuss gefassten Beschluss zu fordern, dass dieser vom gesamten Stadtrat nachgeprüft wird. Damit wird letztlich offenkundig, ob das im Ausschuss sitzende Fraktionsmitglied eine einstimmige Meinung der Fraktion vertritt.
Dieses völlig legitime Mittel wurde nun auf den Beschluss des Bauausschusses vom 11.6. bezüglich des Projekts von „Bayern Wohnen“ an der Bahnhofstr. 21-25 angewandt. Der Beschluss, dass der Investor grünes Licht für die Weiterarbeit am Bebauungsplan entsprechend seiner Vorstellungen bekommt, hat dadurch bis zum Zeitpunkt der Nachprüfung noch keine Gültigkeit. Wenn es in der Sitzung hieß, die Zulassung des Antrags sei eine „good-will-Aktion“ des Bürgermeisters, dann ist dies schlicht falsch. Sie ist ein Recht.
Auch ein Recht freilich kann man begründen, und so hat es Fraktionssprecher Markus Bocksberger in der Sitzung auch getan. Eine Fläche in der Größe von 3.700 qm mitten im Zentrum einer Stadt von der Größe Penzbergs ist ein städtebaulich relevantes Areal. Seit 2021 wird der Bevölkerung versprochen, an der Gestaltung des künftigen Stadtbilds beteiligt zu werden. Was an dieser Stelle realisiert wird, schafft zudem einen Präzedenzfall für die angrenzenden Areale bezüglich Höhe, Dichte, Wohnraum, Folgen für die Infrastruktur usw.
In Bad Tölz ist ein Investor bereit, die bisherige Gebäudestruktur als Impulsgeber zu achten, in vielen Städten wird gar ein Königsweg gefunden, Alt und Neu miteinander zu verbinden. Wenn ein Bauträger es schafft, nicht einfach einen Baukörper zu errichten, sondern mit Maß und Charakter der Architektur die Seele einer Stadt zu erhalten, dann hat er am Ende sein Projekt nicht nur refinanziert, sondern auch zu einer vorbildlichen Baukultur beigetragen. Interesse und Gesprächsbereitschaft auf allen Seiten machen das möglich.
Ab dem 1. Juli wird das Modell im Foyer des Rathauses zu besichtigen sein. Alle haben die Chance, es sich anzusehen und sich zu fragen: Ist dies unser Stadtzentrum, wie wir es uns wünschen? Wenn ja, dann ist alles in Ordnung, und man lässt den Prozess weiterlaufen. Wenn nein, dann ist es jetzt an der Zeit, die eigene Vorstellung zu formulieren. Ein Weg, dieser auch zur Geltung zu verhelfen, wird sich dann schon finden lassen.
11. Juni 2024
Was in der Sitzung des Bauausschusses an diesem Dienstag passiert, muss die gesamte Stadtgemeinschaft aufhorchen lassen: Was als Planwerkstatt versprochen worden war, d.h. die Beteiligung der Öffentlichkeit an Penzbergs künftigem Stadtbild, das wird an diesem Abend mit einem raschen Beschluss von fünf gewählten Stadtratsmitgliedern und einem Investor vollzogen. Das Menagehaus wird damit zum Abriss freigegeben (s.a. Pressespiegel) und eine Länge von etwa 100 m an der Bahnhofstraße für die Errichtung eines monströs-monotonen Bauwerks gutgeheißen. Ist es das, was Penzberg für die nächsten drei bis vier Generationen will?
Dass neben dem Vertreter der Grünen auch PM-Vertreter Martin Janner sich dagegen aussprach, führte leider nicht einmal zu einer Diskussion. Hier die Stellungnahme von unserer Seite, wie sie in der Sitzung vorgetragen wurde:
„Die Bahnhofstraße weist noch einige Gebäude auf, welche unverkennbar stadtbildprägenden Charakter haben und eine individuelle Geschichte erzählen. Hierzu gehört im Bereich des heutigen Bebauungsplanverfahrens auch das Menagehaus.
Deshalb wurden vom Denkmalverein im Mai 2023 auch binnen kurzer Zeit 749 Unterschriften gesammelt mit dem Ziel des Erhalts.
Schon seit Jahren wurde versprochen, dass die Gestaltung der Innenstadt unter Einbeziehung der Öffentlichkeit - zuletzt im Rahmen einer Planwerkstatt – erfolgen soll. Dieses Verfahren wurde aus finanziellen Gründen verschoben und würde durch eine B-Planentscheidung obsolet. Die Stadt Penzberg hat viel in die Gestaltung der Bahnhofstraße investiert. Letztlich ist es ist unsere Aufgabe als Stadtrat, die Planungshoheit dahingehend auszuüben, dass die Stadt ihre Identität hierin wahrt.
Der von BayernWohnen vorgelegte Entwurf entspricht nicht dieser Vorgabe. Aus unserer Sicht ist das vorgestellte Vorhaben zu massiv und dominant, zu austauschbar. Es passt nicht zu Penzberg. Durch die massive, hohe und lange Riegelbebauung ginge der bisherige individuelle Charakter einer sympathischen Einkaufs- und Wohnstraße unserer Kleinstadt verloren. Außerdem lässt die rückwärtige Bebauung in zweiter Reihe zu wenig Freiraum. Künftige Bewohner werden sich beengt fühlen.
Dies schließt eine Neuentwicklung des Bebauungsplan-Areals nicht aus: Die Kunst einer gelungenen Stadtplanung liegt darin,
Neu mit Alt so zu verbinden, dass die Identität der Stadt gewahrt wird. Hieran müssen wir arbeiten.“
10. Mai 2024
Fünfzig (vor)lesefreudige Menschen aus den verschiedensten Parteien, Vereinen, Institutionen und Schulen, dazu eine kleine Bühne mit Stuhl, Mikrofon, Beleuchtung und vier Leute, die sich auf Musik verstehen – sehr viel mehr braucht es gar nicht, um einen überaus würdigen Abend zur Erinnerung an die Bücherverbrennung vor 91 Jahren zu gestalten. Clemens Meikis, Ortsvorsitzender der SPD Penzberg, hat zu dieser Veranstaltung geladen und ihr den Titel "Lesen gegen Rechts" gegeben.
Über zwei Stunden hinweg nehmen nacheinander sechzehn VorleserInnen Platz vor dem Publikum und tragen einen selbst gewählten Text vor, der damals auf die Liste verfemter Literatur gesetzt wurde, mit der Nationalsozialisten und "Deutsche Studentenschaft" kurz nach der Machtergreifung "wider den undeutschen Geist" vorgehen wollten: Prosa und Lyrik von Erich Kästner, Kurt Tucholsky, Heinrich Mann, Alfred Döblin und vielen weiteren.
Clemens Meikis moderiert das Programm, dazu musizieren im Wechsel Ben Fürst und Rupprecht Losert sowie Alexandra Link-Lichius und Thomas Kapfer. Nach manch einer Passage stockt einem erst einmal der Atem, nach manch einer Passage gibt es sofort Applaus.
Teilweise muss man erst einmal nachdenken, woran eigentlich die Nazis Anstoß genommen haben mögen. Erich Kästner etwa übertreibt ja keineswegs, wenn er Fabian und seinen Freund Labude nächtens auf zwei Kerle stoßen lässt, die mit scharfer Munition aufeinander losgegangen sind, den Kommunisten hier und den Nazi da. Die Situation 1931 war aufgeladen – und sie lädt sich zunehmends auch heute wieder auf, wie neuerdings Angriffe auf PolitikerInnen zeigen.
Der Abend "Lesen gegen Rechts" ist
von trauriger Aktualität und Dringlichkeit in einer Zeit, in der wenige Tage zuvor der SPD-Europakandidat Matthias Ecke bei einem Angriff schwer verletzt worden ist und solche Fälle von Gewalt sich häufen.
4. Mai 2024
Seit Wochen sieht man überall in der Stadt diese kleine dunkelgelbe Karte ausliegen: „Shape the Future“ steht darauf, ein Fahrrad mit Windrädchen, Blume und Weltkugel balanciert oben auf dem Schriftzug. Auch dieses Jahr im Mai ist das Aktionsbündnis, bestehend aus „ÜberMorgen“, der adfc-Sektion Penzberg, der BUNDjugend und dem „Werkraum“ wieder mit Fahrraddemo und einem Festival an der Christianstraße aktiv, diesmal im Rahmen der Großaktion „Klimafrühling Oberland“.
„ÜberMorgen“ und „Allgemeiner Deutscher Fahrradclub“ (adfc) geben zu Beginn die Losung aus: Alle, die diesen Tag miteinander verbringen, können die Zukunft formen und Luftretter sein, erklärt Lisa Staub. Und Norbert Hornauer bringt es auf den Punkt: „Wir können auch Spass zusammen haben, ohne unsere Umwelt kaputt zu machen. Ein bisschen weniger Eismärchen, dann lebt auch der Eisbär länger.“ Dazu trägt eben auch bei, sich aufs Radl zu schwingen statt Auto zu fahren. Dann geht es los.
Nachdem 250-300 kleine und große Radler eine Dreiviertelstunde lang laut klingelnd durch die Innenstadt gerollt sind, zieht die Zweirad-Karawane an der Alten Molkerei wieder ein.
In diesem Jahr ist noch viel mehr geboten, viele machen mit bei der Nachhaltigkeitsmesse und Klimaausstellung: die Stadtbücherei, CharSharing Pfaffenwinkel, die Penzberger Schatzkiste, ein Naturgärtner, das Reparatur-Café, der Fotograf Konrad Wothe mit einer Regenwald-Ausstellung und die Veranstalter selbst mit ihren Mitmachaktionen. Dazu musizieren vier verschiedene Gruppen.
Man sieht an diesem Tag, wie wunderbar man einen geschützten Hof nutzen kann, der sonst allein dem parkenden Blech vorbehalten ist. Paletten mit dicken Polstern laden zum Lagern ein, Radkünstler durchfahren den Geschicklichkeitsparcours, andere begrünen ein großes Rathaus-Modell mit Rankpflanzen, riesige Füße laden zur Einschätzung des eigenen CO2-Fußabdrucks ein, Popcornduft und Seifenblasen verteilen sich in der Luft, bunte Wimpel flattern im Wind. Bis zum Abend.
Was für ein Fest!
4. Mai 2024
Bis der Maibaum vor dem städtischen Kindergarten am Daserweg stand, dauert es ein halbes Stündchen – aber Sanierung und Erweiterung haben ja auch ihre Zeit gebraucht. Dreieinhalb Jahre, um genau zu sein: In seiner Rede zur Wiedereröffnung beschreibt Bürgermeister Stefan Korpan, wie seit August 2020 bei laufendem Betrieb in drei Bauabschnitten gearbeitet wurde, bis jetzt alle inzwischen sechs Gruppen mit etwa 125 Kindern in der neuen alten Kindertagesstätte ihren Raum gefunden haben.
Ja, es habe – nicht zuletzt pandemiebedingt – Verzögerungen gegeben, und es seien Wechsel bei den Planern und Gewerken nötig geworden, aber insgesamt habe ein starker Teamgeist, den die Einrichtung und das Bauamt in den Jahren zusammen entwickelt hätten, getragen von der Geduld der Familien, über alle Schwierigkeiten hinweggeholfen. Mit Kosten in Höhe von 5,2 Mio. Euro, von denen 60% auf die Sanierung und 40% auf den Anbau entfallen, ist jetzt das Projekt abgeschlossen.
Leiterin Martina Schweiger besteigt im Anschluss mit ihrem Vorredner einen Hubsteiger des Bauhofs und enthüllt das Schild mit dem neuen Namen: „KiM KITA PENZBERG“. Der erste Teil des Namens weist als Abkürzung auf den Kern des pädagogischen Programms hin, denn „KiM“ steht für „Kind im Mittelpunkt“. Es steht als international gebräuchlicher, geschlechtsneutraler Vorname auch dafür, dass Vielfalt gepflegt wird und Kinder ohne jeden Unterschied in erster Linie Kinder sind.
Bei strahlendem Wetter kann man danach das um ein sonniges Atrium liegende Gebäude und die verschiedenen Garten- und Spielbereiche erkunden. Überall sind Stationen mit Angeboten aufgebaut, draußen spielt die Kapelle der Musikschule und sorgt der Bauhof fürs leibliche Wohl. Perfekt!
Das hier ist ein Vorzeigeprojekt in doppelter Weise:
Aus einem Kindergarten von 1987 ist eine ganz moderne Einrichtung geworden. Und: Weiterbauen im Bestand, das ist der richtige Weg!
28. April 2024
Unfassbares in Erinnerung zu behalten, widerstrebt eigentlich dem menschlichen Überlebenswillen, oft ist Weiterleben allein durch Verdrängen möglich. Wo aber Unfassbares um der Mahnung willen im Gedächtnis bleiben soll, da wird die Bemühung darum von Jahr zu Jahr größer werden müssen. Bei uns ist dies am Gedenken für die Opfer der „Penzberger Mordnacht“ spürbar, werden doch die Formen der Erinnerungskultur jedes Jahr am 28. April facettenreicher.
Diesmal kommt man nach der stillen Verneigung an den Ehrengräbern auf dem Friedhof im „Metropol“ zusammen, in dem schon bald keine Sitzplätze mehr zu haben sind. Gerahmt von Streichermusik unter Leitung von Pia Janner-Horn führt Kulturamtsleiter Thomas Kapfer durch das Programm. Nach einer Rede von Bürgermeister Stefan Korpan trägt eine gesamte Grundschulklasse das Lied „Die Gedanken sind frei“ vor. Kurz zuvor haben sie mit ihrer Lehrerin Alexandra Link-Lichius an Alice Gruberts Themenführung in Museum und Stadtraum teilgenommen, wobei ihnen sehr behutsam die Ermordung von 16 Penzberger Bürgern kurz vor der Befreiung durch die Amerikaner vermittelt wurde.
Auch Schüler der Mittelschule haben sich intensiv mit den Geschehnissen befasst und für die damaligen Tatorte einen Audioguide mit Erklärungen entwickelt. Mit ihrem Schulleiter Michael Zwick stellen zwei Schüler einzelne Tonspuren vor, die in der Stadt über QR-Codes abrufbar sind. Auf der Homepage des Rathauses sind die Orte zu finden, die seit zwei Jahren auch durch Stolpersteine des Künstlers Gunter Demnig sichtbar sind. Um diese Steine kümmert sich seit kurzem die Initiative „Erinnerung aufpolieren“, die im Team der Aufsichten im Museum entwickelt wurde. Sprecher Thomas Trapp-Teriet hofft auf weitere Stolperstein-Paten, um gemeinsam gegen die Verwitterungsspuren vorzugehen.
In einem
eingespielten Interview würdigt Karl Schenk Graf von Stauffenberg, der vor kurzem die Stadt besucht hat und mit einem eigenen Verein für Erinnerung und gegen Rechtsextremismus zu wirken bemüht ist, die Erinnerungskultur in Penzberg. Unter Leitung von Kilian Stein singt das gesamte Publikum zum Abschluss gemeinsam ein Lied – und
erhebt so zusammen die Stimme gegen das Vergessen.
24. April 2024
Mit der Stadtratssitzung vom 24. April ist die Nicht-Öffentlichkeit einer gewichtigen Entscheidung aufgehoben: Dass der Leiter der Abteilung 6 für Umwelt- und Klimaschutz, Carl-Christian Wippermann, das Rathaus verlassen hat, hat sich bereits herumgesprochen. Nun aber wurde dazu bekannt, dass die Stelle einstweilen aus finanziellen Gründen nicht wiederbesetzt werden wird, während sie im Stellenplan immerhin erhalten bleiben soll. Auf Nachfrage hin soll in der nächsten Stadtratssitzung auch erläutert werden, wer im Rathaus was übernommen hat und welche Aufgaben noch keine Fortsetzung der Betreuung gefunden haben.
Wichtig ist uns, das Bewusstsein dafür zu schärfen, in welcher diffusen Zwischenzeit wir uns gerade befinden: Auf Bundesebene gibt es einen verpflichtenden Klimaschutzplan, der bis 2050 zu erreichen ist, und gerade dieser Tage aktualisiert die Bundesregierung das Klimaschutzgesetz. Alles auf höchster Ebene Geregelte kann aber nur erreicht werden, wenn es auch auf kommunaler Ebene konkret umgesetzt wird. Dem hinkt die Gesetzgebung nach, die den Klimaschutz noch nicht zum Bestandteil der kommunalen Daseinsvorsorge und damit zur Pflichtaufgabe gemacht hat, wie auch ein Leitfaden des Umweltbundesamts bestätigt.
Nur weil wir nominell noch nicht dazu verpflichtet sind, bindet uns aber doch, was in der Bayerischen Verfassung in Art. 141 BV steht, dass der Schutz von Boden, Wasser und Luft als natürliche Lebensgrundlagen sowie das Achten auf den sparsamen Umgang mit Energie und vieles mehr zu den vorrangigen Aufgaben der Gemeinden zählt. Und wie stark wiegt erst das Urteil des Europäischen Gerichtshofs für Menschenrechte (EGMR) in Straßburg vom 9. April, welches auf eine Klage aus der Schweiz hin den Klimaschutz als Menschenrecht bestätigt hat!
Faktisch ist der Klimaschutz eine Pflichtaufgabe der Kommune. Bereits das Urteil des Bundesverfassungsgerichts vom April 2021 zeigt auf, dass diese Festlegung zu den noch offenen Aufgaben des Gesetzgebers zählt. Die nur kommunal abzuarbeitenden Punkte hat unser Klimaschutzmanager seit Antritt seiner Stelle im Oktober 2020 vorbildlich verfolgt: Verwaltung von Ausgleichs- und Ökokontoflächen, Umsetzung der städtischen Biodiversitätsstrategie, Management der Aufforstung und Moorrenaturierung, Betreuung des aktuell laufenden Mobilitätskonzepts, Öffentlichkeitsarbeit vom Klimafrühling bis zum Stadtradeln, Moderation der Kommunalen Wärmeplanung, Leitung des Fachbeirats Klima, Vorantreiben des Klimaschutzaktionsplans, Kooperation mit dem Landkreis, Kontakt für die städtische Umwelt- und Fairtradegruppe und vieles mehr.
Wir sind dankbar für diesen großen Einsatz. Wir beugen uns freilich den Zwängen, die uns die aktuelle Finanzmisere auferlegt. Aber:
Keine der bisherigen Aufgaben kann fallen gelassen werden. Wie auch immer wir das gemeinsam lösen werden.
23. April 2024
Die "Planwerkstatt Innenstadt" wurde in der jüngsten Stadtratssitzung auf 2025 verschoben. Im nächsten Jahr werden wir aber auch nicht mehr Geld haben als in diesem – und die Bauprojekte schreiten derweil munter voran. Damit wird das Vorhaben, mit der Bevölkerung eine Gestaltungssatzung zu erarbeiten, mehr und mehr hinfällig. Das Vorhaben betraf ein städtebauliches Leitbild und damit eine Zukunftsidee für unsere Stadt: dahin!
Das bedauern wir sehr.
Um zu sehen, was der mehrheitliche Beschluss nun tatsächlich eingespart hat, muss man zeitlich zurückgehen bis zur Sitzung des Bauausschusses vom 6. Dezember 2022. Damals wurde ein Innenstadtwettbewerb beschlossen, um ein Leitbild für das neue Aussehen der Innenstadt zu entwickeln, statt dass dort in naher Zukunft im Austausch gegen alte Bausubstanz gesichtslose Neubauten entstehen. Die Kosten dafür wurden öffentlich mit 250.000 Euro angegeben.
Im Juni 2023 wurde der ambitionierte Plan dann zurückgefahren auf eine sogenannte "Planwerkstatt Innenstadt", die auch weniger kosten sollte. Weiterhin aber sollten die größten Einzelposten zu 60% durch staatliche Förderung abgedeckt sein. Somit ist leicht auszurechnen, um welche Summe es in der Stadtratssitzung im Höchstfall ging. Bei aller Einsparnotwendigkeit, die den Stadtrat derzeit zwischen 15 und 20 Stunden im Rathaus beschäftigt, war unsere Meinung dazu die folgende:
Wenn wir in einer Zeit des Sparens auch keine Vorstellungen mehr für die Zukunft entwickeln, dann geben wir mit vielen notwendigen Einbußen auch noch unseren Gestaltungswillen auf. Dazu kommt: Gerade haben wir unseren Klimaschutzmanager verloren, seine Stelle wird einstweilen nicht wiederbesetzt. In einer Vorstellung vom Aussehen unserer Innenstadt lassen sich viele Maßnahmen verankern, die unsere Stadt auch widerstandsfähig machen gegen die Klimakrise.
Der Kompromissvorschlag, die Maßnahme um ein Jahr zu verschieben unter der Bedingung, dass unterdessen die Projektentwicklungen der öffentlichen Meinungsbildung im Rahmen der Planwerkstatt nicht vorauslaufen sollen, wurde mehrheitlich abgelehnt. Das Argument dagegen, die kommunale Planungshoheit könne man auch mit Bebauungsplänen ausüben, zieht wenig, wenn man sieht, was dabei
mitten in der Stadt erst im letzten Jahr an toter Fläche entstanden ist.
17. März 2024
Rund zweihundert große und kleine Menschen folgen an diesem Abend dem Aufruf der Organisationsgruppe von „Penzberg bleibt bunt“: Mit Kerzen, Handys und Lichterketten – wahlweise auf dem Hut, am Rucksack oder um den Kinderwagen herum angebracht – lauschen sie zunächst der Begrüßung von Bärbel Scholz, dann dem Wecker-Lied „Was keiner wagt“, vorgetragen von Dorothee Teufel, und schließlich den Worten von Clemens Meikis.
Er nimmt unter anderem Bezug auf den SZ-Artikel von Evelyn Roll, die ausgeführt hat, wie allein die Ermutigung zum Wählen schon etwas gegen die Etablierung der AfD bewirken könne. Mit Hinweis auf ein Zitat von Rafik Schami – „Die große Gefahr für die Demokratie ist die Gleichgültigkeit.“ – lenkt Meikis dann aber vor allem über auf die einzig wirkungsvolle Langzeitmethode, dem Populismus entgegenzuwirken: Bildung. Nur wo die Fähigkeit zum kritischen Denken gefördert werde, da sei es möglich, populistische Äußerungen, die vor allem über Social Media gestreut würden, als solche zu erkennen. Damit die Demokratie sich nicht mit ihren eigenen Mitteln abschaffe, sei es nötig, neben der Vermittlung von Bildung aber auch an die Verantwortung der Medien zu appellieren und die eigene Aufmerksamkeit beständig zu schärfen. Allein auf der Basis von Menschlichkeit und Respekt sei ein wertschätzendes Miteinander zu bewahren, sei Demokratie zu erhalten.
Die Worte passen gut zu den Liedzeilen, die zuvor zu hören waren: „Was keiner wagt, das sollt ihr wagen; was keiner sagt, das sagt heraus…“
Die Demokratie zu verteidigen, erfordert Einsatz; dieser kann schon allein darin bestehen, Dinge auszusprechen und zu thematisieren. So ist denn auch die weitere Stunde des Beisammenseins vor allem dem Gespräch vorbehalten. Man diskutiert, was konkret getan werden kann gegen Rechtsextremismus.
29. Februar 2024
Von Oktober bis Ende Februar wurde über die Linden an der Bahnhofstraße diskutiert. In der Bauausschuss-Sitzung vom 18. April 2023 hatten wir zusammen mit der FLP-Fraktion gegen die Fällung aller drei Bäume gestimmt, obwohl die städtische Baumbeauftragte der Meinung war, sie seien allesamt nicht mehr stabil und damit verkehrsgefährdend. In der BMU-Sitzung vom 20. Februar wurde dann nur noch ein ergänzendes Baumgutachten zur Kenntnis gebracht, welches der Denkmalverein beauftragt hatte. Dies aber bestätigte die erste Einschätzung von Seiten der Stadtverwaltung, womit der mehrheitliche Beschluss vom April 2023 umgesetzt und die Bäume am 28. Februar gefällt werden sollten und wurden.
In der Zwischenzeit waren sie
als Denkmal eingestuft worden, das Denkmalamt hatte dem Argument der Verkehrsgefährdung jedoch nachgeben und die Erlaubnis zum Fällen geben müssen. Als Stadtratsmitglied wird man danach von vielen Seiten gefragt, wie man das habe zulassen können.
Erklärung: Es gibt Fälle, da wünschte man es sich anders; doch wenn mehrere Sachverständige einbezogen worden sind, muss man deren Entscheidung auch hinnehmen. Danach lagen die Bäume erst am Stadtplatz, dann auf Gut Hub. Die Stadt hat nachweislich kein Geld, einen künstlerischen Wettbewerb auszurufen. Dennoch sollte nicht irgendeinem Kunsthandwerker das an die Mordnacht erinnernde Holz übergeben werden. Vielmehr sollte mit Hinweis auf die finanziell beschränkten Möglichkeiten
Bevölkerung und Kunstszene um ihre Meinung zu einer erinnerungswerten Verarbeitung gebeten werden.
21. Februar 2024
Der Auftakt für eine aktive Bürgerbeteiligung am Mobilitätskonzept für Penzberg ist gemacht: Am 21. Februar stellten das Verkehrsplanungsbüro "PTV Group" und der Kommunikationsdienstleister "DialogWerke" das Projekt den PenzbergerInnen in der Stadthalle vor. Rund 70 Interessierte waren gekommen und bekamen zunächst einige Daten und Fakten aus der bisher erstellten Bestandsanalyse präsentiert:
Die Penzberger Bevölkerung wächst weiter – bis 2030 könnte die Zahl der Einwohnenden auf 20.000 ansteigen. Dabei nimmt der Anteil der über 50- bzw. über 65-Jährigen besonders zu. Das Auto dominiert. Von 1.000 PenzbergerInnen besaßen im letzten Jahr 615 ein Auto. Der Standort Penzberg hat viele Aus- und Einpendler, besonders von und nach München, Weilheim und Bad Tölz. Nach der letzten Verkehrsanalyse (2013) werden 63 Prozent der Wege mit dem Auto, 21 Prozent zu Fuß, 13 Prozent mit dem Fahrrad und 4 Prozent mit Bus oder Bahn zurückgelegt. Durch die zwei Staatsstraßen durch Penzberg gibt es stark frequentierte Verkehrsachsen mit hohen Belastungen auch in der Innenstadt. Bei Unfällen sind häufig (circa 70 Prozent) Fußgänger oder Radfahrer beteiligt (gezeigte Präsentation).
Wie beurteilen die PenzbergerInnen die
aktuelle Situation? Was ist gut – und wo gibt es dringenden Handlungsbedarf? In einer
Podiumsdiskussion und an
vier Stationen zu den Themen Fuß- und Radverkehr, Autoverkehr, ÖPNV sowie Aufenthaltsqualität und Sicherheit konnten Post-It-Notizen an Tafeln geklebt werden. Es kamen unzählige Anregungen und Forderungen zusammen, die für das Mobilitätskonzept nun ausgewertet werden. Wer es nicht zu dem Termin in die Stadthalle geschafft hat: Ideen,
Hinweise und Wünsche können bis 7. April 2024 noch online eingereicht werden. Eine öffentliche Abschlussveranstaltung mit Ergebnissen ist für Dezember 2024 geplant.
20. Februar 2024
In der Sitzung des Bauausschusses war damit gerechnet worden, dass erneut darüber beraten wird, wo das BRK seine dringend benötigte neue Fläche würde finden können. Dass nach mehr als vierzig Jahren die Beschäftigten und die Fahrzeuge heute mehr Platz brauchen und dass auch Berg- und Wasserwacht unter dem gleichen Dach beheimatet sein sollten, steht völlig außer Frage. Die Reformpläne von Bundesgesundheitsminister Lauterbach könnten überdies die Aufgaben im Bereich der Transporte und Notfallversorgung noch verstärken. Mehrere Möglichkeiten waren von beiden Seiten in den vorangehenden Monaten untersucht worden, teilweise mit konkret erkennbaren Planungen auf den von der Stadt bisher angebotenen immerhin sieben verschiedenen Flächen.
Dass im Verlauf der Sitzung dann aber ein
ganz neuer Bereich zwischen Nonnenwald und Staatsstraße 2370 vorgestellt wurde, überraschte alle. Ein Entwurf des Stadtbaumeisters sieht vor, hier alle drei Rettungsorganisationen zu vereinen und gleichzeitig Gewerbeflächen auch noch zu schaffen: das
„Rettungszentrum Zibetholzweg“, aus dem Hut gezaubert! Wenig Worte darüber, dass dafür ein kompletter Wald fallen müsste – ein massiver Eingriff für die Stadtentwicklung und unklar, ob der Waldausgleich dafür überhaupt leistbar wäre! Hinzu kommt, dass das BRK eine rasche Lösung braucht, während für die Feuerwehr erst noch ein Gutachten aussteht. Völlig unverständlich aber ist, wie gerade jetzt, da die Last großer Projekte für die Stadt sich in letzter Zeit mehr und mehr zeigt,
ein solches Mammutprojekt vorgeschlagen werden kann. Nein, so einfach kann man es sich nicht machen.
11. Februar 2024
Noch Kies in der Kasse, Piepen im Portemonnaie, Schotter im Schrank? Von wegen! Haushaltssperre, Ebbe, Schicht und Schluss mit lustig. Letzte Chance: die ganze Bande zusammentrommeln, alle Panzerknacker ausrücken, jetzt, sofort! Und schaut nur, was für ein Fang: Ein paar Scheine lokaler Währung sind ja doch noch da! Der "Penzberger Do-Laar" wird hurtig zusammengerafft - und beim Gaudiwurm friedlich-freigebig unters Volk gebracht. Letzter Blick auf die letzten Scheine. Was steht da drauf? "In Penzberg we hope – In Roche we trust"! Ja, ja, die Hoffnung stirbt zuletzt.
Hoffnung, gutes Stichwort. Da war doch was. Richtig, ab ans Glücksrad. Es gibt ja so viele Möglichkeiten, die üble Finanzgeschichte doch noch in den Griff zu bekommen: einfach mal 25 Euro pro Minute im Piorama-Parkhaus verlangen, das fällt schon gar nicht mehr auf, oder die Landesgartenschau einfach mal um zehn Jahre nach hinten schieben, dann hätten wir erst die Kinder in den Schulen untergebracht, alles gar nicht dumm. Dagegen: die Haushaltssperre bestehen lassen oder sich die Sache schöntrinken? Klingt ungesund, so nach Aushungern oder Absaufen. Keine Option.
Bleibt also nur: Mit anderen fünfzehn Gruppen tanzend, singend, lachend durch die Innenstadt ziehen, Bonbons werfen, Kurze ausgeben. Und gute Miene zur finanziellen Misere machen. Kappe auf den Kopf, Maske vor die Augen, Handschuhe an – los geht’s. Lasst‘s net aus!
4. Februar 2024
… Wei dei Schönheit erst beim zwoatn Blick auffloit,/ Weilst a Herz host wia a Bergwerk, weilst da Wahnsinn bist fia mi, steh i auf di." Was könnte besser zu dieser Veranstaltung passen als das Penzberg-Lied? Etwa 2000 Leute haben sich an diesem Sonntagmittag vor dem Rathaus eingefunden, versammelt unter dem Motto "Penzberg bleibt bunt. Vereint in Vielfalt und Toleranz. Für Demokratie – gegen Ausgrenzung". Das Lied begleitet eine Demonstration, die zeitgleich auch in vielen anderen Städten stattfindet.
Genaugenommen handelt es sich um eine Kundgebung mit anschließendem Gang durch die Innenstadt. Die Veranstalter Clemens Meikis, Gianna Lisci und Bärbel Scholz haben sich bewusst dafür entschieden, das gemeinsame Einstehen für die Demokratie in den Mittelpunkt zu rücken. Passend erinnert Meikis in einer kurzen Rede an den ersten Paragraphen unserer Verfassung, mit dem die Würde des Menschen als unantastbar festgesetzt und so unserem gesamten Wertesystem ein roter Faden verliehen wird.
Dass es der Rechtsextremismus ist, der dazu in gefährlicher Gegnerschaft steht, wird mit dem Hinweis auf das vom Medienhaus "Correctiv" aufgedeckte Treffen radikaler Rechter in Potsdam aber auch benannt: Hinhören und sich zu empören, sei darauf die adäquate Antwort. Vor dem Wegschauen habe jüngst erst eine Holocoaust-Überlebende im Bundestag gewarnt. Eine junge Frau, die mit den Potsdamer Remigrationsplänen gemeint wäre, hält ein Schild hoch mit der Aufschrift "Deutschland hat größere Probleme als uns Migranten".
Umgekehrt:
Unser Land löst Probleme mit Hilfe von Migranten, es fährt mit ihnen Post aus, pflegt mit ihnen Kranke und Alte, erzieht mit ihnen Kinder und vieles mehr.
Auf genau diese Weise ist auch Penzberg groß geworden und kann stolz sein auf Vielfalt und multikulturelles Miteinander. Das macht seinen besonderen Wert und seine Identität aus. So wie im Lied: "Wei bei dir des Herz und ned die Herkunft zoit…"
30. Januar 2024
Vieles konnte bislang in der Zukunftsplanung für die Stadt nicht weitergehen: Die Arbeit am neuen Flächennutzungsplan stagniert, da für den nächsten Schritt ein Mobilitätskonzept vorliegen muss. Und auch die Bemühungen um die Aufnahme der Stadt in die "Arbeitsgemeinschaft Fahrradfreundliche Kommune" (AGFK) sind davon abhängig, genauer vom Vorliegen eines Radverkehrskonzepts. Ob dieses allerdings in der bisherigen Beauftragung eingeschlossen ist, scheint nun wieder in Frage zu stehen; hierüber muss die nächste Stadtratssitzung Aufschluss bringen.
In dieser Sitzung aber sind schon mal die Vertreterinnen der beiden mit dem Konzept betrauten Firmen anwesend, Frau Zeidler vom Verkehrsplanungsbüro "PTV Group" und Frau Pucher vom Kommunikationsdienstleister "DialogWerke", beide aus Karlsruhe. Sie informieren über die einzelnen Phasen des Projektverlaufs, d.h. die Potenzialanalyse, den Einbezug externer Faktoren, die Leitbild- und Zieldefinition, die Maßnahmenformulierung und die Umsetzungsplanung. Bei alle dem soll die Bürgerschaft immer einbezogen sein, durch Information wie Beteiligung.
Als nur optional wird dabei auch die Begleitung der Umsetzung, die Erstellung eines Radverkehrskonzepts, die Durchführung einer Haushaltsbefragung wie auch einer Verkehrserhebung sowie die Erstellung eines Verkehrsmodells beschrieben; vor allem ersteres ist aus unserer Sicht dringend erforderlich. Immerhin sollen im gesamten Verlauf der Bearbeitung auch die angrenzenden Kommunen mitsprechen. Und das Konzept als solches soll in etwa einem Jahr vorliegen. Dass es später dann auch wirklich befolgt wird, liegt freilich in unser aller Verantwortung.
Wichtig jetzt:
Die Meinung der BürgerInnen ist gefragt. Am
Mittwoch, 21. Februar, gibt es einen
öffentlichen Auftakt in der Stadthalle, von 17.30 - 20.00 Uhr. Wer sich dafür einsetzen will, dass die Bedingungen für den
Radverkehr besser werden, dass
unsere Kinder sicherer zur Schule kommen, dass der Verkehr die Innenstadt weniger belastet, dass vor allem schwere LKWs nicht mehr durchs Zentrum rauschen – kurz,
wem an einer Verbesserung der Bedingungen für eine Mobilität gelegen ist, die Mensch und Klima dient, hat jetzt die Chance, sich dafür stark zu machen.
21. Januar 2024
Auch viele Menschen aus Penzberg saßen in den Zügen, die am Sonntag Richtung München fuhren: Unter dem Motto "Gemeinsam gegen rechts" wollte man die Kundgebung erreichen – und kam schon ab dem Odeonsplatz keinen Schritt mehr weiter. Ein anderer Versuch vom Norden her scheiterte an überfüllten U-Bahnen. Nur zu Fuß konnte man nach Norden laufen, um die Höhe Siegestor zu erreichen.
Aber die Veranstalter hatten gut vorgesorgt, über weite Strecken waren Lautsprecher verteilt, und so konnte man auch aus einer – der ebenso überfüllten – Querstraßen die Reden hören, die Sprechchöre und die Musik. Nach einer Dreiviertelstunde wurde von der Bühne verkündet: "Der Zug ist nicht möglich. Alles ist voll, vom Odeonsplatz bis zur Münchner Freiheit. 200.000 Menschen sind wir heute hier."
Dass die Veranstaltungsfläche dann entgegen der Ankündigung doch nicht mehr erweiterbar, am Haus der Burschenschaft "Danubia" kein Vorbeiziehen denkbar und nur die Hälfte der angekündigten Versammlungsdauer möglich war, wurde von allen, die sich am Rande unterhielten und noch lange in den Straßen in Grüppchen beisammenstanden, relativ gelassen genommen: "Es war ein starkes Zeichen!"
Mit einem Zeichen hatten sich aber auch die vorbereitet, an deren Haus man hatte vorbeiziehen wollen: Vor den Dachgeschossfenstern der imposanten Villa hing ein Banner mit weithin gut lesbarem Text: "Viel Feind, viel Ehr! Ehre, Freiheit, Vaterland." Das berühmte Wort des frühneuzeitlichen Landsknechtführers Georg von Frundsberg in Kombination mit der Losung der Jenauer Urburschenschaft schlägt einen ganz klar kämpferischen Ton an. Die breiten Proteste gegen rechts sind ein Anfang.
Die Diskussion, wie man auf diesen Ton antwortet, ist nun auch zu führen. Überall.
16. Januar 2024
Wie bisher sprechen wir uns auch in diesem Bauausschuss wieder gegen die monolithische Betonburg am Bahnhof aus und stimmen allein gegen die nächste Etappe bei der Änderung des Bebauungsplans für das Bahnhofsumfeld. Unsere Meinung zum Vorhaben des Investors dürfte inzwischen bekannt sein: zu hoch, zu dicht, zu klobig – und sowieso viel zu viel Beton. Nicht nur unpassend für unsere Innenstadt, sondern auch ökologisch völlig unzeitgemäß.
Ein weiterer Punkt kommt nun hinzu: Wir sind im Bauausschuss vom 4. Dezember 2023 den nächsten Schritt hin auf die Durchführung der "Planwerkstatt Innenstadt" gegangen und haben mit der Organisation des weiteren Verfahrens das Büro Hummel in München beauftragt. Zu Beginn der Januar-Sitzung, in der nun wieder das bombastische Projekt am südwestlichen Stadteingang auf der Tagesordnung steht, werden die Gründe zur Geheimhaltung aufgehoben, die "Planwerkstatt" wird also immer greifbarer. Eine Gestaltungssatzung ist ihr Ziel.
Wir fragen:
Wie kann das Ergebnis dieses Prozesses - die spätere Gestaltungssatzung - als verbindlich hier bereits verankert werden? Die Antwort des Stadtbaumeisters: Nur dadurch, dass jetzt die Änderung des Bebauungsplans gestoppt wird. Für uns – leider allein – ein klarer Hinweis. Denn hier geht es um einen grundsätzlichen Punkt: Wir müssen darauf achten, dass
wir nicht laufende Prozesse gegeneinander ausspielen. Sonst müssten wir uns fragen, wofür wir den Einsatz unseres Geldes beschließen, wenn das Ergebnis gerade an den wichtigsten Stellen der Stadt – auch im Bereich Menagehaus - einfach durch ein zeitliches Kopf-an-Kopf-Rennen überholt werden kann!
Wenn wir schon nicht selbst unsere Planungshoheit nutzen, dann doch wenigstens das beschlossene Instrument dafür!
24. Dezember 2023
Das ist eine wirklich wundervolle Idee von Alexandra Link-Lichius, die jetzt schon seit mehr als einem Jahr mit ihrem Team von der Evangelischen Gemeinde das monatliche „Café Ab und Zug“ im Bürgerbahnhof organisiert: am Weihnachtsabend die alte Wartehalle öffnen für alle, die sonst alleine zuhause säßen. Zusammengetan hat sie sich dafür mit Maria Braun von der Katholischen Gemeinde, und schon sind die Pforten offen, der Punsch dampft und die Kerzen leuchten.
Es ist dann auch nach 16 Uhr bis tief in den Abend hinein ein Kommen und Gehen. Man sitzt zusammen bei Gebäck und Getränk, man lernt neue Leute kennen, manche kommen gleich mit ihrer ganzen Familie, jemand hat eine Gitarre unter dem Arm, eine Dame überbrückt die Zeit bis zum Beginn des nächsten Gottesdienstes, ein Herr erzählt von Weihnachten, wie es früher war… - kurz: es ist ein großes herzerwärmendes Miteinander. Und jemand sagt: "So sollte es immer sein."
Da, wo bei anderen Veranstaltungen ein Rednerpult steht, leuchtet jetzt ein großer feierlich geschmückter Weihnachtsbaum. Man kann sich ein Wohnzimmer zuhause kaum gemütlicher vorstellen als diesen Raum, der seit der Renovierung mit Hilfe vieler BürgerInnen im vergangenen Jahr allen offen steht. Seit diesem Jahr auch am Weihnachtsabend. Nach dieser Erfahrung tragen im nächsten Jahr gewiss noch mehr Menschen zum Gelingen eines solchen Beisammenseins bei.
Ein ganz großes Dankeschön an die Initiatoren und Betreuer dieses ersten Weihnachtsfestes im Bürgerbahnhof!
20. Dezember 2023
Am 14. Dezember hat die Jury des Landesgartenschauwettbewerbs sich entschieden, das Berliner Büro Grieger Harzer Dvorak zum Sieger zu erklären. Jetzt sind alle Arbeiten in der Stadthalle zu sehen, viele BürgerInnen studieren und diskutieren sie. Auch die Beurteilungstexte der Jury sind auf die Pläne gepinnt. Daraus geht für die beste Arbeit hervor:
Der Entwurf schließt Bahnbogen, "Bachmeile" – entlang des Säubachs - und "Urbane Wildnis" – hinter dem Familienbad – zu einem Ganzen zusammen. Dabei werden bestehende Wege genutzt sowie schützenswerte Naturflächen ins Bewusstsein gehoben. Und es werden drei kreisförmige Akzente gesetzt: ein hoher Aussichtsturm zwischen Westend und Bahndamm, die runde Überformung der Säubachwiese an der Seeshaupterstraße und ein Moor-Erlebnis-Rondell hinter dem Familienbad.
Wir wissen heute noch nicht, ob die derzeitige Finanzlage die Durchführung der Landesgartenschau überhaupt erlaubt. Sollte es aber so sein, dann wird der Plan eine gute Arbeitsgrundlage bieten. Deutlich ist aber jetzt bereits, wo er aus unserer Sicht verändert werden muss: Der Ersatz des derzeitigen Verbindungswegs zwischen Westend und Bahndamm für Fußgänger und Radlfahrer durch einen engen Holzsteg wäre ein großer Verlust für den Radverkehr. Die Gründung eines bis zu 40 m hohen Turms im Moorboden wäre eine für diese Fläche bedenkliche Entscheidung. Und die Säubachwiese darf einfach gar nicht angerührt werden.
Wirklich überzeugend aber ist die Gestaltung im Bereich der Maßnahme zum Hochwasserschutz am Schlossbichl: Dort muss der Säubach wieder aus dem Rohr befreit und der Bahndamm für ausreichende Staumöglichkeit durchbrochen werden. Der Vorschlag für die Gestaltung dieses gewaltigen Eingriffs überzeugt. Und die Verweilflächen entlang der Bachmeile werden ein Gewinn für alle sein, die sie zu Fuß nutzen. Ein guter Anfang ist der Siegerentwurf also alle Mal.
Nachtrag im Januar: Inzwischen können die
Pläne des Siegerentwurfs auch auf der Homepage der Stadt eingesehen werden. Und es gibt ein
Erklärvideo zum Siegerentwurf auf dem youtube-Kanal der Stadt!
7. Dezember 2023
Die Haushaltslage der Stadt gibt schon ausreichend Anlass zur Sorge, da trifft uns auch noch eine schlechte Nachricht aus dem Kreistag: Über Jahrzehnte sind die Leitungspositionen der fünf Jugendzentren im Landkreis aus dessen Mitteln finanziert, jetzt sollten diese Mittel gestrichen werden. In unserem Falle trifft es ab 2025 die Stelle des direkt beim Landkreis angestellten Leiters Peter Gruber.
Die Haushaltsproblematik, die den Landkreis nicht anders als die Kommunen erfasst hat, führt zu verständlichen Einsparüberlegungen. Dass jedoch auch bei der Jugendarbeit der Rotstift angesetzt werden soll, ist aus Sicht des Penzberger Stadtrats ein schlechtes Signal: Die Kommune als Arbeitgeber der zweiten hauptamtlichen Stelle, die zwei Pädagogen sich teilen, verliert den Landkreis als Partner bei einer sozial wichtigen Aufgabe. Auch wenn es eine freiwillige Aufgabe ist.
Alle Penzberger Fraktionen zusammen haben jetzt
ein Schreiben an die Mitglieder des Kreistags gerichtet mit dem Appell, dass dies Stück Zukunftsverantwortung weiter gemeinsam getragen werde. Es ist dies nicht nur eine Frage gemeinsamer
Wertschätzung für den immensen Einsatz unseres JuZ-Leiters seit fast vierzig Jahren, es ist auch ein Stück
Bekenntnis zur gemeinsamen offenen Jugendarbeit.
4. Dezember 2023
In der Sitzung des Bauausschusses wurde es an diesem Dienstag feierlich. Bürgermeister Stefan Korpan würdigte die vom "Fachbeirat Klima" ausgewählten Preisträger der alle zwei Jahre von der Stadt vergebenen Auszeichnung für Klima- und Umweltschutz. Die dafür insgesamt ausgesetzten € 3.600,- teilen sich in diesem Jahr drei Institutionen, die in Summe dafür sorgen, dass wirklich in alle Gruppen der Gesellschaft das Bewusstsein für einen achtsamen Umgang mit der Natur und einen wirksamen Schutz des Klimas hineingetragen wird.
Die Penzberger Bergwacht hat keine Kosten und Mühen gescheut, die ökologische Sanierung ihrer Diensthütte am Rabenkopf, die mit der Einrichtung einer Komposttoilette begonnen hatte, am Ende mit einer PV-Anlage auf dem Dach gewissermaßen zu krönen. Der TSV Penzberg erreicht eine große Zahl von Menschen, wenn er seine Mitglieder immer und immer wieder daran erinnert, nicht nur den Weg zum Sport zu Fuß oder per Fahrrad zurückzulegen, sondern dies zur Gewohnheit für den Alltag zu machen. Und das "Familienzentrum Arche Noah" hat den Kleinsten eine starke Erinnerung mit auf ihren Lebensweg gegeben, indem es gemeinsam mit den Kindern Küken aufgezogen hat und so zur Vermittlerin der notwendigen Sorge für alles Lebendige geworden ist.
Die Stadt Penzberg hat sich einen
Penzberger Klimaschutz-Aktionsplan gegeben und diesen erst im Januar 2022 in aktualisierter Form vorgelegt. Als Verein oder sonstige Gruppierung kann man auch ganz aktiv Teil der gemeinsamen Anstrengung werden, in dem man eine entsprechende
Klimaschutz-Erklärung der Stadt Penzberg unterzeichnet. Jede und jeder einzeln muss tätig werden, damit die Absichten auch Erfolge zeitigen. Die Preisträger sind Botschafter dieses Bemühens und gehen mit guten und pfiffigen Beispielen der Stadtbürgerschaft voran.
25. November 2023
"Das ist schön, dass man hier wieder so gemütlich am Samstagvormittag zusammenkommt", sagt eine ältere Dame zu ihrer Tischnachbarin, "und dann diese vielen talentierten jungen Leute!" Die Rede ist von der Bläsergruppe der Musikschule Penzberg, die mit Schwung alle Gäste unterhält, die zum "Fairen Frühstück" in die Stadthalle gekommen sind. Jedes Jahr im Herbst lädt das „Umwelt- und Fairtrade-Team der Stadt Penzberg“ die Öffentlichkeit zu dieser Veranstaltung ein.
In den letzten Jahren hat das gemeinschaftliche Genießen fair gehandelter Lebensmittel unter der Pandemie und ihren Nachwirkungen gelitten, diesmal waren wieder gut hundert Menschen beieinander. Neu war, dass neben dem Umweltteam und der Musikschule auch der Seniorenbeirat an der Vorbereitung beteiligt war. An alle Altersstufen freilich richtete sich die Botschaft, auf die Herstellungsbedingungen dessen zu achten, was man sich täglich in den Einkaufskorb legt.
So wurde ein im Internet frei verfügbares Video gezeigt, indem man erklärt bekommt, welche Label einen fairen Handel von Produkten wie Kleidung, Orangen, Bananen, Kakao für die Schokolade und vielem mehr garantieren und so der Ausbeutung von Kleinbauern und Arbeitern entgegenwirken. Dadurch wird für eine angemessene Bezahlung der ProduzentInnen gesorgt und auf Kinderarbeit verzichtet. Nebenher wird dabei auch auf den Umweltschutz geachtet. In einem anschließenden kurzen Quiz-Spiel konnten Kinder und Jugendliche nochmal die wichtigsten Erkenntnisse spielerisch überprüfen. Und gleich nebenan war es möglich, sich am Stand vom "Eine-Welt-Laden" mit einigen Lebensmitteln einzudecken.
Drei verschiedene Formationen hatte die Musikschule mitgebracht: Allen jungen MusikerInnen und allen an Vorbereitung wie Durchführung Beteiligten einen herzlichen Dank für dieses schöne Beisammensein!
19. November 2023
"Es gibt keinen Besitz, der Nachlässigkeit vertrüge", hat Thomas Mann einmal gesagt. Diese Einsicht sollte auch eine Stadt sich zu eigen machen. Die Leerflächen und Leerstände, die im Stadtraum an zentralen Stellen einen ungepflegten Eindruck machen, sind dringend zu betrachten.
Wer am Bahnhof ankommt, sieht einen rotten Telefonunterstand vor einem zusammenfallenden Zaun; wer zur Stadthalle geht, wundert sich über das Haus links des schön renovierten "Metropol"; Ströme von Schülern passieren jeden Morgen das inzwischen verlassene, verbretterte, dahinbröckelnde alte Obdachlosenheim; und über das Zörnerhaus mitten in der Stadt gibt es jede Menge Missmut und Unverständnis.
Dass im Moment das Geld für große Maßnahmen fehlt, steht völlig außer Zweifel. Aber seit vierzig Jahren lehrt uns die "Broken-Windows-Theorie", dass vernachlässigte Orte zu Unorten in einer Stadt werden, geradezu Barrieren bilden, wenn nicht gar zu Fehlverhalten einladen. Das städtische Grundstück neben der Post wird mit Abfall immer wieder neu "dekoriert". Der vorliegende Antrag "Temporäre Fassadengestaltung des Zörnerhauses" widmet sich dem bedauerlichsten Anblick mitten in der Stadt, wo früher die Schulkinder einmal Schlange standen, um sich eine Wurstsemmel zu kaufen. Unserem Vorschlag nach könnten sich dort wieder Schüler tummeln - diesmal mit Pinsel und Farbe in der Hand.
Das
Zörnerhaus könnte mit Hilfe eines kunst-pädagogischen Projekts zu einem
Hingucker werden. Dann hat man Zeit zum Nachdenken. Denn was
aus ökologischen Gründen (Stichwort "Graue Energie") natürlich gar nicht geht:
Einfach mal abreißen. Die zwischenzeitliche Fassadengestaltung mit grossflächigen Graffitis oder Fotos ist in vielen Städten eine gängige Praxis, um Passanten aufmerken zu lassen und Besucher anzulocken:
Kunst mitten in der Stadt! Weitaus besser als abblätternde Farbe, die über kurz oder lang zum wilden Besprayen und Beschmieren einlädt!
18. November 2023
Bei strahlendem Wetter strömen endlich die Besucher in das neue Familienbad. Zwei Stunden lang haben sie draußen vor einer großen Leinwand die Reden zur feierlichen Eröffnung verfolgt, musikalisch umrahmt von der Bergknappenkapelle und gekrönt vom Sprung des Bürgermeisters in vollem Anzug vom Dreimeterbrett. Nun endlich steht allen die Tür zum Badevergnügen offen...
Mehr dazu ist auf der
Seite "Themen" zu lesen.
7. November 2023
In dieser Sitzung des Bauausschusses kam es zu einer einsamen Stimme von "Penzberg Miteinander":
gegen den Aufstellungsbeschluss einer Änderung des in der Innenstadt bestehenden Bebauungsplans für das Areal um das Menagehaus. Das gesamte Gelände bis zur Friedrich-Ebert-Straße mit Bebauung auch in zweiter Reihe hinter der Zeile entlang der Bahnhofstraße war im letzten Jahr von der Gesellschaft "Bayernwohnen" aus Stephanskirchen gekauft worden.
Dass ein Investor auf den Auftakt dieses Änderungsprozesses drängt, ist verständlich, führt aber in allen bisher durchlaufenen Verfahren dazu, dass die Stadt am Ende das sieht, was dieser sich wünscht - ohne sich vorher Gedanken darüber gemacht zu haben, was sie selbst sich wünscht. Genau zu diesem Zweck hat der Stadtrat im Juni aber eine Planwerkstatt in Gang gesetzt, deren Ziel es ist, mit Beteiligung auch der Bürgerschaft eine Gestaltungssatzung zu erarbeiten.
In anderen Städten, in denen es eine solche Satzung gibt, hat man im Laufe eines langen Weges herausgefunden, welche Vorstellung die Stadtgemeinschaft vom Gesicht ihres Lebensraums hat. Jedem folgenden Bebauungsplan ist dieses Gesicht von vornherein einbeschrieben. Und bestenfalls gibt es eine
Beratung der Bauwerber in der Phase Null, sodass gar nicht erst Pläne entstehen, die hohes Konfliktpotential in sich tragen. Wenn wir in Penzberg endlich so weit sind, dass wir uns über das Gesicht unserer Innenstadt Gedanken machen wollen, dann ist es widersinnig, jetzt ein Verfahren zu starten, welches diesen laufenden Prozess überholen und im Entstehen schon seinen Ergebnissen zuwiderlaufen könnte.
Die richtige Reihenfolge einzuhalten, bedeutet die Planungshoheit der Stadt auch zu nutzen.
Für das Gesicht Penzbergs sollte wichtig sein, dass es
Identitätsstiftendes bewahrt und bei
Neubauten gewisse baukulturelle Ansprüche erfüllt. Darüber hinaus müssen wir in Bezug auf die Klimakrise als Gesellschaft zunehmend einfordern, dass auch die Graue Energie bereits bestehender Bausubstanz berücksichtigt wird. Ein
gedankenloses Abreißen und Neubauen ist nicht mehr verantwortbar. Wenn das alles diskutiert ist, dann stimmen auch wir dem nächsten Aufstellungsbeschluss zu.
26. Oktober 2023
So viel inspirierende Information und so viel Mut, sich in der städtischen Umwelt auf neue Wege zu begeben, hat es vielleicht zum ersten Mal in Penzberg gegeben: Geladen hatte der "Treffpunkt Architektur Oberbayern" (TAO) von der Bayerischen Architektenkammer, zusammen mit dem Wessobrunner Kreis, der Stadt Penzberg und der Volkshochschule Penzberg. Zu hören – nein: zu erleben! - waren drei Impulsvorträge zur Stadtökologie, für die der Landschaftsarchitekt Harry Dobrzanski, der städtische Umwelt- und Klimaschutzbeauftragte Carl Wippermann sowie Stadtbaumeister Justus Klement mitreißende Referenten hatten finden können.
Professor Ferdinand Ludwig von der Technischen Universität München (TUM) wertet als "Baubotanik-Pionier" mit seinem Büro "Office for Living Architecture" (OLA) seit vielen Jahren aus, was er im Nordosten Indiens an "lebenden Brücken", geflochten aus Bäumen, erforscht hat: Wo man Bäume gezielt miteinander verwachsen lässt, da kann man sie konstruktiv einsetzen, mit Tragwerken verbinden, über Treppenhäuser erschließen, durch Dächer ergänzen, zum Schutz von Wohnhäusern einsetzen und noch viel mehr. Man wird damit allein nicht die Klimakrise lösen, aber das Mikroklima verbessern, Schatten spenden und die Lebensqualität steigern.
Im Anschluss zeigte die Naturgartenexpertin Ingrid Völker, wie auf mageren Böden blühende Paradiese entstehen, Insekten auch auf passend besäten Seitenstreifen Nahrung finden, gut fortgebildete Bauhofmitarbeiter solche Flächen pflegen, wie phantasielos gestaltete Spielplätze und leblose Supermarkt-Umgebungen zu Oasen werden, naturnahes Grün Jahr immer wieder andere Blütenpracht zeigt – wie viel Zeit es aber auch braucht, Menschen von einer gewohnten Vorliebe für in Reihe gepflanzte Einjährige ab- und einer blühenden Vielfalt nahezubringen. Jede Pflanze freilich, auch Bäume vor Rathäusern, benötigen zum Gedeihen einen offenen Boden.
Am Ende des Abends warb Benedikt Sunder-Plassmann, der Vorsitzende des Wessobrunner Kreises, mit seinem Vortrag "Re-Use. Neue Wege in der Architektur". intensiv dafür, nicht die Graue Energie einmal erbauter Gebäude zu verschwenden und die 55% Müll, die auf die Bauwirtschaft entfallen, weiter zu vermehren. Vielmehr riet er, den Bestand zu pflegen und sanieren sowie ihn bei Bedarf umzubauen und zu ergänzen. Dass dies privat wie kommunal möglich ist, zeigte er an eindrucksvollen Beispielen: Kommunen hätten die Planungshoheit, sie könnten für Erhalt statt Vernichtung gebauter Werte sorgen, ebenso wie für Verdichtung statt Flächenfraß.
Frage nur:
Wie können auch bauwillige Investoren und entscheidende Stadträte für all die guten Ideen und gelungenen Vorbildprojekte als Zuhörer gewonnen werden?
24. Oktober 2023
… das ist ganz unbestritten richtig. Und als in der jüngsten Stadtratssitzung das Thema
"Hannis Eismärchen" auf der Tagesordnung stand, da haben auch wir an viele schöne Stunden zurückgedacht, die vor allem die Penzberger Kinder um Weihnachten herum in den letzten Jahren auf dem Eis vor dem Rathaus gehabt haben. Doch je mehr sich in den letzten Jahren das Wissen um die Klimakrise vergrößert hat, um so stärker wurde unsere Skepsis, wie verantwortlich die Ausrichtung eines solchen
energieintensiven Vergnügens eigentlich ist – zumal in manchem Winter bei milden Temperaturen Fahrradausflüge möglich waren.
Dazu kam mit Ausbruch des Ukraine-Kriegs, dass Energie nicht nur aus ökologischen Gründen sparsam eingesetzt werden sollte, sondern wirtschaftlich knapp wurde und der Stromverbrauch drastisch zu reduzieren war. Und neuerdings haben wir nun auch noch finanziell eine
Haushaltssituation, die uns abverlangt, Prioritäten zu setzen. An freiwilligen Leistungen, die auf lange Zeit eingerichtet sind, lässt sich da nicht kürzen. An temporären Angeboten, die immer wieder neu überdacht werden können, dagegen schon – zumal neuerdings die
Kämmerei zu jedem Entscheidungspunkt klare und nachvollziehbare
Empfehlungen abgibt.
Zusammengefasst: In der Vergangenheit hatte das Schlittschuhlaufen für die städtische Gemeinschaft wie auch für die innerstädtische Wirtschaft hohe Bedeutung. Wir leben aber in einer Zeit, die einen
Wandel verlangt. So suchen wir nach einem
Freizeitvergnügen, welches in gleicher Weise unsere
Gemeinschaft fördert, die
Ressourcen schont und der
Wirtschaft dient. Lasst uns nachdenken etwa über eine Eisstock-Bahn, über einen länger andauernden Schmankerl-Markt, über die Zusammenarbeit mit allen Vereinen – kurz: darüber, wie wir als städtische Gemeinschaft etwas Neues, aber genauso Gutes auf die Beine stellen können und dabei auch auf die Ohren unserer Mitbürger noch Rücksicht nehmen! Selbst wenn die Mehrheit des Stadtrats nun dafür gesorgt hat, dass das Eismärchen trotz allem durchgezogen wird, hindert uns niemand am
Nachdenken über eine Alternative. Ein Weihnachtsbaum kann auch mit anderem Schmuck glänzen als allein mit Lametta.
6. Oktober 2023
Mal eben geklaut, um ihm die Freiheit zurückzugeben – und dann das: "Wolf vor Alpenpanorama! Unbezahlbar! Auch Betty und ich zückten schnell unsere Handys und knipsten wie wild preisverdächtige Naturfotos. Dann senkte Wolfgang seinen Kopf und schnupperte an einer hellblauen zarten Wildblume. – Weitere sinnliche Fotos wurden geschossen und … als nächstes machte Wolfgang eine halbe Drehung, pinkelte auf das zartblaue Gewächs, scharte ein paar Mal so machohaft mit den Hinterläufen … und tapste zurück, hüpfte in den Bulli und machte es sich wieder auf dem Schlafpolster bequem.“ Soweit zum Plan, einen geklauten Wolf auszuwildern.
Dass an dieser Geschichte rund um einen Wolf und seine bunt zusammengewürfelte Reisegruppe in einem alten Bulli auf dem Weg gen Süden Kinder wie Erwachsene gleichermaßen Freude haben würden, das war eindeutig bei der Verleihung des "Penzberger Urmel". Alle zwei Jahre wird der Preis vergeben für ein Kinder- oder Jugendbuch, welches von Text wie von Illustration her überzeugt. Die beiden Schülerinnen Sophie Frank und Linda Beckendorf führten gemeinsam mit Moderator Elias Schlögl gemeinsam durch einen kurzweiligen Festakt, bei dem Hans-Jürgen Feldhaus geehrt wurde für sein Buch "Kurve kriegen! Roadtrip mit Wolf".
Die Erwachsenenjury hatte aus 80 eingegangenen Neuerscheinungen zehn ausgewählt, dann war die Kinderjury dran. Auf mitreißende Weise stellten sie auf der Bühne jedes einzelne Buch vor. Am meisten begeistert aber waren sie von "dieser Gruppe von Chaoten, die da mit ihren eigenwilligen Dialogen in so einer liebenswerten Geschichte voller Leichtigkeit zusammengebracht" worden waren. Nach ihnen betrat der Autor selbst die Bühne, warf flugs einen Wolf aufs Papier und stellte sich zusammen mit dem Bürgermeister, der Landrätin und dem Chef der preisstiftenden Sparkasse den Fragen der Moderatoren, bevor er geehrt wurde.
Einen Dank an alle Lesevermittler wie unsere Stadtbücherei, an alle Leseunterstützer wie die Sparkasse und alle Lesevergnügenschaffer wie Hans-Jürgen Feldhaus! Einen Dank nicht zuletzt an die gesamte Jury, die sicher auch bemerkte: Beim Abschlussfoto guckte das Urmel selbst listig in eigentlich die falsche Richtung, hin zum Wolf auf dem Papier neben ihm.
Schon klar: Das Urmel weiß, was gut ist!
27. September 2023
Über Kunst kann man streiten, das passiert oft genug. Wissen sollte man aber, worüber es sich gehört zu streiten. Der persönliche Geschmack zählt dazu nicht. Insofern war es eine etwas verstörende Diskussion, die mehr als eine halbe Stunde der Stadtratssitzung einnahm. Da wurde viel darüber gesprochen, ob man ein transparentes Schaf mag oder nicht, ob es von der Größe her so passt oder nicht, ob es nicht überhaupt eher ein Lamm sein sollte oder nicht, ob eigentlich Glas ein pflegeleichtes Material ist oder nicht, ob man damit leben könnte oder nicht…
Ein Punkt aber wurde konstant ignoriert, obwohl von PM angesprochen: Beim Kreisel vor dem neuen Einkaufszentrum unterhalb der Berghalde handelt es sich um ein Verkehrswerk auf einer Staatsstraße und damit um einen öffentlichen Platz. Es handelt sich nicht um einen Teil des Privatgrundstücks, auf dem die Märkte und der Parkplatz entstanden sind. Dass der Entwickler des Areals sich bereit erklärt hat, für eine Gestaltung des Kreisels zu sorgen, ist hoch anzuerkennen, dafür gebührt ihm Dank. Allerdings ist dazu kein förmlicher Stadtratsentschluss gefasst worden. Wäre dies der Fall gewesen, dann hätten wir uns dafür ausgesprochen, dass es auch Künstler*innen aus der Region möglich wird, eine Idee für diesen Ort einzureichen.
In einem
Zeitungsartikel heißt es nun, PM sei der Meinung, dass "nur heimische Künstler beauftragt werden sollten". Falsch zitiert. Das wäre ja gleich doppelt ungerecht gegenüber den Kunstschaffenden in der Region. Denn es wäre ein Votum für eine Art "Quoten-Kunst". Weder darum geht es noch um ein Urteil über die Idee eines
Schweizer Künstlers von gutem Ruf. Sondern darum:
Öffentliche Orte sind rar. Die Möglichkeit für Künstler, sich für sie mit einem Werk zu bewerben, entsprechend auch. Der
„Berufsverband Bildender Künstlerinnen und Künstler“ (BBK) setzt sich immer wieder neu dafür ein, dass Künstler*innen einen
fairen Zugang dazu haben. Die Vorauswahl eines einzigen Künstlers ist dafür einfach nicht der richtige Weg. Ehe es so läuft, so unsere Meinung, wünschen wir uns eine Gestaltung rein mit Pflanzen. Der neue Kreisel in Bad Heilbrunn liefert dafür ein gutes Vorbild.
26. September 2023
Seit der jüngsten Sitzung des Stadtrats pfeifen es nicht mehr nur die Spatzen von den Dächern, sondern ist es öffentlich bekannt: Im Rathaus musste Ende August eine 30%ige Haushaltssperre verhängt werden. Nur 70% des ursprünglich freigegebenen Budgets stehen damit jeder Abteilung für die Dauer der Sperre noch zur Verfügung. Grund dafür sind wie in der Sitzung öffentlich dargelegt sowohl geringere Einnahmen als ursprünglich geplant im Verwaltungshaushalt als auch Mindereinnahmen beträchtlichen Ausmaßes im Vermögenshaushalt.
Dass die Stadt parallel große Projekte angepackt hat – die Sanierung der Sporthalle, die Einrichtung der Musikschule im alten "Metropol", den Bau des Familienbads und vor allem natürlich die Schaffung von Wohnraum an der Birkenstraße -, ist allgemein bekannt. Keine einzige Investition muss sich vorwerfen lassen, unvernünftig zu sein. Innerhalb weniger Wochen hat die neue Kämmerin es nun immerhin geschafft, dem Haushalt Investitionszuweisungen in Millionenhöhe zuzuführen sowie verkaufsreife Grundstücke zu veräußern. Und mit Hochdruck wird in ihrer Abteilung am Nachtragshaushalt gearbeitet. Dennoch fehlen noch immer 24 Millionen Euro. Über den weiteren Umgang mit dieser Situation wird intensiv zu beraten sein. Wir hoffen auf eine Klausur des Stadtrats, um über den Haushalt zu sprechen.
Dabei liegt uns nicht daran, über die Fehler der Vergangenheit lange zu zetern. Wir wollen sie lediglich verstehen, um daraus für die Zukunft lernen zu können. Das ist das eine. Und – das ist das andere – wir werden einige Entscheidungen, die wir favorisiert oder mitgetragen haben, überdenken müssen. Denn Kreditaufnahmen sind bei der derzeitigen Zinssituation noch umsichtiger zu erwägen - wenn sie überhaupt gestattet würden.
Kurz: Zur Mitte unserer Amtszeit müssen wir die laufenden Verpflichtungen der Stadt und eine
Neupriorisierung unserer Wünsche zueinander ins Verhältnis setzen. Für alles, was wir hierzu an
Meinungen aus der Bürgerschaft erfahren, sind wir dankbar.
22. September 2023
… überhaupt nicht daran, sich für mehr Fahrradfreundlichkeit einzusetzen. Denn Radeln kann man bei jedem Wetter, finden die Mitglieder des noch jungen Penzberger Vereins "Übermorgen". Und dafür braucht es besonders in unserer Stadt noch sehr viel Entwicklung. Die gefahrenträchtigen Stellen wurden bereits im Laufe des Sommers mit bunt gestalteten Rädern im Stadtbereich markiert. Die Aktion ergab sich im Zusammenhang mit der ersten diesjährigen "Kidical Mass" im Mai, als man mit über 200 kleinen und großen Leuten zweimal durch die Stadt radelte.
Jetzt fand das Herbstevent der weltweiten Initiative statt, die zweimal im Jahr dem Slogan "Straßen sind für alle da" eine immer wieder neue Form gibt. Auch wenn der Tag in Penzberg verregnet war, so wusste man doch, dass man eine der 380 Aktionen mit etwa 80.000 Teilnehmern gestaltete: Diesmal hatten "Übermorgen" und die Seeshaupter Gruppe des ADFC ("Allgemeiner Deutscher Fahrrad Club") die Veranstaltung auf dem Platz vor dem Rathaus angemeldet, wo Infostände und ein Parcours aufgebaut waren, außerdem eine Radl-Disco mit Licht und Sound.
Zusätzlich konnten verschiedene Fahrradmodelle selbst ausprobiert werden, vom Tandem bis zum Dreirad. Großes Interesse galt den Vertretern der Firma ROCHE, die mit ihren neuen Lastenbikes auf den Platz gekommen waren: Fünf davon hat die Firma angeschafft, und sie reichen gerade mal so aus. Interessant waren weitere Themen, über die man mit dem größten Arbeitgeber vor Ort ins Gespräch kam, etwa Fahrsicherheitstraining, beste Routen zum Arbeitsplatz oder Abstellmöglichkeiten auch für Räder mit offener Kindertransportmöglichkeit und über vieles mehr.
Dass Sicherheit und Komfort für Fahrradfahrer immer mehr Fürsprecher in der Bevölkerung finden, zeigte sich auch daran, dass über den schon beim letzten Mal mitwirkenden
Werkraum-Verein und die
BN-Ortsgruppe hinaus diesmal auch der
Seniorenbeirat sich beteiligte. Einer von ihnen blickt sinnend auf die stundenlang kreisenden Kinder: "Die können das. Die haben Spaß dran. Wir müssen sie nicht chauffieren. Für ihre Sicherheit sorgen, das müssen wir."
12. August 2023
Was für eine tolle Nachricht aus dem Rathaus: Einen Monat nach Beginn der Ausstellung von Werken des berühmten Bildhauers und Malers Alberto Giacometti (1901-1965) sind bereits 3.000 Besucher in unserem Museum gewesen. So etwas hat es noch nie gegeben, so eine Schau haben wir aber auch noch nie gehabt.
Zu verdanken ist sie dem Galeristen Helmut Klewan, dem die größte Sammlung des Künstlers in Deutschland gehört. Er war bei der Eröffnung dabei, hat sich über das Interesse und den Zuspruch gefreut und auch aus seiner Erfahrung als Sammler berichtet: Als er 1972 ein erstes Mal Giacometti in Linz ausstellte, war das Publikum durchaus geteilter Meinung; er aber ließ nicht ab und initiierte 1987 eine Schau in München, noch bevor dann 1988 die erste große Retrospektive in Berlin und Stuttgart stattfand. Aus einer langen Freundschaft zwischen dem Achtzigjährigen und Museumsleiterin Annette Vogel ergab sich die Chance, dass etwa hundert Exponate nun in Penzberg zu sehen sind: Skulpturen, Gemälde, Zeichnungen, Grafik.
Bekannt wurde der aus der Schweiz stammende Künstler für seine überlängten Bronze-Figuren, die in Europa erstmals 1959 auf der „documenta“ in Kassel und 1962 auf der „Biennale“ in Venedig zu sehen waren. Zu diesem Zeitpunkt war er in den USA bereits zehn Jahre lang hoch anerkannt, 1948 bekannt gemacht durch seinen Pariser Freund Pierre Matisse. Bei aller Berühmtheit aber blieb Giacometti vierzig Jahre lang fest verwurzelt in dem winzigen Atelier, welches er als junger Mann am Montparnasse bezogen hatte. Dort arbeitete er wie ein Besessener, selten zufrieden mit dem Ergebnis seiner Mühen. Wie er mit jedem Blatt, jeder Leinwand, jeder Skulptur rang, das lässt sich nun auch in unserem kleinen Haus studieren.
Verlängert bis zum 15.10.2023!
25. Juli 2023
… Fit wirst du nur, wenn du beides trainierst." So steht es auf einem zarten Grün an der Wand des neuen Fitness-Raums der VHS. Wo man früher Herrenkleidung wählen konnte, ist jetzt in der Rathauspassage ein neuer Raum für die VHS entstanden. Katja Wippermann ist überaus dankbar für die Entscheidung des Stadtrats vom März, 130.000 Euro in den gemeinsamen Ausbau von Kinderbücherei und VHS-Raum zu investieren. Vor der Juli-Stadtratssitzung berichtet sie von den drei Monaten, in denen aus dem ehemaligen Bekleidungsladen mit großem Einsatz von Rodja Maier vom Bauamt viel Platz für viel Bewegung entstanden ist.
Vom gesamten Angebot der VHS werden die Gesundheits- und Bewegungskurse zu 50% nachgefragt, erklärt die Leiterin der Einrichtung. Da sei man froh, mit dieser Fläche auch einen einladenden Raum anbieten zu können. Höchst geschmackvoll spielen die Grün- und Blautöne von Pflanzentapete und Gymnastikmatten mit der Beleuchtung zusammen. Von A wie Anfänger-Yoga bis Z wie Zumba kann im Programm der VHS Penzberg alles gebucht werden. Auch zwei Trampoline stehen bereit und werden gleich nach Ende der kurzen Ansprachen ausprobiert – mit lustigen Luftsprüngen, die hier den Stadtratsmitgliedern tatsächlich mal möglich sind.
11. Juli 2023
Städte verändern sich, es wird umgebaut und neugebaut. Das ist völlig normal. In Penzberg wird dies in den kommenden Jahren sehr konzentriert auf wenigen hundert Metern im Zentrum gleichzeitig geschehen, nachdem auf einzelnen Flächen die Eigentümer gewechselt haben oder sie noch nicht wiederbebaut sind. Deshalb hat das Bauamt im Dezember 2022 angeregt, für die Innenstadt einen Wettbewerb auszuloben, und der Bauausschuss hat das gutgeheißen.
Seit Mai ist bekannt, dass das Bemühen der Stadt, die weitere bauliche Entwicklung der Stadtmitte mitlenken zu können, als sogenannte "Planwerkstatt" stattfinden soll. In der Junisitzung wurde das Verfahren erstmals erläutert, und im November soll eine breit angelegte Bürgerinformation samt Beteiligung folgen. Dies alles lässt darauf hoffen, dass im Laufe des Jahres 2024 eine Gestaltungssatzung für die Innenstadt beschlossen wird, die mehr als den Gebäudeumriss regelt.
Währenddessen kam nun nämlich das seit Jahren mühsam vorangetriebene Bauvorhaben am Bahnhof wieder auf den Tisch des Ausschusses. Nach Zukauf des benachbarten Grundstückes ist das beplante Gelände noch größer geworden und das geplante Gebäude noch höher, mächtiger und dichter. Zum bisherigen Gesicht Penzbergs ist keine Verbindung erkennbar. Die Brache ist bereits geschaffen, nur das Gebäude mit dem Runderker gegenüber dem Bahnhof muss noch weichen.
Seit PM im Stadtrat vertreten ist, wünschen wir uns für dieses im Laufe der Zeit immer größer gewordene Areal eine maßstäbliche Bebauung, die sich am umgebenden Ensemble orientiert, die in seiner Nachbarschaft übliche Dichte einhält und sich bestenfalls bei der Ankunft am Bahnhof als Visitenkarte präsentiert. Der jetzt gegen unsere Stimme weiterbeförderte Bebauungsplan dagegen folgt ganz dem Willen des auswärtigen Investors, für den das Drumherum irrelevant ist.
Ein weiterer Aspekt kommt noch hinzu: Immer mehr steigt auch das allgemeine Bewusstsein dafür, dass wir beim Bauen wegkommen müssen von den Betonburgen. Laut Weltklimarat gehen 10% der CO2-Emissionen allein auf die
Betonproduktion zurück. Was kann da die Politik tun? Unsere Kommune hat Verantwortung übernommen und errichtet den neuen Kindergarten an der Nonnenwaldstraße in Holz-Hybrid-Bauweise. Wann endlich werden auch private Investoren verantwortungsbewusst bauen?
7. Juli 2023
Was für ein großer Moment für die vielen kleinen Menschen, als sie selbst die Tür zu ihrer neuen Schatzkammer öffnen durften! So viel Betrieb war lange nicht in der Rathauspassage wie an diesem heißen Freitagnachmittag, als der neue Ort für die Kinderabteilung der Stadtbücherei eröffnet wurde. Nur ein halbes Jahr hat es gedauert, bis den Räumen des früheren Bekleidungsgeschäfts neues Leben eingehaucht war. Nach wenigen Wochen des Nachdenkens hat der Stadtrat im März einstimmig beschlossen, dass etwa 130.000 Euro für die Investition in die Bildung der Jüngsten bestens angelegtes Geld sind. Und dann ging es im Eilschritt voran.
Dabei haben in den drei Monaten des Umbaus wirklich alle angepackt: Die Familie Lampka ist sämtliches Inventar mit Büchereileiterin Katrin Fügener durchgegangen, sodass die Kinderbücher jetzt auf Regalen stehen, auf denen früher gefaltete Blusen lagen. Mehrfach wurde bei den Eröffnungsansprachen die Arbeit von Rodja Maier hervorgehoben, der im Bauamt alle Arbeiten bis zum Eröffnungstag minutiös aufeinander abgestimmt hat. Eine Vertreterin der "Landesfachstelle für das öffentliche Bibliothekswesen" lobte das gelungene Projekt, in das auch öffentliche Fördermittel geflossen sind. Und Bürgermeister Stefan Korpan freute sich, dass auf diese Weise das Großprojekt "Wohnzimmer Rathauspassage" doch Schritt für Schritt vorankomme – mit Büchern, die bei aller Digitalisierung doch immer wichtig bleiben.
Auch viele ehrenamtliche Stunden sind in das Vorhaben geflossen. Für den Verein "Übermorgen" sprach Lisa Staub: "Mit der Eröffnung der Kinderbücherei öffnet sich nicht nur eine Tür, es öffnen sich tausende. Mit jedem Buch eine in eine neue Welt." In Workshops hatten die Familien für den Holzbaum in der Mitte des neuen Raums Eulen und Uhus gebastelt, die jetzt das Getriebe unter ihren Flügeln mit Interesse betrachteten, als nach einem kinderstimmengewaltigen "Danke" die Schatzkammer voller Geschichte gestürmt wurde. Pfarrer Holz segnete den neuen Ort, danach wurde gestaunt, geblättert, gelacht, geredet. Was für eine Atmosphäre!
27. Juni 2023
Im April 2022 haben wir einen Antrag gestellt, der nun behandelt wurde. Es ging darum, dass nicht nur leerstehender stadteigener Wohnraum schnellstmöglich saniert und wieder vermietet wird, sondern auch um den Erhalt eines kontinuierlichen Überblicks über die von Seite der Stadt aus belegbaren Sozialwohnungen sowie die Entwicklung der Zahl von Bürgern, die mit Hilfe der Stadt nach Wohnraum suchen. Zudem sollte ein Konzept zur Linderung der Wohnraumnot erarbeitet werden.
Zu erfahren war nun das Folgende: Die Stadt ist Eigentümerin von 261 Wohnungen, von denen allerdings 36 Wohnungen im Sanierungsstau stecken. Hinzu kommen weitere 486 Wohnungen von verschiedenen Gesellschaften, für welche die Stadt ein Belegungsrecht hat. Dazu werden 149 neue Wohnungen kommen, die derzeit an der Birkenstraße gebaut werden. Mit diesen wird man nach Fertigstellung zumindest der Hälfte der derzeit über 300 Wohnungssuchenden helfen können.
In diesen Zusammenhang gehört aber auch die
Pflege der zumeist alten städtischen Liegenschaften. Hierzu wurde im Bauausschusses im Mai erklärt, dass 32 Millionen Euro nötig wären, um alle Wohnungen auch energetisch zu sanieren. Eine Rücklage dafür ist jedoch nicht vorhanden, also erst einmal anzusparen. Zwischenstand für dieses Mal: Einmal jährlich wird der erhaltene Bericht aktualisiert. Und bezüglich eines
Konzepts zur Wohnraumversorgung werden einschlägige Institute befragt.
27. Juni 2023
Im Zuge der großpolitischen Debatte über die Krankenhausreform wird überall sofort das eigene Krankenhaus auf seine Bestandsfähigkeit befragt. Besonders da, wo es sich nicht gerade um eine Großeinrichtung handelt. Dass man aber in Penzberg nicht fürchten muss, plötzlich ohne Versorgung dazustehen, war im öffentlichen Teil der Juni-Sitzung des Stadtrats von Seiten der Starnberger Geschäftsführung, Dr. Weiler, und der hiesigen Krankenhausleitung, Dr. Rogers/Herr Schmid, zu erfahren.
Eineinhalb Stunden wurde dargestellt, was zur Stabilisierung des hiesigen Standorts aktuell getan wird: Im Rahmen der neuen politischen Strukturen mit ihrer - dank der Länder durchgesetzten - zusätzlichen Einteilung in Leistungsgruppen wird auf der Basis einer hervorragend aufgestellten und weiter ausgebauten Viszeralchirurgie dafür gesorgt, dass das Penzberger Krankenhaus als ein kleines, aber eben hochwertiges Level-I-Haus bestehen bleiben wird. Hinzu kommt die Stärkung des Verbunds mit dem Starnberger Mutterhaus und den weiteren beiden Häusern, eine enge Zusammenarbeit mit dem Förderverein des Hauses, mit Roche sowie - sehr wichtig - mit der örtlichen Ärzteschaft, die man komplett hinter sich weiß.
Die „Starnberger Kliniken GmbH“ setzt somit ganz bewusst auf eine auch landkreisübergreifende Zusammenarbeit mit kleineren Häusern; nur dadurch etwa gibt es die Möglichkeit der Entbindung in Wolfratshausen, u.a. zum Vorteil von Penzberg. Das heißt, die Gesellschaft sieht sehr viel stärker als die Bundespolitik die Notwendigkeit einer flächenweiten Versorgung im ländlichen Gebiet und setzt sich dafür nach Kräften ein.
Unter den neuen gesundheitspolitischen Vorzeichen sind die Voraussetzungen für den weiteren Bestand unseres Krankenhauses entgegen irgendwelchen Unkenrufen gerade besonders gut - wenn die Stadt bezüglich
Wohnraum und Infrastruktur für Fachkräfte ein attraktiver Ort ist. Hierfür zu sorgen, ist unsere politische Aufgabe. Hierfür setzen wir uns auch ein. Passenderweise wurde in derselben Sitzung unser Antrag von April 2022 zur Beschaffung von bezahlbarem Wohnraum behandelt.
24. Mai 2023
Das konnte keiner ahnen: dass der Gegenstand des Themenabends von „Penzberg MITEINANDER“ noch am Vorabend einen ganz neuen Akzent bekommen würde. Hatte die Fraktion bereits vier Wochen zuvor bei der Debatte der Stadträte über den anstehenden Wettbewerb zum Bahnhofsumfeld vor einer
Wahl zwischen „Luftschloss und Millionengrab“
gewarnt und als einzige geschlossen gegen die aktuelle Fassung der Auslobung und damit gegen den Wettbewerb gestimmt, so war in der Zwischenzeit auch bei anderen Fraktionen Skepsis entstanden. Argumentiert wurde nun mit dem
belasteten Haushalt und der
Wettbewerb auf Eis gelegt.
Damit ist aber zum Bahnhofsumfeld weiterhin nichts geklärt. Die Einladung der Fraktion zu einem Treffen, bei dem die Vorstellungen von BürgerInnen zum Areal stadtseits und jenseits der Gleise eingeholt werden sollten, war wichtiger denn je. Denn nach wie vor soll der Bereich, der heute Park&Ride-Platz ist, irgendwie entwickelt werden, und nach wie vor wird das Quartier um das Bahnhofsgebäude herum in irgendeiner Art zum Eingangstor für die Landesgartenschau 2028 werden.
Nach einem orientierenden Gang über das viel diskutierte Gelände standen im Bürgerbahnhof an sechs Stationen je vier Plakate zum Bekleben mit Punkten bereit. Je zwei Plakate galten der Beschreibung des Bahnhofsareals und zwei der Aufgabenstellung für den Wettbewerb. Die Gesamtzahl der abgegebenen Meinungen ist auf einem Auswertungsexemplar der Befragung zusammengefasst. Mal erhielt eine Frage 44 Antworten, mal 52. Im Schnitt gab es 47 Meinungen. Dabei beteiligten sich die vier Mitglieder der PM-Fraktion, die beiden Moderatoren Moni Uhl und Tom Sendl sowie die beiden Teamer Gisela Matschl und Catti Bocksberger nicht.
Die
Auswertung finden Sie auf der Seite
"Themen"
13. Mai 2023
Wenn man zum "Tag der Städtebauförderung" einlädt, dann werden dabei nicht nur die mit reichhaltig geflossenen staatlichen Fördermitteln fertiggestellten Projekte vorgestellt, gleichzeitig ist die Veranstaltung auch eine Form des Danks. Penzberg nahm 2015 an der ersten deutschlandweiten Durchführung dieser Art teil, in diesem Jahr zum zweiten Mal. Die Kulturabteilung im Rathaus hat dafür die acht Ausstellungstafeln in der Innenstadt mit einer Schau von alten Ansichten und aktuellen Plänen unter dem Titel "Gestern – Heute – Morgen" neu bestückt. Hier wurde man am Samstagvormittag informiert und kann sich weiter daran erfreuen.
Auch das Fest am Abend war eine gelungene Form der Öffentlichkeitsarbeit, nachdem weitere kulturelle Punkte bereits unter Tag mit der Bespielung des neuen "Metropol" durch musikalische und filmische Darbietung gesetzt worden waren. Die Vertreter der Städtebauförderung konnten sehen, dass die investierten Mittel wirklich das "Wir im Quartier" – so das Motto des Tages - neu beleben. Allein der Nachmittag blieb sparsam genutzt, obwohl es hier um Bürgerbeteiligung bei der Entwicklung der Landesgartenschau 2028 wie beim Neuentwurf des Flächennutzungsplans ging. Zur ersten Beteiligung waren etwa 30, zur zweiten 50 BürgerInnen gekommen. Dazu waren jeweils Bürgermeister, Vertreter der Kulturabteilung, des Stadtrats, der Presse und vor allem der mit den Planungen beauftragten Büros anwesend.
Das Ergebnis beider Durchführungen aber war sich sehr ähnlich: Die interessierte Bürgerschaft wünscht sich eine beruhigte, begrünte, beschattete Stadt, oft mit ganz konkreten Forderungen verbunden wie "Tempo 30 in ganz Penzberg für immer". Bei der Mobilität wird das Fahrrad großgeschrieben, und für die Familienfreundlichkeit hatten junge Eltern schöne Beispiele für die Möglichkeit des Naturerlebnisses mitgebracht. Für den Flächennutzungsplan stand durch einen 90minütigen Vortrag mehr die Bürgerinformation im Vordergrund. Das Credo der Planer aber, weiteren Flächenfraß zu verhindern und auch bei der Innenverdichtung nur ein Minimum an Versiegelung zuzulassen, fand in der anschließenden Diskussion Zustimmung. Ob über die rasant alternde Stadt schon genug nachgedacht wird, blieb dagegen offen.
Mitten in der Stadt steht seit dem 13. Mai ein kleiner Briefkasten an einem großen P. Hier kann man weiter Wünsche wie auch Kritik loswerden.
6. Mai 2023
Dass "Die Alte Molkerei" an der Christianstraße auch das Zeug hätte zu einem hippen Zwischennutzungsareal, das wird man nach diesem Samstagnachmittag nicht mehr so schnell vergessen. Das Bild ist nun im Kopf: Statt Autos sind Paletten zum gemütlichen Abhängen auf dem großen Hof verteilt, das Ladepodest des früheren Wirtschaftsgebäudes dient als überdachte Bühne für die mitreißende Musik von "Samba Batedura" und "Wild und Hungrig", bunt geschmückte Pavillons laden zu Information und Bastelei ein, beim "Werkraum" gibt es Kaffee und Kuchen und auf der anderen Seite kühle Getränke bei den Jugendlichen vom "Chillout".
Das war ein tolles Event, welches der gerade frisch formierte Verein "ÜberMorgen", der "Allgemeine Deutsche Fahrrad Club" (ADFC) und die Ortsgruppe des „Bund Naturschutz“ da gemeinsam organisiert haben! Dabei war es zunächst mal erst nur darum gegangen, zur zweiten "Kidical Mass" in Penzberg zu trommeln. Und das gelang mit großem Erfolg: Waren es im letzten Herbst bereits 150 kleine und große Radler, die sich dem Ruf zur Demo für mehr Fahrradfreundlichkeit anschlossen, dann waren es diesmal 280 Leute, die klingelnd und singend durch die Innenstadt fuhren: "Wozu ist die Straße da? – Na, zum Radfahrn, na, zum Radfahrn…"
Regina Klostermann von "ÜberMorgen" freute sich nach der Rückkehr des Radltrosses in den Hof bei ihrer Begrüßungsansprache über die große Resonanz und hoffte, dass der darin steckende Appell auch bis zu den politischen Entscheidern dringt - nicht zuletzt vor dem Hintergrund, dass Ende April die Verkündung des ADFC-Fahrradklimatests 2022 für Penzberg nur die Note 4,5 erbracht hat. Und Lisa Staub setzte darauf, dass die überall im Stadtbereich verteilten kunstvoll verzierten Fahrräder als permanente Erinnerung an die Bitte um Sicherheit und Komfort wirken – ganz besonders für die mit den heute noch kleinen Rädern.
28. April 2023
Den verschiedenen Facetten der jährlichen Erinnerung an die Mordopfer des 28. April ist mit der Dokumentation von Günter Bergel eine wichtige hinzugefügt worden: Sein Film, der Archivmaterial zum Ablauf des Geschehens mit späteren Aufnahmen des Gedenkens kombiniert, beleuchtet nicht allein die Mordnacht als solche, sondern auch ihre über Jahrzehnte fortdauernde Erschütterung der Menschen.
Mit 80 Zuschauern war der Bürgerbahnhof nach dem stillen Gedenken am Friedhof dicht besetzt. Das lange Schweigen des großen Publikums nach der Abblende war ein weiteres Zeichen der gemeinsamen Verneigung vor den Penzberger NS-Opfern. Einige ihrer Angehörigen saßen im Saal und fanden als erste zurück zu Worten: Hier wurde das Versagen der Nachkriegsjustiz kommentiert, dort wurden Erinnerungen aus der Familiengeschichte beigesteuert. Es war die Rede von der roten Stadt, vom Mut der Opfer und vom Entsetzen derer, die mit den Folgen der Mordnacht weiterleben mussten. Als Angehörige wie auch als frühere Gegner der Opfer.
Auch den Weg aus hilfloser Erschütterung heraus aber weist der Film, indem das Video-Gespräch von Bundespräsident Steinmeier mit Penzberger Jugendlichen von 2021 mit eingebunden ist. Daraus entsteht
der Appell zum genaueren Hinsehen und zum Sprechen über die Geschichte. Am Ende der Veranstaltung meldete sich eine Schülerin zu Wort: "Im Lehrplan ist das große Ganze des NS vorgesehen, aber es ist das Lokale, was uns berührt. Alle Umgebungsschulen sollten die Geschichte der Penzberger Mordnacht in den Unterricht aufnehmen." Genau dies unterstützt eine neue Themenführung, die jetzt auch vom Museum Penzberg aus angeboten wird.
25. April 2023
In die Tagesordnung der Stadtratssitzung wurde kurzfristig als neuer Punkt noch die Entscheidung über den Bahnhofswettbewerb aufgenommen. Vor vier Wochen hätte in diesem Gremium noch der Empfehlungsbeschluss des Bauausschusses für die Lage des Busbahnhofs auf dem Grundstück Philippstraße 30 bestätigt werden sollen. Dazu kam es wegen Uneinigkeit nicht. Dieser Punkt wurde jetzt übersprungen und stattdessen sofort zum Beschluss für den Wettbewerb geschritten. Gegen unsere Stimmen. Hier die Begründung von Fraktionssprecher Markus Bocksberger:
"Nach Sichtung aller Pro- und Contra-Argumente sind wir überzeugt, dass die Nachteile dieses Realisierungswettbewerbes überwiegen. Wir befürworten eine ganzheitliche Entwicklung, lehnen aber die Festlegung des Busbahnhofs an nur dieser Stelle für den Wettbewerb ab. Unsere Bedenken beginnen mit dem unnötigen Abriss eines bewohnten Hauses und der Versetzung eines erst kürzlich erstellten Radlabstellplatzes, der einen nicht unerheblichen Betrag gekostet hat.
Weiterhin geht es um die Versiegelung von 3500 qm als Vorbereitung auf die Landesgartenschau, d.h. eine baumfreie Zone als deren Portal: ein Widerspruch in sich. Der Höhenunterschied innerhalb der Fläche und der Untergrund, der zu hohen Mehrkosten schon beim Radabstellplatz geführt hat, erscheinen uns als zu kostentreibend, als dass wir uns für die Wettbewerbsvorschläge auf nur eine Möglichkeit beschränken dürften. Auch das Argument, das Fundament des Fahrradabstellplatzes könnte wiederverwendet werden, überzeugt aufgrund des Höhenunterschieds von zwei bis drei Metern zum restlichen Grundstück nicht.
Dazu kommt: Die von uns mehrfach vorgebrachten Forderungen nach Bürgerbeteiligung sowie auch durchführbare Vorschläge von "Pro Innenstadt", die abgelehnt worden sind, erschienen wohl manchen als populistisch, jetzt fällt uns diese Nichtbeachtung auf die Füße. Und zuletzt zur realistischen Perspektive des Realisierungswettbewerbs: Die erneute Erweiterung des Wettbewerbsgebiets verteuert sowohl diesen selbst als auch die Umsetzung. Die Kosten von mutmaßlich mehreren Millionen Euro sind haushalterisch in den nächsten Jahren nicht darstellbar, daher braucht es die Offenheit für kostengünstigere Varianten.
Die Ergebnisse des Wettbewerbs in dieser Form führen unserer Meinung nach durch Einengung der Ideenfreiheit für die Teilnehmer entweder zu einem
Millionengrab oder
zu einem
Luftschloss. Deshalb stimmen wir
gegen den Beschlussvorschlag."
22. April 2023
Für den 21./22. April 2023 hat die Kommunale Jugendarbeit des Landkreises Weilheim-Schongau zusammen mit dem Kreisjugendring einen "Tag der Jugend ausgerufen" – und natürlich ist das "Jugendzentrum Penzberg" mit einer Reihe von Angeboten mit dabei! Die Zusammenfassung am Sonntag, als alles vorüber ist: Ungezählte Höhenkilometer am Kletterbaum gesichert und 80 Besucher abends beim Konzert empfangen! Pit Gruber, Heidi Kollmannsberger und Alex Michel freuen sich über die tolle Stimmung und darüber, dass es möglich war, den jüngeren und älteren Besuchern wieder einmal ein besonderes Event zu bieten.
Die drei Bands mit insgesamt 15 Musikern am Abend waren gewiss der Höhepunkt der Zweitages-Veranstaltung. Aber auch die Erlebnisse am Kletterbaum sind in ihrer Wirkung nicht zu gering zu schätzen. Eine Wohngruppe aus dem Don-Bosco-Heim ist extra gekommen, um das besondere Angebot zu nutzen. Über Stunden steht Pit Gruber an diesen Tagen in seinem Klettergurt, ermuntert, erklärt und lobt. Er weiß, dass der Aufstieg auf ca. 10 m Höhe oben wie unten viel Disziplin erfordert, aber auch die Kinder und Jugendlichen mit viel Selbstvertrauen belohnt. Naturerlebnis, Bewegung und Achtsamkeit verbinden sich hier, bestens betreut und angeleitet!
Das Team vom Jugendzentrum ist sehr dankbar dafür, Außenaktivitäten stark fördern zu können. Es hofft einerseits darauf, nach
über dreißig Jahren Behelfsunterbringung in einer inzwischen stark sanierungsbedürftigen Bleibe irgendwann einen größeren, zeitgemäß ausgestatteten Platz zu erhalten. Andererseits aber sollte auch dieser wieder von Naturraum umgeben sein. Ideal wäre dafür aus Sicht der Betreuer die Berghalde, an die auch Teile der Skateranlage mit umgezogen werden könnten. Ein
Abenteuerspielplatz und ein
Multifunktionshartplatz wären eine ideale Ergänzung. Man denkt bereits vor an
die kommende Ganztags- und Mittagsbetreuung, für die auch ein Jugendzentrum zum Anlaufpunkt werden kann. Und man sieht, dass im Rahmen einer kommenden Landesgartenschau die Berücksichtigung der offenen Jugendarbeit mitten in der Natur einen wertvollen sozialen Akzent setzen würde.
15. April 2023
Dass es beim "Drehmoment" nicht mehr allein um die von Händlern und Kunden geschätzte große Penzberger Autoschau geht, zeigt bereits der neue Zweittitel: Als "Mobilitätstage" ist das Wochenende diesmal auch angekündigt. Alle sind sich einig, dass in Zeiten der Klimakrise neben den Individualverkehr mit dem eigenen PKW Alternativen treten müssen und werden. Nicht nur neue Elektro-Autos, mit denen die Frage von Verkehr und Parkraum noch nicht gelöst ist. Sondern auch Zweiräder, vielleicht sogar Dreiräder. Eine Rikscha war eines der Highlights am Samstag: permanent in Betrieb, von allen Altersgruppen gerne ausprobiert!
Neben Fahrradhändlern und buntem Rahmenprogramm trat diesmal mit dem frisch gegründeten Verein "ÜberMorgen" ein neuer Akteur mit auf den Plan. Unterstützt vom "Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Club" (ADFC) hat er hier zum ersten Mal sein Anliegen für eine gute Zukunft heutiger Kinder und Enkel konkretisiert: Wenn wir dem Fahrrad gute Rahmenbedingungen schaffen, wenn wir auch Lastenrädern und Zweirädern mit Anhänger ausreichend breite Radwege und Abstellmöglichkeiten bieten, dann wird das energiesparsamste Transportmittel mehr Bedeutung erringen. Der Stand, an dem viele kleine Kinder herumtrubelten, zeigte deutlich die Richtung: "Das Wetter hätte besser sein können, aber die Kinder hatten ihren Spass beim Malen und an den Aktivrädern! Und um die Kinder, um die geht es bei alle dem", so die Initiatoren.
Es ist ein Hoffnungsmoment, dass sich beim "Drehmoment" für diesen Aspekt der Verkehrswende jetzt auch bei uns junge Familien stark machen. Für den neuen Verein ist dies nur der Auftakt. Die nächste große Aktion ist geplant für den
6. Mai, wenn man im Rahmen der deutschlandweiten
"Kidical Mass" auf großen und kleinen Rädern durch Penzberg radeln wird, um unter dem Motto "Straßen sind für alle da" für kinderfreundliche lebenswerte Städte zu werben. Der ADFC wird wieder dabei sein und der "Förderverein Werkraum" am Start- und Zielort das Event tatkräftig unterstützen. Ja, und auch der "Flamingo Express" wird wieder den Weg weisen zu vielen Aktionen rund ums Rad.
30. März 2023
… der als Ehrenpreis für das Lebenswerk an unsere langjährige Museumsleiterin geht, an Gisela Geiger! Der seit 1999 zwölfmal vergebene renommierte Kulturpreis der "Süddeutschen Zeitung" ist auch für alle diejenigen eine Ehre, die mit Freude und Einsatz den Aufbau der Campendonk-Sammlung und damit des städtischen Museums begleitet haben. Damit ist der Stadt ein Glanzpunkt aufgesetzt worden, der inzwischen von weit her Besucher anlockt.
Ein Blick auf die derzeit laufende Ausstellung zeigt im Kern, worin das Besondere in Arbeit und Wirken von Gisela Geiger liegt. Aktuell betreut sie die Ausstellung des Holzbildhauers Christoph Finkel. Bei ihren Führungen steht sie jedes Mal mit neuer Ehrfurcht vor den teils riesenhaften Holzarbeiten, die ausgehöhlt und eingeschnitten wie zarte Amphoren wirken. Ist Finkel anwesend, geht zuweilen mitten im Satz das Wort von der Kuratorin zum Künstler über, um am Ende zu einer gemeinsamen Aussage zu führen: "Zeit ist keine Kategorie bei solch einer Arbeit, vielmehr geht es um einen Prozess der fortwährenden Annäherung an das, was möglich ist." Ein Satz, der für ihrer beider Arbeit gilt, so verschieden sie sein mag.
Ein besonderes handwerkliches Können ist der Kern aller Ausstellungen auch des von Gisela Geiger maßgeblich geprägten Vereins "KunstZeche". Das verbindet den genauen Blick auf die Entstehung der Hinterglasmalerei eines Campendonk mit dem Interesse für die Techniken beim Brennen von Keramik, Schöpfen von Papieren, Wirken von Textilien und vielem mehr. Und derzeit sind eben die Arbeiten eines Holzkünstlers zu sehen, der mit großem Respekt vor einem jahrzehntelang gewachsenen Baum, der dann – gestürzt, gefallen, aber nie gefällt – von ihm gefunden, geholt und gelagert wird. Bis die Zeit reif ist. Spannt dann Finkel das Holz in seine mehr als 100 Jahre alte Drehbank, beginnt für ihn die Arbeit mit einem "geschichtsträchtigen Wesen von eigenem Charakter", dem er keine Idee überstülpt, weil es selbst bestimmt, wie es trocknet, sich wellt und farblich entwickelt.
Die Linie, die Gisela Geiger für das Penzberger Haus entworfen hat, ist keine der schrillen Töne und spektakulären Auftritte. So ein Künstler war auch Campendonk nicht. Geduldiges Können in einem "Prozess der fortwährenden Annäherung an das, was möglich ist" ist das gemeinsame Merkmal ihrer Arbeit, das des Expressionisten, als dessen Kennerin sie international gilt, und aller von ihr präsentierten Künstler. Wieder verdanken wir ihr eine
wunderbare Ausstellung, zu sehen bis zum 5. Mai.
28. März 2023
Der Bürger und die Bürgerin haben nun selbst getan, was seit 2019 ein Leitfaden des Bayerischen Staatsministeriums für Wohnen, Bau und Verkehr den Kommunen empfiehlt: sie haben sich zu Beginn eines Planungsprozesses beteiligt. In diesem Fall betrifft die Planung das Bahnhofsumfeld, das Mittel ist der Planungswettbewerb. Den aber gibt es in zwei Formen. Die vom Bundesbauministerium erstellte Richtlinie für Planungswettbewerbe von 2013 erklärt: "Der Durchführung eines Planungswettbewerbs liegt in der Regel die Realisierung der Wettbewerbsaufgabe zugrunde (Realisierungswettbewerb). Zur Findung konzeptioneller Lösungen, zum Beispiel zur Klärung der Grundlagen einer Planungsaufgabe kann ein Wettbewerb ohne Realisierungsabsicht durchgeführt werden (Ideenwettbewerb)."
In der Stadtratssitzung vom 25. Januar 2022 wurde beschlossen, für das Bahnhofsumfeld auf der Seite der Stadt, dem Ost-Teil, einen Ideenwettbewerb durchzuführen. Erst nach elf Monaten war wieder die Rede davon. Bis zur Sitzung vom 6. Dezember war aus dem Vorhaben ein "Realisierungswettbewerb" geworden, der im Vortrag als "Ideenwettbewerb mit Realisierungsanteil" präzisiert wurde. Auf den gezeigten Stadtplänen war zwar nicht markiert, wo dieser Anteil liegen sollte; hinsichtlich der zwischenzeitlich beschlossenen Landesgartenschau waren aber wohl die Freianlagen um das Bahnhofsgebäude herum gemeint. In der Dezembersitzung wurde nun die städtische Fläche entlang der Bahn dem Landesgartenschau-Wettbewerb zugeschlagen und dafür der West-Teil, auf dem sich bislang die P&R-Parkplätze befinden, mit in den Bahnhofswettbewerb einbezogen.
In der jüngsten Sitzung vom 28. März wurde nun der vom Bauausschuss zwei Wochen vorher festgelegte Ort für den Busbahnhof auf der Leinwand gezeigt und von einer Filzschreiberlinie umrahmt dem Realisierungsanteil zugerechnet. Fast wäre auf der Basis einer Handskizze ein Planungsauftrag für ein millionenschweres Projekt beschlossen worden.
Fast.
Glücklicherweise aber hatten sich im Vorfeld bereits Bürger bei allen Fraktionen gemeldet, in denen man inzwischen auch nachdenklich geworden war. Bei uns traf man auf offene Türen, meinen wir doch, dass ein städtebaulicher Wettbewerb Raum lassen sollte für die Ideen von Fachleuten. Hinzu kommen schwere Bedenken zu dem vom Bauausschuss mehrheitlich favorisierten Standort des Busbahnhofs: wo der Boden problematisch ist und die Entwässerung zu denken gibt, sollten nicht leichtfertig ein ortsbildprägendes altes Gebäude, ein neue teure Radstellablage und auch viel urwüchsige Natur zur Entfernung freigegeben werden.
Jetzt wurde für den
19. April eine
Beratung durch das Preisgericht beschlossen, die als
öffentliche Stadtratssitzung in Aussicht gestellt ist. Das ist das Mindeste, was zu tun ist, nachdem die Bürger bislang bei der Vorbereitung des Wettbewerbs nicht eingebunden waren. Der
Leitfaden für Partizipation des Deutschen Städtetags, 2022 erschienen, nennt viele gute Gründe für eine frühzeitige Bürgerbeteiligung, u.a.: "In Partizipationsverfahren drückt sich eine
Wertschätzung gegenüber den Erfahrungen und dem Sachverstand von Bürgerinnen und Bürgern aus." Eine öffentliche Sitzung mit der Möglichkeit der Meinungsäußerung würde solche Wertschätzung zeigen.
14. März 2023
… die Radl-Abstellanlage am Bahnhof. Wenn es einem Empfehlungsbeschluss der letzten Bauausschuss-Sitzung nach geht, wird die gerade erst zwei Jahre alte Anlage aber wieder abgebaut und das danebenstehende alte Haus auch gleich mit abgerissen. Denn auf dem gesamten Areal sieht eine Mehrheit des Bauausschusses vor dem inneren Auge einen künftigen Busbahnhof mit sechs Stellplätzen.
Ja, es sollen künftig mehr Überlandbusse fahren, die drei Meter länger sind als die Stadtbusse. Und der RVO wünscht sich eine Erhöhung von sechs auf zehn Stellplätze. Dafür wurden viele Ideen hin- und hergewälzt. Auch die andere Seite, "Bahnhof-West" genannt, wurde diesbezüglich geprüft und verworfen, auch wenn der RVO am 17.01. im Bauausschuss erklärt hat, mit beiden Varianten leben zu können. Damals hat man gebeten, die Gestaltung im Ostteil zu veranschaulichen.
Damit wollte man sichergehen, dass man einem städtebaulichen Wettbewerb im Bahnhofsumfeld keine unlösbare Aufgabe mitgibt, wenn man einen Vorschlag für die Busplätze verlangt. Man muss aber – gerade, weil es ein städtebaulicher Wettbewerb ist – keinesfalls bereits den Ort vorgeben. Und damit auch noch Dinge tun, über die man nicht spricht: Das bisher nur zur Disposition stehende Haus Philippstraße 30 wird damit abgerissen, ohne Beschluss. Die auf Stadtratsbeschluss an dieser Stelle mit Hilfe von Fördermitteln errichtete Radl-Abstellanlage wird damit wieder abgebaut, ohne Widerruf des eigenen Beschlusses. Dem Mobilitätskonzept wird vorgegriffen und damit etwa die Möglichkeit künftig kleiner Rufbusse nicht mit bedacht.
Unsere innerstädtischen Fragestellungen sind so komplex, und der Haushalt ist für die nächsten Jahre so eng bemessen, dass wir als Laien allein zu keinem guten Gesamtkonzept finden. Deshalb greifen wir doch für diesen Stadtbereich zum Mittel des Wettbewerbs, in der Hoffnung auf die guten Vorschläge von Fachleuten. Dann sollten doch auch alle noch offenen Optionen auch gestaltbar sein. Oder trauen wir der Jury nicht zu, dass sie am Ende den besten Gesamtentwurf erkennen wird?
So ein
Wettbewerb muss Denkmöglichkeiten zulassen für einen klar formulierten Anforderungskatalog. Klar ist, dass wir nach einer stadträumlich attraktiven, ökologisch zeitgemäßen und wirtschaftlich gangbaren Lösung suchen. Wenn wir viel vorab schon festlegen, erhalten wir am Ende nur die Verlegerichtung für den Asphalt anstelle kreativer Entwürfe.
26. Februar 2023
Mehrheitlich beschlossen wurde am Ende der Stadtratssitzung das folgende Vorhaben: "Der Stadtrat beschließt, das vorgelegte Vorgehen im Bereich Mobilität. Der Stadtrat setzt sich zum Ziel, als Mitglied in der Arbeitsgemeinschaft der fahrradfreundlichen Kommunen in Bayern (AGFK) den Radverkehr in besonderem Maße zu fördern. Der Radverkehr wird dabei als wesentlicher Bestandteil einer stadt- und umweltverträglichen Mobilität angesehen." Das kling soweit ja nicht falsch. Doch gestrichen wurde der Halbsatz "… und den Radverkehrsanteil am Modal-Split im Binnenverkehr bis zum Jahr 2027 um 5 Prozent anzuheben". Da stand die Zahl 5, und weil es eine Zahl war, dachte man sofort an Kosten. Diese Zahl hat zunächst einmal mit Kosten wenig zu tun.
Was ist der Modal-Split? Mit diesem Wort bezeichnet man die Aufteilung des Verkehrsaufkommens auf die Art der Verkehrsteilnahme zu Fuß, per Rad, ÖPNV oder Auto. Für Nürnberg etwa weiß man aus einer Erhebung im letzten Jahr, dass 33% der Bewegungen zu Fuß erfolgen, 15% mit dem Fahrrad, 25% mit dem ÖPNV und 27% mit dem Auto. Hier würde eine Anhebung um 5 Prozent bis 2027 darauf hinauslaufen, dass dann 20% mit dem Fahrrad unterwegs sind und eben weniger zu Fuß, per ÖPNV oder Auto. Für Penzberg kennen wir diese Zahlen noch gar nicht. Sie sind noch nicht untersucht. Geschweige denn, dass wir wüssten, was eine Anhebung um 5% kosten würde. Vielleicht reichen ja schon ein paar Schutzstreifen.
Für die AGFK aber ist es wichtig, dass eine Mitgliedskommune konkrete Ziele hat. Als ihre Vertreter am 14. November zur Bereisung hier waren, war ihnen bewusst, dass bei uns ein Mobilitätskonzept noch Zukunftsmusik ist. Wenn wir es dann aber eines Tages hätten, wäre ihr wichtig, dass wir uns im Laufe von fünf Jahren messbar verbessern würden, so die Erwartung an unsere Mitgliedschaft. Die AGFK will nicht alle Kommunen gleich gut hinbekommen, sie will allen Kommunen helfen, besser zu werden. Dafür ist sie ein idealer Ratgeber. Dafür war der Grundsatzbeschluss mit einer konkreten Zielformulierung zu fassen. Und das haben wir nun nicht getan. Die Latte der Verwaltung lag auf niedrigster Höhe. Sie wurde jetzt noch unterlaufen!
Erinnert sei an die Veröffentlichung der
Bayerischen Unfallstatistik letzte Woche mit der erschreckenden Bilanz, dass seit 2015 die
Unfälle mit Zweirädern um ein Viertel gestiegen sind. Innenminister Herrmann hat dazu versprochen: "Wir müssen das Radlfahren noch sicherer machen." Die AGFK ist der bestmögliche Partner, den man zu Rate ziehen kann, um zu prüfen, wo Gefahrenstellen entschärft und Radwege ausgestaltet werden können. Irgendwann braucht man dafür auch zusätzliche Stunden in der Verwaltung. Ja, das ist richtig. Aber: Wären die falsch investiert?
26. Februar 2023
... was für eine gute Idee war das doch! Franziska Harbich, die neue Leiterin des neuen "Seniorenbüros" in den Räumen neben dem "Christkönig" strahlt am Nachmittag: "Das hätte ich nicht erwartet, dass den ganzen Tag über der Raum rappelvoll sein würde. Das ist ein wunderbarer Start für unsere neue Einrichtung hier!" Und diese Einrichtung hat inzwischen auch ihren Namen gefunden, das Logo "Treffpunkt Casa Penzberg" prangt auf jedem Plakat. Hierbei war der Seniorenbeirat kreativ geworden, dessen Mitglieder auch diesen Tag mit viel Engagement mitgestaltet haben.
Alles ist für diesen ersten Öffnungstag aufs Schönste vorbereitet. An den Wänden gibt es Aushänge mit den Angeboten, die künftig denkbar sind: eine Wohnberatung ist in Planung und ein Montagsfrühstück. Wenn sich Ehrenamtliche zur Betreuung finden, dann kann es auch Hilfe beim Besuch von Behörden geben, eine Kreativwerkstatt, einen Spiele-Kreis, gemeinsames Kochen und noch viel mehr. Franziska Harbich freut sich, dass sich schon an diesem Tag die ersten fünf Interessenten für ehrenamtliche Mitarbeit bei ihr gemeldet haben.
Als Leitung des Treffs ist sie montags von 9-13 Uhr und dienstags von 14-17 Uhr in ihrem Büro anzutreffen und bietet hier ihren Rat zu allen seniorenspezifischen Fragen an. Dazu ist jeden Mittwoch von 8-12 Uhr der Pflegestützpunkt geöffnet, wo man Beratung bei Pflegebedarf, zu den gesetzlichen Ansprüchen und Informationen über sämtliche Pflege-, Versorgungs- und Betreuungsmöglichkeiten im Landkreis erhalten kann. Am Donnerstag, ebenfalls 8-12 Uhr, kann man hier auch die neue Schuldnerberatung aufsuchen. Neben der Kirche ist somit unter dem Dach der "Caritas" mit Hilfe der Stadt ein umfassendes neues soziales Zentrum entstanden.
Dass hier noch viel
Raum für Mitgestaltung ist, zeigt schon die vorläufige Möblierung. An Biertischen sitzt man beieinander und schmiedet Pläne: Wollen wir an der Ecke eine Polsterecke einrichten? Brauchen wir einen Schrank mit Bastelmaterialien? Dass hier viel Kreativität am Werk ist, zeigt schon das mit Fäden aufgespannte Netzwerk am Fenster, an dem viele Flyer mit Infos angeklammert sind. Draußen vor der Tür steht eine große Pinnwand, an der im Laufe des Tages viele neue Ideen gesammelt werden. Mit Vorfreude in den Augen steht die Leiterin davor: "Da haben wir jetzt viel zu sortieren und zu planen. Alle zusammen. Jetzt geht es los." Da kann man sich nur mitfreuen. Dieser Treff wird eine große Bereicherung für uns alle sein.
4. Februar 2023
Das "Café Extra" war gut gefüllt an diesem Samstagvormittag: Zweiter Landrat Wolfgang Taffertshofer (BfL) und Markus Bocksberger (PM) hatten geladen zu einer Informationsveranstaltung über den Beitritt zum MVV-Tarifverbund, der ihm sehr am Herzen liegt. Und keiner hätte besser darüber informieren können als Landrat Josef Niedermaier aus dem angrenzenden Landkreis Bad Tölz-Wolfratshausen. Denn dort ist der Beitritt auch des südlichen Landkreises seit kurzem beschlossene Sache, während für den Landkreis Weilheim-Schongau das Prüfverfahren derzeit noch läuft.
Allein den Ablauf zu durchschauen, bedarf es bereits einer kundigen Unterweisung, wie sie erstmals durch Niedermaier und den seinen Mitarbeiter Mathias Schmid gegeben wurde: In einer ersten Phase wird die verkehrliche Sinnhaftigkeit eines MVV-Beitritts gutachterlich untersucht, in der zweiten Phase dann die wirtschaftliche. Dabei werden die finanziellen Folgen vor allem für den Freistaat und die Kommune errechnet, indem Fahrgastzahlen und bisherige betriebliche Bilanzen ausgewertet sowie erwartbare Beteiligungskosten und Defizitübernahmen aus den geplanten Tarifen gegeneinander aufgerechnet werden. Alles keine leichte Kost. Am Ende soll für den Nutzer die Bequemlichkeit einer einheitlichen Netz-Fahrplan-Tarif-Regelung herauskommen, während der Verbund das Delta zwischen jährlich ca. 1,5 Mill. Euro Ausgaben und 900 Mio. Euro Ausgaben für den MVV gerecht aufteilt.
Hat sich der Landkreis für den Anschluss ausgesprochen, haben die Kommunen die Möglichkeit, ihre Linienwünsche anzumelden und die Verwaltung an den Verbund abzugeben. Der Landkreis arbeitet ab jetzt mit am Vorhaben der Bayerischen Staatsregierung, einen flächendeckenden ÖPNV zu schaffen; andererseits wacht er darüber, dass sich der Vorteil eines attraktiven Ticketpreises für den Nutzer und der Nachteil der Defizitbeteiligung für den Steuerzahler die Waage halten. Wichtiger aber als ein langes Hinterfragen einer inzwischen klug erdachten Tarifgestaltung ist es, dass das Angebot überhaupt erst einmal geschaffen und mittels Ticketbuchung per App auch möglichst einfach gestaltet wird. Die Einführung eines 49-Euro-Tickets kommt dem Ganzen auch nicht in die Quere, da dieses mehr für Dauernutzer von Interesse ist, die Tarife des MVV dagegen eher für Gelegenheitsfahrer.
Ja, alle Fragen sind noch nicht gelöst. Wie "die letzte Meile" von der Haltestelle bis zur eigenen Haustür zurückgelegt werden kann, das müssen Nahverkehrspläne noch austüfteln. Aber mit der Kombination von MVV und 49-Euro-Ticket sind die Voraussetzungen optimal, dass Menschen das "Eh-da-Auto" zuhause stehen lassen, junge Leute es vielleicht nicht einmal mehr anschaffen und die Öffentlichen nutzen.
22. Januar 2023
Monatelang hat uns das Thema "Energiekrise" in Atem gehalten. Und nur weil echte Versorgungsengpässe nicht eingetreten sind, ist das Thema auch noch lange nicht durch. Aber zum Beginn des Neuen Jahres schien es an der Zeit, stete Sorge durch Ermutigung zu ersetzen. Was Bürger im Kleinen wie im Großen tun können, um an der Energiewende mitzuwirken, das sollte der Kern unseres Neujahrsempfangs sein.
Dankbar waren wir deshalb, für einen Impulsvortrag Michael Sendl gewinnen zu können, Gründungsmitglied der Peißenberger Energiegenossenschaft, die inzwischen so erfolgreich ist, dass sie sich in "Energiegenossenschaft Oberland eG" umbenannt hat. Unter dem Slogan "Energie in Bürgerhand" baut und betreibt sie bereits eine Freiflächen-Photovoltaik-Anlage, die Strom für etwa 800 Haushalte erzeugt. Weitere solcher Anlagen in unserer Gegend, die eine der sonnenreichsten Deutschlands ist, sind geplant. In dem klugen Konzept sind zwei Elemente verbunden: Erstens wird mit Landwirten kooperiert, die unter den hoch aufgeständerten Anlagen ihr Vieh weiden lassen können. Zweitens werden immer zuerst die Bürger vor Ort beteiligt, was nicht nur zu einer hohen Identifikation mit dem Projekt führt, sondern auch zum Verbleib der Gewinne in der Kommune. Die gute Botschaft an diesem Abend: Penzberg sei noch ein unbeschriebenes Blatt. Die Genossenschaft lässt sich auch hier ausbauen, bei PM kann man sich melden (Markus Bocksberger (Tel: 0176 61871007).
Nach dieser großen Initiative, an der Bürger mitwirken können, ging es in den beiden folgenden Beiträgen um das, was jeder in den eigenen vier Wänden, bedenken, einsparen und auch erzeugen kann. Peter Rasor stellte an einigen Rechenbeispielen Relationen zum Energieverbrauch im Alltag auf. Allein durch das Auswechseln von Leuchtmitteln lasse sich viel sparen, da eine mit LED bestückte Lampe mit der gleichen Energie zehnmal so lange leuchte wie eine mit Glühbirne. Ein weiteres griffiges Beispiel war die Umrechnung einer Autofahrt mit Verbrenner nach München und zurück in die Heißwassererwärmung für 700 gemütliche Teestunden zu zweit. Einen anderen Zugang wählte Bernd Watzlawek, der über die Erfahrungen mit seiner Balkon-PV sprach, die sehr leicht selbst zu montieren und einzurichten sei, dann aber durchaus zu Verhaltensänderungen führe: Wer seine Energie selbst abgreifen wolle, der schalte Waschmaschine und Geschirrspüler nun sinnigerweise unter Tag ein. Sieben weitere Balkons in der Nachbarschaft sind jetzt schon ausgerüstet.
Die Beispiele an diesem Abend im Bürgerbahnhof machen wirklich Mut. Am Buffet gab es danach nicht nur Häppchen, sondern den Austausch weiterer Erfahrungen.
17. Januar 2023
Gleiche Bauausschuss-Sitzung, nächstes Thema: Wir hatten einen Antrag auf die Einsetzung eines ehrenamtlichen Gestaltungsbeirats für drei Jahre gestellt. Doch nach einer derart intensiven eineinhalbstündigen Diskussion über Klimaschutz-Maßnahmen konnte eine baukulturelle Frage nicht mehr interessieren. Der Aufruf des Punktes wurde denn auch gleich mit dem Kommentar versehen: "Das geht kurz." Ging auch kurz. Dauerte nur sieben Minuten. Dann war der Antrag erledigt. Immerhin angeblich nicht komplett erledigt, denn er soll wieder zur Vorlage gebracht werden, wenn irgendwann die drei laufenden Wettbewerbe – Bahnhofsumfeld, Innenstadt, Landesgartenschau – abgeschlossen sind. Etwa in einem Jahr oder so.
Komplett wurscht war der Einwand, dass mit den drei Wettbewerbsumgriffen bei weitem nicht die gesamte Innenstadt erfasst ist, dass also ein Bauvorhaben, welches etwa im Bereich der südlichen Karlstraße entstehen würde, keinesfalls von Teilnehmern oder Preisrichtern der Wettbewerbe mit angeguckt würde. Hätten wir ab sofort einen Gestaltungsbeirat, dann könnte er ein solches beurteilen und Rat geben. Denn dies ist seine Aufgabe in Städten, die darum bemüht sind, "ihre architektonische und städtebauliche Qualität auf einem hohen Niveau zu sichern und fortzuschreiben sowie Fehlentwicklungen in Architektur und Städtebau zu vermeiden", wie die Standardformulierung in entsprechenden Satzungen sagt.
Meist handelt es sich bei Städten unserer Größenordnung dabei um drei bis fünf stimmberechtigte Mitglieder, die aus Architektur, Stadtplanung, Landschaftsarchitektur oder Denkmalpflege kommen und in jedem Fall nicht ortsansässig sein dürfen. Denn es geht ganz bewusst darum, einen unvoreingenommenen Blick von außen einzuholen. Die Beiratsmitglieder müssten – anders als die Mitglieder unseres "Fachbeirats Klima" – eine Aufwandsentschädigung für die Sitzungen und eine Fahrtkostenerstattung erhalten. Das könnte einen Kostenaufwand von jährlich etwa € 12.000,- bedeuten.
Selbst wenn die
Innenstadt in den nächsten Monaten planungstechnisch in den
größten Umbruch seit ihrem
Bestehen gehen wird, ist man hier wohl zuversichtlich, alles alleine gut weiter im Griff zu haben. Um jetzt allerdings nicht auf eine neuere Fertigstellung mit dem Finger deuten zu müssen und die Stirn zu runzeln, sei umgekehrt doch mal gefragt: Kann irgendein in jüngerer Zeit errichtetes Gebäude in der Innenstadt benannt werden, dem nicht ein guter Blick von außen wirklich richtig gutgetan hätte? Eines, vor dem man stehen und sich sagen würde: "Gut gemacht!" Gibt es das?
17. Januar 2023
Okay, was man dem Antrag der Grünen vom letzten August auf eine Entwicklung zur klimaresilienten Stadt vorwerfen kann: er war falsch etikettiert. Denn eigentlich handelte es sich drei Jahre nach den Klimabeschlüssen des Penzberger Stadtrats vom November 2019 um eine Anfrage zum Stand der Bearbeitung einiger Maßnahmen, die inzwischen nicht mehr gegen den Klimawandel an sich, sondern gegen dessen Folgen gerichtet sein müssen. Und eigentlich hätte die Verwaltung die Bühne nutzen und ihre Verdienste ins Licht stellen können.
Stattdessen: Empörung des Bürgermeisters über so viel unnötigen Zeitaufwand und Beteuerungen des Stadtbaumeisters, es werde doch schon alles getan. Dadurch wurde es interessant.
Die gute Nachricht: Die Schmutz- und Regenwasser-Trennung wird vorangetrieben, auf städtischem Grund entstehen Zisternen und Regenwasserrückhaltebecken. Auch privaten Bauleuten wird dies bei der Aufstellung von Bebauungsplänen neuerdings abverlangt. Das ergab an vier von elf Punkten schon mal gleich ein Häkchen. Beschlossen wurde: Sowohl für ein Überflutungsmodell für Starkregenereignisse als auch für eine Stadtklima-Analyse soll nach Möglichkeiten der Förderung gesucht werden; es soll die Einbindung der Schwammstadt-Prinzipien in den neuen Flächennutzungsplan mit dem beauftragten Büro besprochen werden; und es soll das Stadtgebiet auf die Frage hin betrachtet werden, wo Entsiegelung denkbar wäre.
Wie schon bei der im Juli abgeschmetterten Grünerhaltsatzung stieß dagegen die Forderung nach einer Mindestsicherung von Stadtgrün wie nach der Begrünung von Dächern und Fassaden auf Widerstand. Nein, nicht in Penzberg. Das kommt nicht mehr überraschend. Dafür manch anderes. In der 92 Minuten dauernden Diskussion wird vom "Schwammstadt-Modewort" gesprochen, als ob das irgendein kurzlebiger Unfug sei. Und dann lernt man: Geld regiere die Welt. Wir müssten uns fragen, was wir uns leisten können. Klimaschutz sei "nice to have". Falsch! Seit dem Urteil des Bundesverfassungsgerichts im April 2021 wissen wir, dass Klimaschutz mehr als dies ist, nämlich ein Grundrecht. Einzulösen von Regierungen wie Kommunen.
Es ist Junn Eilert dafür zu danken, dass er mit Ruhe allen Anwürfen standhält und sich geduldig anhört, dass die CSU Geld für Wohnraum braucht und die BfP keinen Raum mehr für Wunschkonzerte sieht usw. – er schafft es, dass der Bauausschuss wirklich einmal eineinhalb Stunden über Klimaschutz-Maßnahmen spricht. Selbst wenn damit nochmal etwas auf die zwanzig Stunden der Verwaltung drauf kommt: manch einer hat leider bis zum Ende der Diskussion nicht verstanden, dass hierin eine
große, gesetzlich geforderte Fürsorgeleistung für die Bürgerschaft besteht.
2. Januar 2023
Jahreswende - früher bedeutete das einmal: Freundestreffen, Feierlaune, Feuerwerk. Doch irgendwie ist alles anders geworden. Bei großen Treffen droht Ansteckung, die Freude am Feiern ist mit Blick auf den nahen Krieg gedämpft, und das Feuerwerk beginnt schon Stunden vor Mitternacht. Die Schlagzeilen des ersten Tages im Neuen Jahr sind bestimmt von Randale beim Böllern und Peinlichkeit beim Twittern und todbringenden Silvester-Grüßen im Kriegsgebiet. Etwas später am Tag folgt dann bei der Tagesschau noch eine
Meldung, die bei all dem fast untergeht: das Wort
"Freiheit" sei zur Floskel des Jahres 2022 gekürt worden.
Man blickt auf das eigene Logo:
"Penzberg MITEINANDER. Frei denken. Frei handeln." Zusammen mit der großen bunt zusammengesetzten Kugel sind die Worte, die wir einmal für unsere Wählergruppe gefunden haben, auf jedem Schriftstück zu sehen, auf Anträgen, Pressemitteilungen usw. Bei unserem Zusammenkommen 2019 haben wir uns für einen Zusatz entschieden, um deutlich zu machen, dass wir unabhängig und parteifrei sind, ja nicht einmal einen Verein gebildet haben. Vielmehr waren sich alle, die uns unterstützen und die wir vertreten, einig, dass es uns um das Erreichen von
Klimaneutralität, Gemeinwohl und Bürgerbeteiligung geht.
Wenn also der Freiheitsbegriff wohlfeil wird und als Deckmantel für den eigenen Egoismus bemüht wird, dann haben wir mit solchen Vorstellungen von Freiheit nichts zu tun. Sicherheitshalber streichen wir deshalb den Zusatz in unserem Logo. Denn mit oder ohne ihn geht es uns allein um die Aufgaben, die vor uns liegen.
2. Januar 2023
In der zweiten Hälfte unserer Amtszeit warten einige sehr große Aufgaben auf uns:
Die Herausforderungen reichen also vom lokalen bis zum globalen Format. Bei jedem einzelnen Thema werden Disziplin und Rücksichtnahme eine Rolle spielen. Nicht um einer Gängelung willen, sondern um des Wohls der Gesellschaft willen.
Zum Jahresbeginn hoffen wir auf die Fortsetzung einer
guten Zusammenarbeit mit allen Akteuren in Bürgerschaft, Stadtverwaltung, Stadtwerken und Stadtrat.
Vor allem aber hoffen wir inständig auf eine Wendung des Schicksals der vielen Menschen aus der Ukraine, die bei uns Zuflucht gesucht haben.
Markus Bocksberger
Vordermeier 2
82377 Penzberg
Tel. 0176 61871007
markus.bocksberger@penzberg-miteinander.de